Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Stück SV Waldhof im Luisenpark: Ein blaues Boot bei der Gondoletta

Da schwimmt es: das „Buwe“-Boot auf dem Kutzerweiher im Luisenpark.
Da schwimmt es: das »Buwe«-Boot auf dem Kutzerweiher im Luisenpark.

Fans des Kultvereins SV Waldhof gibt es in Mannheim viele. Natürlich auch im Luisenpark. Vier von ihnen haben nun ein besonderes Boot zu Wasser gelassen.

Flamingos, Pinguine, Blumen und mehr – im Luisenpark gibt es einiges zu sehen. Was dort seit wenigen Tagen über den Kutzerweiher schippert, gehört ganz sicher in die Kategorie „typisch Mannheim“. Ein Gondoletta-Boot, bislang eher unauffällig in Royalblau unterwegs, ist zum „Buwe-Boot“ geworden. Viel Blau und ein bisschen Schwarz. Wofür steht das? Klar, für den SV Waldhof – einen Fußballverein, der zwar schon bessere Zeiten gesehen hat, aber noch immer Kult ist.

Die Geschichte dahinter klingt so bodenständig wie der Verein selbst: Vier Männer stehen zusammen, reden über ein Boot – und kommen auf eine Idee. Philipp Goldschmidt, im Luisenpark zuständig für die Gondoletta-Anlage, Techniker Mario Frank sowie die beiden Maler Dennis Herold und Markus Zürn. Was sie verbindet? Die Liebe zum SV Waldhof Mannheim natürlich. Und die ist selten leise und unauffällig. Also wurde zum Pinsel gegriffen.

SV Waldhof ein Stück Identität

Gesagt, gestrichen. Die Geschäftsführung der Stadtparks segnete das neue Boot ab. Von den „Buwe“, die nur etwas mehr als einen Steinwurf entfernt im Carl-Benz-Stadion ihre Heimspiele in der Dritten Liga austragen, gab es ebenfalls einen Daumen hoch.

Auf den Sitzbänken stehen Namen der SVW-Spieler.
Auf den Sitzbänken stehen Namen der SVW-Spieler.

Das Bötchen zeigt: Für Mannheim ist der SV Waldhof nach wie vor mehr als ein bloßer Fußballverein, er ist ein Stück Identität und Stadtbiografie. Er steht für das alte Mannheim. Gegründet 1907 in einem Arbeiterstadtteil, eng verbunden mit Industrie, Migration und sozialem Aufstieg. Der Klub war nie geschniegelt, sondern immer getragen von den Menschen, die die Stadt geprägt haben. Diese Herkunft ist bis heute spürbar.

Die glorreichen Waldhof-Zeiten

Fußballnostalgiker erinnern sich gerne an die 1980er-Jahre, als der SV Waldhof so etwas wie ein Markenbotschafter der Stadt war. Als Aufsteiger mischte der Klub die Bundesliga auf, spielte unangepasst, unbequem, stürmisch und wild. Der damalige Trainer Klaus Schlappner, für viele der Vater des damaligen Erfolgs, ist zur Kultfigur geworden. Mannheim ist in der Republik zwar auch ohne den SV Waldhof bekannt – als Industriestandort, als Musikstadt mit den Söhnen Mannheims um Xavier Naidoo oder als Geburtsort bedeutender Erfindungen. Der Verein ist in dieser Reihe eine Art emotionales i-Tüpfelchen.

Und der Luisenpark? Die Grünanlage, Spielstätte der Bundesgartenschauen 1975 und 2023, ist zumindest in der Region Besuchermagnet geblieben. Familien flanieren hier und lassen die Seele baumeln. Dass nun ausgerechnet hier ein Boot in den Farben des SV Waldhof zu Wasser gelassen wird, verrät viel darüber, wie der Mannheimer tickt. Vor allem zeigt die Aktion, dass man sich hier treu bleibt und stolz auf seine Traditionen ist. Dafür braucht es nicht immer die ganz großen Symbole.

Auf eine Fahrt im „Blauen“

Vielleicht sitzen bald Familien im „Buwe-Boot“, die sonst Woche für Woche auf der Tribüne stehen. Vielleicht steigen auch Besucher ein, die mit Fußball wenig anfangen können – und so hat das Ganze etwas Verbindendes. Wie der Verein selbst, der Menschen aus unterschiedlichen Milieus zusammenbringt. Denn im Stadion verschwimmen Grenzen – zumindest für 90 Minuten. Das macht den Waldhof zu einem der Orte, an denen Mannheim sich quasi selbst begegnet. Und die Luisenpark-Verantwortlichen freuen sich bestimmt über jeden Besucher, der sich für eine Fahrt im „Blauen“ entscheidet.

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