Ludwigshafen Ein Fahrzeug für wahre Pioniere

Bernhard Schneider – im Bild mit Elke Vowinkel– veranstaltet die Holzkanadiertreffen gemeinsam mit Hanno Deschner und im Wechsel
Bernhard Schneider – im Bild mit Elke Vowinkel– veranstaltet die Holzkanadiertreffen gemeinsam mit Hanno Deschner und im Wechsel mit einem Bekannten aus Norddeutschland.

«Rheingönheim.» Rund 50 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich sind am Wochenende zum Holzkanadiertreffen auf dem Gelände der Paddlergilde Ludwigshafen an den Kiefweiher gekommen. Bei schönem Wetter, gemütlichem Beisammensein mit Lagerfeuerromantik, Fachsimpelei und der Musik eines Blues-Duos wurde den Teilnehmern nicht langweilig. Am Samstagmorgen gab es eine Bootsexkursion auf dem Lingenfelder Altrhein.

Auf dem Gelände der Paddlergilde geht es hoch her. Wohnmobile, Zelte und jede Menge hölzerne Kanus beherrschen das Bild. Wie Indianer-Tipis steht eine Reihe von großen Rundzelten am Zaun zum direkt am Rhein verlaufenden Weg. „Das sind skandinavische Zelte“, erklärt Bernhard Schneider aus Mutterstadt, der das Treffen zusammen mit Hanno Deschner organisiert. Sie bestünden nur aus einer Stange und würden daher wenig Transportraum beanspruchen. Optimal für Kanadiertouristen, die fast alles, was sie brauchen, im Boot mitführen müssen. Neben den Zelten steht ein Gestell mit fein gearbeiteten Holzpaddeln. Alles Handarbeit, die einer der Holzkanadierfahrer herstellt und zum Kauf anbietet. Die schlanken Holzboote dazwischen sind oft naturbelassen und nur glänzend lackiert. Filigran gearbeitete Bootskörper in Spantenbauweise mit geflochtenen Sitzen und einem in der Mitte angebrachten, den Schultern angepassten Holz, das das Tragen des Boots erleichtert. In den Hochzeiten der Erschließung Nordamerikas wurden solche Boote über Berge geschleppt, bis wieder ein Wasserweg gefunden war. Manche der Boote hier sind selbstgebaut, Puristen verzichten auf Nägel und Schrauben und binden die Hölzer mit aus Wurzeln gefertigten Bändern zusammen. Frank Münker aus Kirchhunden im Sauerland demonstriert, wie er sich ein solches Boot ohne fremde Hilfe auf die Schulter hievt. Vor allem der Schwung sei wichtig, meint er, ansonsten sei es nicht zu schaffen. Zunächst wuchtet er das Boot auf einen Oberschenkel, holt dann aus und bringt das Kanu in einem Zug über den Kopf auf die Schultern. Da hat es nun einen durch die Tragevorrichtung bestens austarierten Platz und kann komfortabel getragen werden. Münker ist mit den Feinheiten des Kanadierfahrens bestens vertraut. „Ich bin ein Style-Paddler“, verrät er. „Ich tanze mit dem Kanu.“ In zwei Disziplinen werde dies praktiziert: American Free Style und Canadian Style. Dabei erreichten die Paddler eine außergewöhnliche Wendigkeit und könnten eindruckvolle Choreografien umsetzen. Die Holzkanu-Enthusiasten Bernhard Schneider und Hanno Deschner wechseln sich bei der Ausrichtung des Treffens von Jahr zu Jahr mit ihrem Kanadierfreund Enno Meier aus Ritterhude ab. Meier ist auch nach Ludwigshafen gekommen und hat neben seinem Boot eine Kollektion von Holzarbeiten dabei. Alles alltägliche Gegenstände, die der Norddeutsche selbst fertigt: Tassen, Löffel und Gabeln etwa. Seine Liebe zu dem Naturmaterial macht auch vor Schuhwerk nicht halt, und so kommt Meier in Holzschuhen daher. Die Paddler frönen ihrem Steckenpferd, und oft steht dabei eben das Holz im Mittelpunkt. Das gilt auch bei Bernhard Schneider so, der Schmuck, Gewürzmühlen, Schreibgeräte und vieles mehr aus Holz fertigt. Schneiders Kanadier jedoch trägt den Namen Allagash und kommt aus den USA. Auf einer Kanu-Tour im US-Bundesstaat Maine hat er ihn auf dem Speicher eines Kanubauers und Restaurators entdeckt. „Der hat ihn astrein restauriert“, erzählt Schneider. Nun fahre man darin wie in einem Oldtimer. Um das auszukosten, bleibe im Urlaub das Auto stehen. Stattdessen sind Paddel-Touren angesagt, beispielsweise in Schweden und in den Masuren. Bei den jährlichen Holzkanadiertreffen entstünden interessante Kontakte und gute Freundschaften, findet Schneider. Kommendes Jahr dann eben wieder im Norden der Republik, in Ritterhude bei Bremen.

x