Rückblick 2021 RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Stadt im Baustellen-Modus

Eine von zahlreichen Baustellen in der Stadt: die „Metropol“-Baustelle auf dem Berliner Platz.
Eine von zahlreichen Baustellen in der Stadt: die »Metropol«-Baustelle auf dem Berliner Platz.

Die beiden Hochstraßen, das Rathaus, die Eberthalle, das „Metropol“, die Linie 10, das neue Polizeipräsidium – wohl keine vergleichbar große Stadt hat so viele Baustellen wie Ludwigshafen. Bei einigen Projekten werden in diesem Jahr Fortschritte erzielt, andere werden ausgebremst. Eine Übersicht.

Der Trick mit dem Knick: Im Mai überrascht die Stadtspitze mit der Idee einer neuen Straßenführung für den Ersatz der Hochstraße Nord (B44). Durch eine Verschwenkung kann schneller, günstiger und mit weniger Staus gebaut werden. Dafür muss das Rathaus-Center weichen. Der Stadtrat stimmt dafür.

Im Frühsommer wird zudem beschlossen, dass die neue Straße „Helmut-Kohl-Allee“ heißen soll. Der CDU-Vorschlag findet breite Zustimmung. Die heiße Phase des Rückbaus der Nordtrasse soll 2026 starten. Bis dahin soll die 520 Meter lange Lücke der Hochstraße Süd (B37) geschlossen sein, die durch den Abriss der Pilzhochstraße entstand. Auch die Sanierung der 950 Meter langen „Weißen Hochstraße“ soll Ende 2025 erledigt sein. Ende Oktober stellt die Stadtspitze die Pläne für den Ersatz der Pilzhochstraße vor. Der Stadtrat hat die Wahl zwischen zwei Varianten für 91 oder 123 Millionen Euro und entscheidet sich auf einer Sondersitzung am 6. Dezember für die günstigere und von der Verwaltung empfohlene Betonkonstruktion. SPD-Fraktionschef David Guthier spricht von einem „historischen Tag für Ludwigshafen“.

Im Frühjahr wird durch einen RHEINPFALZ-Bericht öffentlich, dass sich die Stadt weiter mit der Firma Moß über die Kosten des Abrisses der Pilzhochstraße streitet. Die Firma fordert jetzt sogar eine Nachzahlung von sieben Millionen Euro, nach zuvor 5,7 Millionen Euro. Schließlich einigen sich die Parteien darauf, hinter den Kulissen zu verhandeln. Die Sache wird wohl erneut ein Gericht beschäftigen. Ein Ergebnis steht aus.

Polizeipräsidium: Baustart verschoben

Der Baubeginn neuen Polizeipräsidiums an der Heinigstraße verschiebt sich um ein weiteres Jahr, wie im September durchsickert: 2022 soll es losgehen, 2026 könnte alles fertig sein. Die Kosten werden auf 117 Millionen Euro geschätzt. Den Polizeipräsidenten überrascht die Verzögerung „bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung“ nicht – andere schon.

Eberthalle: Abriss vom Tisch

Die Zukunft der Eberthalle bleibt ungewiss: Sanieren, abreißen oder eine neue Multihalle bauen? Die Stadt legt im Oktober drei Varianten zur Beratung vor mit Kosten bis zu 60 Millionen Euro für eine Kernsanierung. Handball-Zweitbundesligist Eulen Ludwigshafen wirbt für den Bau einer Multifunktionshalle, von der ganz Ludwigshafen profitieren soll. Bei einer RHEINPFALZ-Umfrage im Oktober spricht sich die Mehrheit des Stadtrats gegen einen Abriss der Eberthalle und für den Bau einer neuen Multihalle aus. Die Verwaltung prüft neun Standorte und verwirft einige davon. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) bringt ein Areal zwischen West und Oggersheim ins Spiel, wo die Heinrich-Pesch-Siedlung, ein Gewerbepark sowie eine neue Realschule plus entstehen sollen. Ein Vorschlag, der auch bei Eulen-Geschäftsführerin Lisa Heßler Gefallen findet.

Bagger am Werk am Berliner Platz

Beim „Loch“ auf dem Berliner Platz tut sich nach jahrelangem Stillstand etwas: Im Mai wird wieder ein Bagger auf der „Metropol“-Baustelle gesichtet. Die OB überrascht mit dem Vorschlag, ein neues Rathaus in dem Komplex unterbringen zu wollen. Investor Timon Bau wäre dazu bereit. Doch nach all den Pannen um das Projekt lehnt die Stadtratsmehrheit einen Umzug der Verwaltung ins Hochhaus ab. Unterdessen wird bekannt, dass der Hauptkapitalgeber für das „Metropol“ nicht mehr an Bord ist. Timon Bau beschwichtigt: Die Finanzierung stehe. Die neuen Geldgeber werden nicht genannt. Die Bunkeranlage im Untergrund des Baufelds wird abgerissen, der Staub und Lärm sorgt für Anwohner-Beschwerden. Im September wird die Bismarckstraße halbseitig gesperrt, um Platz für Baufahrzeuge zu schaffen. Im Frühjahr soll das Fundament fertig sein.

Wo wird das neue Rathaus gebaut?

Wo das Rathaus nach der Schließung des Rathaus-Centers hinkommt, bleibt unklar. OB Steinruck will im Februar Standort-Alternativen präsentieren. Ein Vorschlag des Mannheimer Projektentwicklers Pro Concept im Juni sieht einen Neubau am Rande des Berliner Platzes vor. Das Rathaus-Center schließt zum Jahresende. Die Verwaltung zieht erst einmal in angemietete Quartiere um.

Linie 10: Kosten explodieren

Unklar ist auch, wie es mit dem weiteren Ausbau der Stadtbahnlinie 10 in der Hohenzollernstraße weitergeht. Nach einer Kostexplosion schlägt die Stadt eine Neuplanung für das größte Nahverkehrsprojekt der Ludwigshafens vor, die von den Ortsbeiräten Nord und Friesenheim abgelehnt wird. Am 13. Dezember vertagt der Stadtrat eine Entscheidung – und verweist das Thema zur weiteren Beratung zurück in den Bauausschuss. Die Gesamtkosten liegen inzwischen bei 54 Millionen Euro, 16,5 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt.

x