Ludwigshafen Ein tönendes Tagebuch

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Für die Klavierwerke von Leoš Janácek hat Asli Kiliç ein besonderes Faible. Das ist an jeder Phrase, die sie auf ihrer Neueinspielung mit Werken des tschechischen Komponisten formt, zu spüren. Die Mannheimer Pianistin ist zu einer bemerkenswerten Poetin des Klavierspiels gereift. Davon legt diese Aufnahme, die beim Mannheimer Label Rodenstein Records erschienen ist, ein beredtes Zeugnis ab.

An den Musikhochschulen Mannheim und Köln hat Asli Kiliç studiert, unter anderem bei den Professoren Paul Dan und Ragna Schirmer. Die Pianistin ist mehrfache Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe, zweimal erhielt sie einen ersten Bundespreis bei „Jugend musiziert“. Bei Oper- und Ballettproduktionen des Nationaltheaters Mannheim ist sie als Pianistin aktiv. Mit ihrer Liedduo-Partnerin und Schwester, der Mezzosopranistin Sirin Kiliç, konzertiert sie, zusätzlich zu ihren solistischen Auftritten, in ganz Deutschland. Nach ihrer Debüt-CD vor fünf Jahren widmet sich die türkischstämmige Pianistin nun voll und ganz Leoš Janácek. Neben der „Sonate von der Straße, 1.X.1905“ und „Im Nebel“ interpretiert sie noch den Zyklus „Auf verwachsenem Pfade“ (1. Band) und die „Zdenka-Variationen“. Asli Kiliç ist eine feine Gestalterin, die großes Gespür zeigt für diese sensiblen Klänge und verhaltenen Stimmungen, ebenso aber für das expressive Aufbegehren. Dabei formt sie eine ausdrucksstarke Seelenmusik, mit feinem Sensorium für die Zwischentöne, für die Psychologie dieser Klänge. Und sie musiziert mit besonderem Gespür für die Melancholie und Gedankentiefe. So bringt sie ein tönendes Tagebuch des tschechischen Komponisten zum Klingen, mit sehr viel Sinn für wechselnde Stimmungen und Charaktere. Flüchtigem verleiht sie ebenso atmosphärischen Reiz, wie sie auch den tiefen Ernst eindrucksvoll erfasst. Asli Kiliç hat starken Bezug zu dieser sehr persönlichen Musik, taucht tief ein in deren Empfindungen, deren Sehnsüchte und unbestimmte Leidenschaften. Auch der Hörer kann sich verlieren in diesen Klängen, die bald meditativ, bald stürmisch daherkommen. Das Obsessive wie das Verinnerlichte realisiert die Pianistin gleichermaßen intensiv und künstlerisch überzeugend in einem Spiel von großer Reife und Abgeklärtheit. Den flimmernden Arabesken und Naturstimmungen gibt sie reichen Zauber, lässt dann wieder große Verdichtungen aufschäumen. Sie entwickelt so eine große Poesie, ohne die Klänge zu verweichlichen. Fein ausgehorchte Abstufungen prägen dieses Spiel, warme Töne entlockt Asli Kiliç dem Flügel. Den für Janácek typischen herben Charme behält ihr Spiel gleichwohl. Die romantische Verwurzelung verleugnet sie nie, lässt die Nähe zu Brahms und Schumann spüren. Dies besonders in den „Zdenka-Variationen“, die der Komponist seiner späteren ersten Frau widmete.

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