Ludwigshafen Eine heiße Ladung Funk und Soul

Zum Saison-Ausklang des „Sundaykick“ wurde es nochmal richtig heiß in der Alten Feuerwache. Nicht nur durch die Temperatur, sondern ebenso durch die Klänge. „Into the Groove“ war das Programm überschrieben, und zu Gast war der Münchener Saxophonist Thorsten Skringer, eine Größe in der deutschen Soul-, Pop- und Jazz-Szene.
Als Jazzmusiker ist Thorsten Skringer in der hiesigen Region weniger bekannt. Dabei erreichte er mit Heavytones, Showband in der Sendung TV Total, ein Millionenpublikum. Außerdem spielte er mit allen möglichen musikalischen Größen: Till Brönner, Lionel Richie, Jamie Cullum, Herbert Grönemeyer, Helene Fischer, Helge Schneider, Laith Al Deen, Roger Cicero und vielen mehr. Als Gründungsmitglied der Band Soulkitchen bestritt er Auftritte in Europa, Russland und China. Seit über 20 Jahren ist er als Dozent tätig und unterrichtete an der Neuen Jazz Schule München. Hymnische, von Funk und Soul durchtränkte Nummern gab es einige an diesem von Jochen Welsch moderierten Abend, darunter „Love Cycle“ in einem brandneuen Arrangement. Thorsten Skringers Spiel auf dem Tenorsaxophon ist geschmeidig und wendig: Er formt elastische, glühende Soli. Sehr lebendig und agil legte er in sein Instrument eine packende Expression und gab seinen Soli eine heiße Ladung Soul-Glut bei. Auch mit der Bigband Earforce spielt Thorsten Skringer viel. Aus deren Repertoire brachte er „Sunflower“ mit, eine Komposition von Gregor Bürger, der einmal sein Saxophon-Lehrer war. Soulig, weich und elegant, gleichfalls tanzbar kam das Stück daher, wobei sich Thorsten Skringer mit der Ausgestaltung seiner Soli sehr viel Mühe gab. In dem Gitarristen Daniele Aprile hatte er außerdem einen Begleiter und Duopartner an der Seite, der vortrefflich zu seinem Spiel passte: zwei Gleichgesinnte mit viel Gefühl für Soul und Blues. „Jackie Treehorn“ heißt eine eigene Komposition Thorsten Skringers, benannt nach der Figur des Pornoproduzenten in der Film-Komödie „The Big Lebowski“. Die Nummer, meinte der Tenorist, solle einfach Spaß machen und gute Laune verbreiten. Diese Absicht erfüllten die Boogaloo-Rhythmen denn auch vortrefflich. Mit einem lustvoll growlenden und berstenden Posaunensolo sorgte Marcus Franzke für Stimmung, bevor Thorsten Skringer zunächst einen Gang zurückschaltete, um dann nach und nach wieder aufzudrehen, bluesig soulige Stimmung und bald auch siedende Temperaturen anzupeilen. „Hans im Glück“ heißt eine Komposition von Manfred Honetschläger von der hr-Bigband, eine Nummer, die schon einmal Tony Lakatos zu seinem „Sundaykick“-Auftritt mitgebracht hat. Es ist eine hymnische Nummer, von einem romantischen Piano-Solo Lukas Derungs in Stimmung gebracht und von Thorsten Skringer in seinem Solo zu berstendem Ausdruck gesteigert. Entspannte, sonnige Klänge brachte Kicks ’n’ Sticks in Pat Methenys „Sunlight“, arrangiert von Bob Kerner, wozu Altsaxophonist Fabian Schöne in einem rasant gleißenden Solo die Sonne erst recht stark leuchten ließ. In „Soulmate“ lieferte Trompeter Iannis Hug ein knackig expressives Solo, und Thorsten Skringer ließ seinerseits soulige Glut ekstatisch auflodern. „Against All Odds“ von Phil Collins hat Skringer sicher schon öfter gespielt, aber noch nie auf dem Altsaxophon, das er gewöhnlich nicht in die Hand nimmt. Nun ließ er darauf den ruhigen Hit glühen und gleißen, dass es eine Freude war. Und auch die Ingolf-Burkhardt-Nummer „Hi-Heel Sneakers“ passte dem Gast aus München wie angegossen auf den Leib. Bei lustvoll glissandierender Soul-Laune.