Handball
Eulen-Serie: Der Traum vom Aufstieg geht gleich zweimal in Erfüllung
Seine Karriere hatte er vor genau 15 Jahren beendet – zumindest bei den Eulen Ludwigshafen. Mit dem erstmaligen Abstieg 2011 aus der Bundesliga endete seine Zeit bei den Eulen, aber auch zwischen den Pfosten. Da flossen Tränen – auch weil das Ende einen anderen Grund hatte. Stephan Pfeiffer sagte nach seiner im Spiel im Februar 2011 bei FrischAuf Göppingen erlittenen Kreuzbandverletzung zum Saisonende Servus. Und das schweren Herzens. „Solch ein Abschied wünscht man sich niemals“, sagte der damals 1992 vom TV Rheingönheim als 17-Jähriger zur TSG Friesenheim gewechselte Torhüter. „Es war einfach Zeit, mit 36 Jahren aufzuhören, irgendwann muss man auch beruflich seinen Weg finden“, erklärte Pfeiffer, der sich damals nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht sowie einer eigenen Kanzlei in der Gartenstadt selbstständig machte.
Sein Abschied von der Handballbühne währte nur zwei Jahre. Dann durfte er sogar international aufs Parkett. Beim Super Globe in Doha in den Vereinigten Arabischen Emiraten stand der heute 51 Jahre alte Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei zwischen den Pfosten bei Sydney University Handball, jenem Team, das alljährlich die besten Handballer „zusammentrommelt“, um Australien bei dem „Fünf-Kontinente-Turnier“ zu vertreten. „Es war noch einmal ein schönes Erlebnis, das man ebenso nicht vergessen wird“, erzählt Pfeiffer, der in den Emiraten die letzten fünf Spiele seiner Karriere bestritt.
Aufstieg in die zweite Liga
Unvergesslich bleibt für den Pfälzer der Aufstieg am 30. April 1995 mit den überwiegend Pfälzer Jungs um Trainer Wilfried Job. „Ein Traum ging in Erfüllung. Ich war damals erst 20 Jahre. Es war unfassbar, welch eine Entwicklung wir hingelegt hatten“, erzählt Pfeiffer. Er war Teil der Meistermannschaften, die den Durchmarsch von der Regionalliga bis in die zweite Liga geschafft hatten. Er erinnert sich an die Kulisse in der legendären Rieshalle, die aus allen Nähten zu platzen drohte. Die Euphorie kannte damals keine Grenzen.
Pfeiffer gehörte auch zu jener Mannschaft der TSG Friesenheim, die erstmals ein Pflichtspiel in der Friedrich-Ebert-Halle austrug. Es war das Derby gegen die SG Leutershausen. „Auch das war für uns eine besondere Geschichte. In einer Halle spielen zu dürfen, die eine große Handballtradition hinter sich hatte“, sagt Pfeiffer und verwies auf die Bundesligazeiten des TV Hochdorf, der 1967 sogar die deutsche Vizemeisterschaft im Hallenhandball in die Pfalz geholt hatte. Zuvor war die TSG Friesenheim nur für die „Sportschau“ sowie beim damaligen Internationalen Pfalzcup dort angetreten. Nach den ersten Jahren in der zweiten Liga war klar, dass der Umzug in die größere Halle folgen musste. Diesen Weg erlebte Pfeiffer nicht hautnah mit, da er nach der Saison 1995/96 zunächst zum Regionalligisten TV Hemsbach und dann ab 2000 für fünf Jahre nach Leutershausen ging. Nach seiner Rückkehr von der Bergstraße 2005 ging es mit den Eulen weiter bergauf.
Aufstieg in die erste Liga
Daran hatte auch Pfeiffer einen großen Anteil. Ein Ludwigshafener Bub kehrte heim. Es folgte der nächste Höhepunkt in seinem sportlichen Leben: der Aufstieg zur Saison 2010/11 in die erste Bundesliga. Ein Novum. Stephan Pfeiffer ist bis heute der einzige Spieler in der Geschichte der TSG Friesenheim und der Eulen Ludwigshafen, der den Aufstieg in die zweite sowie in die erste Liga geschafft hatte.
„Es war unfassbar, 15 Jahre nach dem Aufstieg in Liga zwei auch ganz oben dabei zu sein und Bundesliga spielen zu dürfen“, erinnert sich Pfeiffer. „Die stärkste Liga der Welt, ein Traum.“ Über 300-mal trug er das Trikot der Eulen, wurde zu ihrem Sympathieträger, der geerdet und nahbar blieb – auch wenn er sportlich im Schatten von Kevin Klier stand. „Kevin war klar die Nummer eins.“ Dass sein Trikot heute noch unter dem Hallendach hängt, empfindet er mit Stolz, aber auch als Ehre, weiter für den Verein da zu sein, wenn es erforderlich ist. Es sind nicht nur die zehn Jahre, die er das Trikot der Eulen Ludwigshafen trug. Pfeiffer ging stets voran, ihm war kein Schritt zu viel. Er war Teil der legendären Jagdfieber-Kampagne, die damals von ihm neben Geschäftsführer Werner Fischer, Marketing-Profi Andreas Hahn, dem damaligen Kapitän Ulrich Spettmann, dem ehemaligen Physiotherapeuten Wolfgang Corbie und dem viel zu früh verstorbenen DJ Markus Wahl aus der Taufe gehoben worden war. Diese Kampagne zündete auch das Feuer für den sportlichen Höhenflug. „Es waren Momente, die vergisst man nicht“, sagt Pfeiffer. Die Folge: Eine Saison später gelang im zweiten Anlauf der Gang ins Bundesliga-Oberhaus.
Wiedersehen als nette Geste
Als nette Geste empfand er die Idee der Geschäftsstelle, in Erinnerung an den Aufstieg am 30. April 1995 die Aufstiegshelden einzuladen und an die Sternstunde des Vereins zu erinnern. „Es hat mich sehr gefreut, alle von damals wiederzusehen. Auch wenn man den einen oder anderen hin und wieder mal sieht, aber als Gruppe hatten wir das bisher nie geschafft“, erzählt Pfeiffer. Bis spät in die Nacht haben sie trotz der schmerzhaften Niederlage der Eulen gegen VfL Lübeck-Schwartau noch zusammengesessen. „Es war einfach schön, wieder in der Halle zu sein.“ Dabei gab Pfeiffer zu, dass er ein Stück weit weg von den Eulen gewesen war, aber keinesfalls emotional. „Für mich gilt heute noch das Motto: Einmal Eule, immer Eule“, erzählt Pfeiffer. Auch wenn man ihn nicht immer bei den Spielen vor Ort antraf, am Liveticker ist er bis heute bei allen Spielen dabei. „Ich hatte nicht immer die freien Kapazitäten, aber die Treue zu den Eulen habe ich gehalten. Auch in Zeiten, als es mal nicht so gut lief“, erzählt der Jurist.
Und er ist überzeugt, dass die Eulen den Klassenverbleib schaffen und dass Michael Haaß für diese Mannschaft zum aktuellen Zeitpunkt der richtige Trainer ist. Dass in der Geschäftsstelle Ruhe und Kontinuität einkehrt, davon ist er ebenso überzeugt. Der neue Mann, Andreas Olbert, ist für ihn kein Unbekannter. Beiden gingen auf die gleiche Schule, und schließlich sei es Olbert gewesen, der mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft in seiner früheren Funktion als Vertriebsleiter beim Rhein-Neckar Fernsehen die Jagdfieber-Kampagne maßgeblich begleitet habe.
Diskussionen intern führen
Zur aktuellen Entwicklung des Vereins hat der Jurist nicht nur eine Meinung, sondern auch eine klare Haltung. „Als ehemaliger Spieler sollte man sich aus der Diskussion heraushalten. Die Diskussionen sind intern zu führen, als Außenstehender kennt man so manche Details nicht. Mein Wunsch ist es, dass das geschieht und dass für alle Beteiligten Ruhe einkehrt“, sagt Pfeiffer, der wie kaum ein anderer die Handballszene in der ersten und zweiten Liga kennt. Das hat auch einen anderen Grund: Unmittelbar nach seinem Karriereende im Jahr 2012 wurde er Beisitzer im Bundessportgericht des Deutschen Handballbundes und ist es bis heute. Es entscheidet bei Streitigkeiten der ersten und zweiten Liga nach geltendem Recht. Damit gehört er zu den obersten Handballjuristen Deutschlands.