Schifferstadt Eine mahnende Liebeserklärung zum Grundgesetz bringt Opus 45 nach Schifferstadt

Musiker aus renommierten Orchestern haben sie zu Opus 45 zusammengetan und zunächst Kinderkonzerte gegeben. Bis sie mit einer „s
Musiker aus renommierten Orchestern haben sie zu Opus 45 zusammengetan und zunächst Kinderkonzerte gegeben. Bis sie mit einer »schallenden Ohrfeige« in einem politischen Programm Erfolge feierten.

Das Grundgesetz als großes Versprechen, das eingelöst werden muss – das ist der Ausgangspunkt einer musikalischen Lesung, mit der das Bläserensemble Opus 45 in Schifferstadt gastiert. Politisch und komisch zugleich sind die Texte in ihren beliebten Programmen. Wie bringen sie Menschenrechte und Musik überzeugend zusammen?

Angefangen hat alles ganz anders: Hochkarätige klassische Musiker aus renommierten Orchestern wie der Hamburgischen Staatsoper, der NDR Radiophilharmonie Hannover und des BBC Symphony Orchestra Glasgow, taten sich zusammen und spielten Konzerte für Kinder und Familien. „Peter und der Wolf“ oder „Karneval der Tiere“, musikalisch vorgetragen im Wechsel mit passenden Texten, kamen sehr gut an. „Wir hatten erstaunlich großen Erfolg, sogar als deutsches Ensemble in Wien, einer Stadt die geradezu überlaufen ist von guten Musikern und Veranstaltungen“, berichtet Benjamin Comparot, Hornist und Sprecher des Ensembles im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Doch nach mehreren Dutzend Aufführungen hatten die Musiker auch Lust, neue Themen anzugehen.

Tucholsky statt Traumschiff

„Wir haben uns getroffen und festgestellt, dass wir alle politisch denken und uns für Demokratie und Menschenrechte einsetzen möchten“, sagt Comparot. Dazu kommt, dass die meisten der beteiligten Musiker auch Kinder haben. „Es geht auch um deren Zukunft und die Hoffnung, dass sie in einer freien und humanen Gesellschaft aufwachsen.“ So entstand die Idee zu dem Programm „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen“ - ein Zitat das von dem Pazifisten Konrad Reisner stammt, der im Dritten Reich mit anderen Widerstandskämpfern eine Kampagne startete, um den Schriftsteller und Publizisten Carl von Ossietzky aus dem Konzentrationslager zu befreien. Neben seinen Texten haben die Musiker auch kritische Beiträge von Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Oskar Maria Graf und weiteren Schriftstellern ins Programm genommen.

Das Programm bekam auch einen dramaturgischen Ablauf: Die Texte hat Roman Knižka gelesen, bekannt aus Film und Fernsehserien, wie dem Traumschiff und der Rosamunde-Pilcher-Reihe. Der Kontakt zu dem beliebten Schauspieler entstand zufällig: Flötistin Franziska Ritter und Knižka brachten ihre Kinder in denselben Kindergarten. „Roman ist ein Glücksfall für uns, nicht nur weil er die Texte großartig rezitiert, sondern auch weil er viele Leute anzieht, die sonst vielleicht nicht kommen würden“, meint Comparot.

Ertrunken in Buchungsanfragen

Die Kinderprogramme, die am Anfang standen, gehören auch heute noch zum Repertoire von Opus 45. Der Name stammt von einer Aufführung, bei der sich die Musiker zusammengefunden haben. Das war das Brahms Requiem, das tatsächlich als Opus 45 in Brahms Werkverzeichnis steht. An ihr erstes politisches Programm hatten die Musiker keine großen Erwartungen geknüpft. „Wir haben mit drei oder vier Vorstellungen gerechnet“, sagt Comparot. Doch der Erfolg war ebenso groß wie unerwartet: „Wir sind in Buchungsanfragen fast ertrunken“, erzählt der Ensemble-Sprecher. Auch aus dem Publikum kamen begeisterte Rückmeldungen. Wichtig dafür seien auch die unterhaltenden Elemente, auf die die Künstler achten. „Wenn so mein Geschichtsunterricht gewesen wäre, hätte ich bestimmt mehr gelernt“, habe einer von vielen Zuhören zurückgemeldet. Das habe das Ensemble ermutigt, weitere Themenabende zu gestalten. Es gibt Programme zum Widerstand im Nationalsozialismus, zum Kriegsende, zu Rechtem Terror, zum Ghetto Theresienstadt.

Hart und politisch, aber auch komisch

„Natürlich sind die Themen sehr hart und auch belastend, aber es gibt eben auch Texte von Kabarettisten und Schriftstellern jener Zeit, die politisch und komisch zugleich sind“, erklärt Comparot. Ein Blick auf die Musiktitel zeigt, dass da eine bunte Mischung von Klassik bis Pop vertreten ist, jeweils arrangiert für ein Bläserquintett. Die Musik sei Ergänzung, Untermalung und manchmal auch Kontrapunkt zu den Wortbeiträgen.

Den Wert solcher Programme haben auch die Landesanstalten und die Bundesanstalt für Politische Bildung erkannt, und sie beteiligen sich an Veranstaltungen – wie dem Schifferstadter Konzert am 26. Juni.

Kleines Quiz zum Gesetz

Das Programm zum Grundgesetz, das 75 Jahre alt wird, heißt „Die Würde des Menschen ist unantastbar – Eine mahnende Liebeserklärung“. In einem kleinen Quiz geht es darum, das Grundgesetz besser kennenzulernen. Ausgehend von einem Zitat des Juristen und Schriftstellers Georg M. Oswalds Zitat: „Das Grundgesetz ist ein großes Versprechen. Für seine Einlösung bleiben wir selbstverantwortlich.“ Die Texte stammen von Politikern, Publizisten, und Dichtern, darunter Komiker Heinz Erhardt, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller oder der Journalist Heribert Prantl. Aber auch Sitzungsprotokolle des Parlamentarischen Rats, Briefe, Telegramme und Zeitungsartikel werden zitiert. Die Musik reicht von Johann Sebastian Bach und Maurice Ravel bis Skorpions und David Hasselhoff, gespielt von einem Bläserquintett .

Termin

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. 75 Jahre Grundgesetz“, musikalische Lesung von Opus 45 am Mittwoch, 26. Juni, 19 Uhr, Aula des Paul-von-Denis-Schulzentrum, Neustückweg, Schifferstadt. Eintritt frei.

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