Ludwigshafen Erfolgsgeschichte auf sieben Hektar
Als Ende der 1980er-Jahre der Bebauungsplan für das Rheingönheimer Gewerbegebiet in der Mörschgewanne beschlossen wurde, ahnte noch niemand, dass dieses Vorhaben ein solcher Erfolg werden würde. Auf rund sieben Hektar Fläche wurden Grundstücke für Handwerk, Handel, Praxen und Kanzleien geschaffen, Teile des Gebietes wurden als Mischgebiet ausgewiesen, damit auch der Wohnsitz beim Betrieb angesiedelt werden kann.
Zu den Firmen der ersten Stunde im Gewerbegebiet Mörschgewanne gehört die Werkzeugschleiferei Ihrig. „Wir haben am 1. Mai 1993 hier eröffnet und es bis heute nicht bereut“, erzählt Klaus Ihrig. Der Mietvertrag der alten Werkstatt, die über keine Heizung verfügte und sich dazu in sehr ungünstiger Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs befand, endete 1993. Obwohl er bei der Stadt schon frühzeitig wegen eines Grundstücks angefragt hatte, half letztendlich nur die freundschaftliche Beziehung zur Familie Gronau, die ihm einen Teil des Geländes ihrer Tankstelle und Autowerkstatt abtrat. Die baldige Ansiedlung von Aldi und Rewe brachten Ihrig neben seinen Firmen-Stammkunden auch jede Menge privaten Publikumsverkehr. Zu Ihrig und Gronau gesellten sich in den kommenden Jahren Elektro Walz, Raumausstattung Heberle, Schwäger Heizung und Sanitär, Reimer Apparatebau, Elektro Kamb, die Brezelbäckerei Knab, Getränkehandel Gebele, Sanitätshaus Röhm sowie einige Therapiepraxen und Büros von Rechtsanwälten und Steuerberatern. Der damalige Ortsvorsteher Rheingönheims, Wolfgang Lauenstein, erinnert sich, dass ihm besonders die Berücksichtigung von Betrieben aus dem Stadtteil wichtig war und diese seiner Meinung nach Vorrang haben sollten. Das führte sogar zur kuriosen Situation, dass die Schreinerei Oberst die erschwerten Umstände einer Holzanlieferung zur alten Werkstatt im engen Schulgässchen den Verantwortlichen der Stadt demonstrieren musste. Das Prozedere war so überzeugend, dass umgehend die Zusage für das Grundstück in der Mörschgewanne gegeben wurde. Im Oktober 1997, pünktlich zum 125. Firmengeburtstag, konnte der Einzug in die neuen Räume gefeiert werden. Einbaumöbel, Fenster und Türen sowie Einzelanfertigungen nach Wunsch sind nach wie vor das Spezialgebiet des Unternehmens, das bisher immer vom Vater auf den Sohn überging. Mittlerweile steht mit Schreinermeister Daniel Oberst bereits die fünfte Generation in den Startlöchern. Mit Büroeinrichtungen Kempf, Clayton Umwelt-Consult, einem Unternehmen für Baugrunduntersuchungen, dem Autohaus Röll, der Schlosserei Kettlitz, der Sattlerei Herrmann, Schönholz Heizung & Sanitär und einer McDonalds-Filiale ließ sich nach und nach eine große Bandbreite an verschiedenen Gewerben nieder. Zur Fluktuation gehört unter anderem, dass Keil Konzepte im Jahr 2007 die Gebäude der Brezelbäckerei Knab übernahm und diese nach und nach den eigenen Bedürfnissen anpasste. Auch das Unternehmen Keil hatte keine Expansionsmöglichkeiten mehr am alten Standort in Neuhofen, weil es innerhalb von 20 Jahren mit der Spezialisierung auf Ladenbaukonzepte rasant gewachsen war. 45 Mitarbeiter betreuen inzwischen deutschlandweit ihre Kunden, fühlen sich in Rheingönheim aber sehr wohl, wie Juniorchef Jannis Keil berichtet. 2015 eröffnete mit Pfeiffer + May ein in acht Bundesländern vertretener Großhändler für Sanitär, Heizung und Fliesen eine Ausstellung für Bädereinrichtung. Die AXA Generalvertretung von Joachim Kispert wurde von der Rheingönheimer Hauptstraße, in der es praktisch keine Parkmöglichkeit für Kunden gibt, ins Gewerbegebiet verlegt. Mit der Kern-Haus AG ist seit Kurzem ein Massivhaus-anbieter in die Mörschgewanne gezogen, der seinen Hauptsitz in Ranschbach-Baumbach hat und an weiteren 27 Standorten vertreten ist. Zuletzt eröffnete CrossFit mit einer speziellen Trainingsphilosophie eine sogenannte Fitness-Box. |aar