Ludwigshafen Erinnerung an Zwangsarbeiter

Die Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof fand gestern zum ersten Mal statt.
Die Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof fand gestern zum ersten Mal statt.

Der 23. März ist der Tag, an dem im Jahr 1945 die Nazi-Herrschaft in Ludwigshafen durch die Alliierten beendet wurde. „Es ist ein Tag der Befreiung der Zwangsarbeiter und unsere eigene Befreiung“, sagte OB Jutta Steinruck in ihrer Begrüßung. Die Gedenkfeier fand zum ersten Mal statt. Wir seien verpflichtet, uns zu engagieren, dass sich die Vergangenheit im gemeinsamen Haus Europa nicht wiederhole. Steinruck bedauerte, dass es in Europa wieder Tendenzen der Trennung und Ausgrenzung gebe. Es sei deshalb wichtig, an die europäische Wertegemeinschaft zu appellieren. Den Völkern der ehemaligen russischen Föderation reiche man die Hand zur Versöhnung. Die ukrainische Generalkonsulin Alla Polyova würdigte die Initiative und die Beteiligung der Stadt. Sie zitierte Historiker, die das System der Zwangsarbeit als das größte seit Beendigung der Sklaverei im 19. Jahrhundert ansehen. Insgesamt seien 20 Millionen Menschen verschleppt und durch Zwangsarbeit ausgebeutet worden, Kriegsgefangene ebenso wie sehr viele Zivilisten. Drei Millionen Menschen seien aus der damaligen UdSSR verschleppt worden, davon stammten zwei Millionen aus der Ukraine. Dort haben die Deutschen einen Pflichtdienst für Jugendliche eingeführt, berichtet Polyova. Die Jugendlichen wurden nach Deutschland transportiert und mussten in Industrie, Straßenbau oder bei Handwerkern und Bauern arbeiten. Manche seien menschlich behandelt worden, viele hätten die Folgen der Rassenideologie zu spüren bekommen. Das bestätigen auch Berichte von Zwangsarbeitern, die bei der Feier zitiert wurden. Zoriana Falinska von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft und Alexander und Maximilian Becker, Ur-Enkel von ukrainischen Zwangsarbeitern, lasen aus Erinnerungen der Verschleppten. So berichtet Olga Fjodorowna, dass sie als 16-Jährige mit anderen Jugendlichen ihres Dorfs in Güterzügen erst in ein Lager bei Pirmasens gebracht wurde. Dort habe sie Menschen gesehen, die lebenden Skeletten glichen. Mit einer Wassersuppe und 200 Gramm Brot pro Tag musste sie schwerste körperliche Arbeit leisten und Säcke schleppen. Von Deutschen seien sie als „Russenschweine“ beschimpft worden. Als sie von Amerikanern befreit wurde, habe sie noch 31 Kilo gewogen. In ihrem Heimatdorf hatten die Deutschen vor ihrem Abzug alles niedergebrannt. Frauen der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft sangen das Anti-Kriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ und ein ukrainisches Trauerlied. „Ich werde in der Fremde leben. Wer wird mein Grab bereiten? Fremde Leute werden mein Grab graben“ heiße es darin, sagte Peter Runck, der Geschäftsführer des Bauordens, der die Veranstaltung moderierte. Pfarrer Boguslaw Banach von der Katholischen Mission Mannheim und Dekan Ihor Sapun von der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Seelsorgestelle sprachen Gebete und baten um Trost für die Hinterbliebenen und Kraft für das Engagement gegen Rassismus und Fremdenhass. Zur Kranzniederlegung spielte der Klarinettist Georg Kühner. Anschließend referierte Klaus Jürgen Becker vom Stadtarchiv im Gemeindehaus der benachbarten Matthäuskirche über die Zeit der Zwangsarbeiter und deren Aufarbeitung nach Kriegsende. Organisiert wurde die Veranstaltung federführend vom Internationalen Bauorden in Kooperation mit der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mannheim-Ludwigshafen, der Kinderhilfe Ukraine-Rhein-Neckar und mit Unterstützung des Stadtarchivs.

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