Ludwigshafen Eine gepfefferte Saison

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Ludwigshafen

. Das kleine Geschenk hatte Robert Pfeffer gerührt. Weit nach dem letzten Ballwechsel, als die Spieler, Trainer und Betreuer der Herrenmannschaft des BASF TC Ludwigshafen und Teile des Vorstandes noch einige Stunden gemeinsam im Vereinsheim gesessen hatten, stand Kapitän René Schulte auf und überreichte Trainer Pfeffer eine edle Flasche Rotwein. Die Geste war keine Anstandsfloskel, sondern wohl durchdacht. Denn zwischen Pfeffer und dem Team herrscht ein besonderes Vertrauensverhältnis. Pfeffer betreut viele Spieler seit ihrer Jugend als Verbandstrainer. Seit 1991 ist er Coach im Tennisverband Pfalz. Über all die Jahre hat sich da ein besonderer Zusammenhalt entwickelt. Pfeffer war schließlich auch der Wunschtrainer der Mannschaft, nachdem vergangenes Jahr das Verhältnis zwischen Team und dem damaligen Chefcoach Roger Langknecht zerrüttet gewesen war. Damals hatte sich das Team über mangelnde Kommunikation und Anerkennung beklagt. Dabei war der BASF TC Dritter geworden – als Aufsteiger. Der Verein reagierte und engagierte in Absprache mit dem Tennisverband Robert Pfeffer als neuen Herrentrainer. Der 51 Jahre alte Lambsheimer hat 1997 in Köln sein Trainer-Diplom gemacht und zuletzt in Berlin seinen Bachelor of Arts bestanden. Die Verpflichtung eines so vielseitig ausgebildeten Trainers zahlte sich aus. Die Mannschaft beendete die Saison auf dem zweiten Platz mit 8:6 Punkten. Allerdings hat der BASF TC Protest gegen die 4:5-Niederlage in Oberweier eingelegt. Demnach soll der Oberschiedsrichter nach den Einzeln – Ludwigshafen führte da mit 4:2 – mit dem Zettel, auf dem die Doppelpaarungen des BASF TC notiert waren, aus der Halle gelaufen sein und in die Kabine des TC Oberweier, sagt Pfeffer. Das ist verboten. Erich Frank, Spielleiter der Tennis-Regionalliga Südwest, sagte gestern auf Nachfrage, dass dies nicht der Fall gewesen sei. In der Stellungnahme des Oberschiedsrichters stehe, dass er den Zettel in der Halle habe liegen lassen. „Damit ist alles regelkonform verlaufen“, sagt Frank. Er habe die Aussage des Oberschiedsrichters nun an den TC Oberweier und den BASF TC geschickt und wartet auf die Stellungnahme der Klubs. „Ich werde mir das genau anschauen und dann entscheiden, ob wir dagegen Protest einlegen“, sagt Thomas Dreher, Sportwart des BASF TC sowie früherer Regelwart des badischen Tennisverbandes und Oberschiedsrichter. An dem zweiten Platz des BASF TC wird sich so oder so nichts ändern. Darauf ist Pfeffer stolz. „Das zeigt, welcher Teamgeist in dieser Mannschaft steckt. Sie hat sich stabilisiert. Jeder einzelne Spieler hatte seine Erfolgserlebnisse“, fasst Pfeffer die Saison zusammen. Pfeffer wusste, dass die Mannschaft schon eine eingeschworene Einheit war und die Spieler sich untereinander sehr gut verstehen. Pfeffer weiß aber auch, dass man den Teamgeist pflegen muss. Deshalb bezog er die Spieler auch mit in seine Vorhaben ein. „Teamorientierte Führung“ nennt Pfeffer seinen Stil. Der kam gut an. „Jeder Spieler hatte klare Ansagen von mir“, betont Pfeffer. Vor dem ersten Saisonspiel ging er mit den ausländischen Cracks essen und brachte ihnen die Philosophie des Vereins und der Mannschaft näher. Vor jedem Spiel frühstückte die Mannschaft gemeinsam im René-Bohn-Hotel. „Danach habe ich die Mannschaft auf das Spiel eingeschworen“, erzählte Pfeffer. Mit Erfolg. Die Akteure haben sich weiterentwickelt, sagt Pfeffer – besonders Ruben Weber. Seine Bilanz ist imposant: Alle sieben Einzel gespielt, sechsmal gewonnen. „Ruben hat sich super wohl gefühlt. Er war völlig im Einklang mit sich“, sagt Pfeffer über den in den USA studierenden Weber. Das lag daran, dass Weber früh von Coach Pfeffer wusste, dass er immer spielen werde. Nicht nur Weber hatte seine Erfolgserlebnisse, betont Pfeffer, „jeder einzelne Spieler. Jeder war in der Lage, in dieser Liga zu bestehen.“ Auch Marc Giner hat es Pfeffer angetan. Der Spanier habe wie Weber überragend gespielt. „Er hat die Lücke, die Miloslav Mecir junior hinterlassen hat, geschlossen“, sagt Pfeffer. Fünf Einzelsiege bei sieben Einsätzen lautet Giners Bilanz. Der Nummer eins habe es so gut gefallen, dass sie schon signalisiert hat, auch kommende Medenrunde wieder für die Pfälzer zu spielen. „Er war so glücklich hier, dass er nächstes Jahr nicht mehr pendeln will, sondern den ganzen Monat über in Ludwigshafen bleiben will“, erzählt Pfeffer. Giner ist nicht die einzige Personalie, die schon geklärt ist. Fast die ganze Mannschaft wird laut Pfeffer bleiben. Auch mit Jean-Marc Werner, ein großes Talent im deutschen Tennis, würde der Verein gerne weiterarbeiten. Werner fiel aber die gesamte Saison wegen einer Handgelenksverletzung aus. Pfeffer ist aber zuversichtlich, dass Werner bleiben wird. Und der Coach verrät schon die erste Neuverpflichtung: Der 18 Jahre alte Koblenzer Jan Choinski, Nummer 20 in der Junioren-Weltrangliste, soll nächstes Jahr in Ludwigshafen aufschlagen. „Er soll im Oktober nach Ludwigshafen kommen, weil er nicht in den USA studieren wird“, erläutert Pfeffer. Choinski scheiterte bei den French Open in Paris im Achtelfinale in der Juniorenkonkurrenz. Mit Choinski, Werner, Neutert, Heim, Weber, Schulte, Schneider liegt der Fokus des Teams eindeutig auf Spielern aus der Region. Zudem hätte das Team auch die Qualität für einen Aufstieg. „Mit dieser Mannschaft würden wir dann nach oben wollen“, sagt Pfeffer. Gut möglich, dass es auch schon früher klappt. Denn, sagt Pfeffer, sollte eine Mannschaft aus der Bundesliga oder Zweiten Liga zurückziehen, würde der BASF TC Ludwigshafen sich bereit erklären, den Platz einzunehmen in der Zweiten Liga. „Der Verein möchte eine Alternative zum Leistungssport in der Region sein“, betont Pfeffer.

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