Ludwigshafen Es läuft wohl auf Steinruck hinaus

„Kein Kommentar“ – diese Antwort erhält man seit Monaten von möglichen SPD-Kandidaten mit Blick auf die Oberbürgermeisterwahl 2017. Vor der Landtagswahl wurde man auf nach der Landtagswahl vertröstet. Nach dem Urnengang vom Sonntag steht jetzt fest: Bis zur Sommerpause wollen die Genossen ihren Bewerber präsentieren. Es läuft wohl auf Europaabgeordnete Jutta Steinruck hinaus.

Es war sicher kein Zufall, dass die 53-Jährige, die im Stadtteil West aufgewachsen und politisch geerdet worden ist, am Sonntagabend in vorderster Front war, als die Sozialdemokraten bei der Wahlparty im Rathaus den Sieg der Landes-SPD, aber auch den Erfolg der Ludwigshafener Roten bejubelten. Die büßten bei den Zweitstimmen zwar 4,5 Prozentpunkte gegenüber 2011 ein, lagen aber in allen 14 Stimmbezirken deutlich vorne und bauten den Abstand zur CDU auf fast 14 Punkte aus. Überdies vergrößerten auch die Direktkandidatinnen in beiden Wahlkreisen die Distanz zu ihren Rivalen von der Union. Dass das auch ein Schub für die OB-Wahl ist, war zumindest der Tenor im sozialdemokratischen Lager. Und dass Steinruck auf diesen Zug aufspringt, den Schwung der Landtagswahl mitnehmen will, wird immer wahrscheinlicher. Öffentlich bestätigen will das kein Genosse, aber hinter den Kulissen hört man, dass die Entscheidung längst für die EU-Parlamentarierin (seit 2009) gefallen sei. Ihr werden die besten Chancen eingeräumt, Amtsinhaberin Eva Lohse (60, CDU) Paroli bieten zu können. Deren dritte Kandidatur ist dem Vernehmen nach reine Formsache. Für die ehemalige Stadträtin Steinruck spreche der Faktor Frau, ihre politische Erfahrung (seit 20 Jahren in der SPD) und ihr Netzwerk als Gewerkschafterin. Außerdem, so heißt es aus gut unterrichteten Kreisen, habe sich Steinruck in Brüssel und Straßburg bei den SPD-Kernthemen Arbeit und Soziales einen Namen gemacht und bringe als gebürtige Ludwigshafenerin den notwendigen „Stallgeruch“ mit. Ihr größter Vorteil sei indes, dass sie nicht Teil der großen Rathaus-Koalition sei und daher keine „Beißhemmung“ gegenüber Lohse habe, ihre wahrscheinliche Rivalin daher also auch frontal attackieren könne. In der ersten Reihe haben am Sonntag auch zwei andere hoch gehandelte Genossen mitgefeiert – Kämmerer Dieter Feid (49) und Parteichef David Schneider (26). Doch Feid, der als Finanzexperte geschätzt wird, fehlt nach der internen Einschätzung das Charisma, um Lohse ernsthaft in Gefahr zu bringen. Student Schneider schlage sich als Vorsitzender des Stadtverbands zwar achtbar. Mit seinen jungen Jahren soll er aber nicht in einem wohl aussichtslosen Duell verheizt werden. (ier/Fotos: Archiv) Einwurf

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