Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein abgründiger Charakter: Lars Hackls Psychothriller

„Geschichten erzählen, die die Menschen nachdenklich machen“: Lars Hackl.
»Geschichten erzählen, die die Menschen nachdenklich machen«: Lars Hackl.

Schwarz-Weiss-Denken ist seine Sache nicht. Das wäre auch zu langweilig. Der Mannheimer Schriftsteller Lars Hackl lotet in seinen Büchern mit Vorliebe die Ambivalenz seiner Figuren aus. So jüngst in seinem fesselnden Buch „Die tragischen Talente des Jan-Nicklas H.“.

In seinem hauptsächlich in Heidelberg und Umgebung spielenden Psychothriller, der auch in englischer Sprache und als Hörbuch erschienen ist, konfrontiert Hackl den Leser mit einem jungen Mann, der Menschenleben gerettet, aber auch vernichtet hat, der zwar bedeutende Preise auf den Gebieten Mathematik und Literatur gewonnen hat und Spitzensportler war, aber seine Talente nicht genutzt hat. Denn Jan-Nicklas H. hat auch andere Neigungen. Er manipuliert, bestraft und zerstört andere Menschen. Als ihn die Erfahrung einer glücklichen Liebe auf den rechten Weg zu bringen scheint, holt ihn seine Vergangenheit ein. „Verschwende nicht deine Talente und bedenke, dass alles, was du tust, Konsequenzen hat“, nennt Lars Hackl als die Botschaft, die er seinen Lesern vermitteln will. „Ich will an die Menschen appellieren, niemals ihr Urvertrauen zu verlieren. Oder wenn es verloren war, es zurückzugewinnen. Ich will Menschen helfen, möglichst vorher nachzudenken“, verdeutlicht er die Absicht, die er mit seinem Thriller verfolgt.

Was ihn dazu veranlasst hat, einen derart abgründigen Charakter in den Mittelpunkt eines Romans zu stellen, erklärt sich aus Lars Hackls Biographie. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler hat viele Jahre Unternehmen aufgebaut und sie geleitet, kleine und große Firmen reorganisiert und Führungskräfte gecoacht, deren Persönlichkeit er entwickelt hat. Dabei kam es vor, dass er hinter der Fassade des Machers Abgründe entdeckte, die einen schaudern lassen.

Erfahrungen mit Psychopathen

„Auf der ersten und zweiten Führungsebene begegnen einem schon manchmal Menschen mit psychopathischen Zügen“, sagt Lars Hackl, der sich in jedem Persönlichkeitstraining auf die Menschen, die er coachte, in vollem Umfang einlassen musste und dabei nahezu alles Menschliche, oft auch das Unmenschliche kennenlernte. Das waren Begegnungen, die ihn beeindruckten, ihn aber nicht erdrückten. „Es gilt, in jeder Sekunde bei sich zu bleiben und alles, was Psychopathen tun, bei Ihnen zu lassen. Und es gilt, alles, was zu einem selbst gehört, mit Händen und Füßen zu verteidigen, damit es einem niemand wegnimmt, egal, was er tut“, mahnt der gebürtige Heidelberger.

„Die tragischen Talente des Jan-Nicklas H.“ ist Lars Hackls erster Roman, den er in seinem eigenen Verlag veröffentlicht hat. Schriftsteller zu sein, sei schon immer sein Traum gewesen, und das Schreiben bezeichnet er als sein allergrößtes Talent. Der Mannheimer Autor, der nach Auftrag auch Biographien verfasst und als Ghostwriter tätig ist, der zuvor schon einen Gedichtband („LebLos. Abfallprodukte meiner Seele“) veröffentlicht hat, hat viel vor. Als sein nächstes Projekt startet er mit dem Buch „BlutBrot“ eine Krimireihe um einen Kommissar namens Gassmann, der in Mannheim arbeitet und im Odenwald lebt. Darin geht es um das kommerzielle Ausschlachten von Organen Jugendlicher und um einen jungen indischen Tempelwächter, verrät der Autor vorab, der außerdem an einer True Crime Story über Uli Engler, einen der größten Betrüger Europas, schreibt.

Hemingway und Nietzsche als Vorbilder

„Beharrlichkeit und Disziplin“ nennt Lars Hackl als Voraussetzungen für eine schriftstellerische Tätigkeit. Seine Arbeitszeit ist ungewöhnlich. Von 3.30 bis 7.30 Uhr widmet er sich dem Schreiben, genießt „die absolute Stille des Tages“. „Es ist mein größtes Glück, das tun zu dürfen und die Freiheit zu haben, Geschichten zu erzählen, die die Menschen nachdenklich machen und sie über sich und das Leben sinnieren lassen. Mich inspiriert, dass Menschen aus einer Realität, die vielleicht gerade nicht so rosig ist eintauchen können in eine Welt voller Phantasie und Aufregung“, sagt er.

Als literarische Vorbilder nennt er Ernest Hemingway und Friedrich Nietzsche. „,Der alte Mann und das Meer' ist ein Buch, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es mit einem Wort mehr oder einem Wort weniger funktioniert hätte. Für mich ist es das perfekteste Buch, das ich je gelesen habe. Hemingway sollte man aus naheliegenden Gründen aber nicht in all seinen Lebensbereichen als Vorbild nehmen“, sagt Hackl mit Blick auf das von Depressionen und Trunksucht geprägte Leben des Schriftstellers, das mit Selbstmord endete. „Ich bin überwiegend glücklich“, versichert Lars Hackl, der verheiratet und seit drei Jahren Vater ist. Seine Tochter Elina bezeichnet er als „mit Abstand das größte Glück“.

Glücksgefühl hilft beim Schreiben

Und dieses Glücksgefühl ist für ihn auch ein wichtiger Grund, um überhaupt schreiben zu können. „Dadurch, dass ich gelernt habe, an jedem Tag in meinem Leben Glück zu empfinden, hilft das enorm, Bücher zu schreiben und tief in die Gedanken-Welten von Psychopathen und Tätern einzudringen“, betont der Autor.

Lesezeichen

Lars Hackl: Die tragischen Talente des Jan-Nicklas H. We Love Stories Verlag 2019. 428 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 978-3-948444-00-6

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