Ludwigshafen Drei tote Radfahrer

Zwei tödliche Unfälle ereigneten sich in Oggersheim.
Zwei tödliche Unfälle ereigneten sich in Oggersheim.

Über 80 Fahrradfahrer sind in den vergangenen drei Jahren bei Unfällen auf Ludwigshafener Straßen schwer verletzt worden. Zwei Jahre lang hatte die Polizei jedoch keine Todesfälle verzeichnet. Das hat sich 2018 geändert. Drei Fahrradfahrer verunglückten tödlich.

Der erste Todesfall ereignete sich im Mai an der Buschwegbrücke in Oggersheim. Ein 78-jähriger Radfahrer fuhr mit relativ hoher Geschwindigkeit auf dem Radweg die Brücke hinunter in Richtung Melm. Eine Autofahrerin, die von der Notwende nach links auf die Brücke in Richtung Mittelpartstraße auffahren wollte, übersah den bevorrechtigten Radler und überfuhr ihn mit ihrem Wagen. Der 78-Jährige erlitt schwere Kopfverletzungen und starb im Krankenhaus. Der zweite Unfall mit Todesfolge passierte im September ebenfalls in Oggersheim. In der Raiffeisenstraße wurde ein 40-jähriger Fahrradfahrer von einer Straßenbahn überrollt. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Der Radfahrer war in falscher Richtung und auf dem Gehweg von der Schillerstraße auf die Raiffeisenstraße gefahren und gestürzt, als er die Straßenbahn erblickte. Das dritte Unglück ereignete sich im Dezember auf der Maudacher Ortsumgehung. Ein 28-jähriger Mann aus Frankenthal war mit seinem Lieferwagen in der Lindenstraße in Richtung der K 13 unterwegs und wollte nach links abbiegen. Hierbei achtete der Lieferwagenfahrer nicht auf einen 68-jährigen Mann aus Ludwigshafen, der mit seinem Fahrrad vorfahrtsberechtigt den Radweg aus Mutterstadt in Richtung Innenstadt befuhr. Der Lieferwagen erfasste den Fahrradfahrer, der sich bei dem Zusammenstoß schwer am Kopf verletzte und schließlich im Krankenhaus starb.

Wer war schuld?

Nur bei dem Unfall mit der Straßenbahn habe die Schuld bei dem Radfahrer gelegen, erklären dazu Markus Schmitt und Helmut Pfaff vom Polizeipräsidium Rheinpfalz. Sowohl an der Buschwegbrücke als auch an der K 13 seien es die jeweiligen Autofahrer gewesen, die die Todesfälle durch ihr Fehlverhalten verursacht hätten. Dieses Verhältnis sei jedoch nicht repräsentativ für die Statistik aller Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, berichten die Verkehrsexperten. Vielmehr liege etwa bei der Hälfte der Zusammenstöße die Schuld jeweils beim Radfahrer. Hauptursachen sind das Radeln in falscher Richtung – sowohl auf dem Radweg als auch auf dem Gehweg oder der Straße. Zudem ignorierten Radfahrer häufig rote Ampeln, so die Beobachtungen der Polizei.

Pedelecs noch nicht stark vertreten

Abgesehen von den drei tödlichen Unfällen ist die Unfallstatistik für die Jahre 2015 bis 2018 unauffällig. In Ludwigshafen variiert die Gesamtzahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, zwischen 278 und 305. Während die Anzahl der Schwerverletzten in den Vorjahren jeweils bei 28 beziehungsweise 30 lag, waren es 2018 noch 24. Dass immer mehr Menschen mit Pedelecs unterwegs sind, ist in der Statistik kaum erkennbar. 2016 sind fünf Pedelecfahrer verunglückt, 2017 waren es nur zwei und 2018 sieben. „Das Pedelec spielt bei uns noch keine große Rolle“, sagt Markus Schmitt. Das habe sicher auch mit den ebenen Strecken und den vielen Ampeln in Ludwigshafen zu tun.

Aus Unfällen lernen

Auch eine Häufung von Fahrradunfällen an bestimmten Stellen in der Stadt können die Fachleute nicht ausmachen. Die rund 300 Vorfälle seien übers ganze Stadtgebiet verteilt. Dass sich zwei der tödlichen Unfälle in Oggersheim ereignet hätten, sei Zufall. Am Hemshofknoten gebe es zwar relativ viele Unfälle mit Radfahrern, so Helmut Pfaff. Diese seien aber in der Mehrzahl auf das Fehlverhalten der Radfahrer zurückzuführen, nicht auf die Verkehrsführung. Trotzdem schaue die Unfallkommission bei schweren Unfällen immer genau hin, ob die jeweilige Örtlichkeit anders gestaltet werden könne, damit sich solche Unglücke nicht wiederholen. An der Kreuzung Schiller-/Raiffeisenstraße in Oggersheim werde daher zurzeit auch über eine Ampel nachgedacht.

Vorbildfunktion stärken

Beide Experten plädieren ausdrücklich an alle Radfahrer, einen Helm zu tragen. Auch wenn das gesetzlich noch nicht vorgeschrieben sei. Viele Schüler seien zwar mit Helmen unterwegs, aber bei den erwachsenen Fahrradfahrern lasse das schwer nach. 80 Prozent tragen keinen Helm, schätzen Pfaff und Schmitt. Besorgt beobachten die Polizisten, dass bei den Grundschulkindern die Durchfallquote bei der Fahrradprüfung immer weiter ansteigt. Die Fahrradausbildung werde zwar flächendeckend für alle Grundschulen angeboten. aber immer mehr Kinder seien motorisch nicht in der Lage, die Anforderungen der Fahrradprüfung zu erfüllen. Sie könnte zum Beispiel nicht mit einem Arm den Richtungswechsel anzeigen und gleichzeitig das Rad in der Spur halten. Das finden Pfaff und Schmitt sehr bedenklich. Als Vorbilder fürs Radeln in Ludwigshafen taugt die Polizei übrigens noch lange nicht. Für das Stadtgebiet gebe es nur zwei Dienstfahrräder, und nur vier Kollegen seien fürs dienstliche Radfahren ausgestattet. Dabei könnte die Polizei Fahrräder zum Beispiel auf der Rheinpromenade oder im Maudacher Bruch gut gebrauchen. Andere Städte in anderen Bundesländern seien da längst viel weiter. Die Serie Einmal wöchentlich drehen wir am Rad, sprechen mit Politikern, mit der Polizei, Händlern und Radsportlern über ein Thema, das bewegt: Radeln in Ludwigshafen.

Die Polizei bildet alle Grundschulkinder im Radfahren aus.
Die Polizei bildet alle Grundschulkinder im Radfahren aus.
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