Leute im Landkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Dokumentation in Kitas: Wie Sebastian Götz mit KI helfen will

Praktisch: Im Moment kann Sebastian Götz das Projekt Kita Digital komplett von zu Hause aus betreuen. Er will damit vor allem de
Praktisch: Im Moment kann Sebastian Götz das Projekt Kita Digital komplett von zu Hause aus betreuen. Er will damit vor allem den Erzieherinnen und Erziehern mehr Zeit verschaffen, sich mit den Kindern zu beschäftigen.

Erzieher in Kitas sind mit Dokumentationen zeitlich überlastet, meint Sebastian Götz. Er hat daher ein KI-Tool entwickelt, um seine Kollegen zu entlasten.

Sebastian Götz weiß, wovon er spricht. Der 36 Jahre alte Schifferstadter ist selbst gelernter Erzieher und alleinerziehender Vater eines acht Jahre alten Sohnes. „Ich habe selbst gemerkt, was Dokumentationspflicht bedeutet“, betont er. Mit dem Status quo wollte er sich aber nicht abfinden. „Ich habe mir gedacht, dass man doch irgendwas machen muss, um das für die Erzieher einfacher zu gestalten.“

Allerdings habe er bald gemerkt, dass niemand da ist, der etwas macht, um den Erzieherinnen und Erziehern in den über 61.000 Kindertagesstätten in Deutschland zu helfen, der Dokumentationspflicht Herr zu werden. So habe er schließlich selbst nach einer Lösung geforscht. Diese liegt für ihn im Bereich Künstliche Intelligenz (KI).

Fokus: Zeitersparnis

Zu Beginn des Jahres ist er – nach etlichen Monaten Test- und Entwicklungsphase – mit seiner Firma Kita Digital – Sebastian Götz an den Start gegangen. „Für irgendwas musste ich mich entscheiden“, sagt der Schifferstadter. Im Moment sei er noch als Erzieher in einer Kita in Ludwigshafen beschäftigt. Ab Sommer wolle er sich aber komplett auf sein Unternehmen konzentrieren, berichtet er.

Mit Hilfe der KI will Götz Erzieherinnen und Erziehern bei den Dokumentationen vor allem Zeit ersparen. „Für eine Dokumentation braucht man locker eine Stunde, wenn man es ordentlich macht“, erzählt er. Die Zeit, die durch die Verwendung seines Tools gewonnen wird, können die Erzieherinnen und Erzieher in die Betreuung der Kinder stecken.

Mehr Effektivität

Grundsätzlich beurteilt Sebastian Götz das Instrument der Dokumentation als sinnvoll. Doch effektiver soll es gehen. Um dahin zu kommen, habe er sich lange intensiv mit dem Thema KI beschäftigt. „Ich war schon begeistert, als es mit ChatGPT angefangen hat“, verrät er. So hat er sich dahintergeklemmt und mithilfe der KI ein Instrument entwickelt, mit dem er speziell dem Personal in den Kitas helfen will.

Vereinfacht ausgedrückt: Die Erzieherin oder der Erzieher notiert sich zu einem Kind Stichpunkte mit Bezug zu einem konkreten Ereignis. Als Beispiel dient die fiktive Emma. Sie ist vier Jahre alt und entdeckt im Außengelände der Kita nach einem Regenschauer eine Pfütze auf dem Asphalt, in der sich Sonnenlicht bricht. Sie kniet sich an den Rand, ohne nass zu werden, und beobachtet das Wasser. In Götz’ Beispiel sind dann verschiedene Stichworte wie Forschergeist, Experimente, Interaktion, Körperhaltung und Abschluss, jeweils mit einem Satz Erläuterung.

15 Minuten statt einer Stunde

Damit wird die KI gefüttert. Nach kurzer Zeit kann man zuschauen, wie die Künstliche Intelligenz den ausformulierten Bericht dazu erstellt. Das ist nach ein paar Minuten erledigt. Unterm Strich, so rechnet Götz vor, ist das, wofür man normalerweise eine Stunde braucht, in etwa 15 Minuten erledigt.

Sebastian Götz beschreibt die KI als eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung. Anhand der Informationen, die man eingibt, bekommt man sozusagen die wahrscheinlichste Antwort, die man haben möchte. „Die KI ist kein Lexikon. Sonst würde sie ja immer die gleiche Antwort aussuchen.“

Der Mensch ist mit dem erstellten Bericht aber noch nicht aus der Verantwortung entlassen. „Man muss schon nochmal drüberschauen und kontrollieren, ob das alles so passt, wie man es sich gedacht hat“, erklärt er.

Alles auf einem Laptop

Doch wie kommt das KI-Tool des Schifferstadters in die Kitas? „Ich gehe selbst hin mit meinem Laptop“, sagt Götz. Er braucht dafür einen speziellen Computer mit viel Arbeitsspeicher. Auch zum Thema Datenschutz hat er sich Gedanken gemacht. Da das Programm lediglich auf seinem Laptop laufe und die Daten nicht in die Cloud liefen, sei hier kein Risiko gegeben.

Die ersten Träger von Kindertagesstätten habe er schon kontaktiert, erzählt der 36-Jährige. Die Reaktionen seien positiv gewesen. „Viele sagen: ,Oh, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Schicken Sie mir mal die Infos’“, erzählt er. Sein Tool sei praxistauglich, betont er. „Sobald eine Kita anruft, kann ich kommen und es vorstellen.“ Die verschiedenen Bewertungsmodelle in den einzelnen Kitas würden ebenso berücksichtigt wie etwa die unterschiedlichen pädagogischen Ausrichtungen von Kitas.

Ein-Mann-Unternehmen – noch

Im Moment ist Götz als Ein-Mann-Unternehmen am Start, arbeitet auf Basis von Halbtages- und Tagespauschale. Er gehe selbst in die Kitas und fertige die Berichte auch selbst an. Die Kapazitäten seien daher auch erstmal begrenzt. Mit einem Investor sei aber perspektivisch vielleicht mehr möglich. „Vielleicht kommt ja irgendwann das Angebot, das ich nicht ablehnen kann“, meint er. Welches das sei? Da lässt er sich nicht in die Karten schauen. Er grinst nur vielsagend und betont aber, dass er auf jeden Fall bei dem Projekt mit im Boot bleiben werde. „Ich will es nicht verkaufen und dann meine Ruhe haben.“

Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. In der Gegenwart ist Sebastian Götz davon überzeugt, dass er sich mit seinem KI-Hilfsmittel für Kitas am Markt etablieren kann. „Die Erzieherinnen und Erzieher schreien ja regelmäßig nach Entlastung. Die ist mit meinem Tool geboten.“

Im Netz

www.sebastian-goetz.com

Im Moment ist alles noch auf Sebastian Götz’ Computer. Er sagt, er geht persönlich in die Kitas und verfasst die Berichte.
Im Moment ist alles noch auf Sebastian Götz’ Computer. Er sagt, er geht persönlich in die Kitas und verfasst die Berichte.
Sich lange mit Dokumentationen befassen – das soll nach Sebastian Götz’ Vorstellungen für die Erzieher künftig der Vergangenheit
Sich lange mit Dokumentationen befassen – das soll nach Sebastian Götz’ Vorstellungen für die Erzieher künftig der Vergangenheit angehören.
Stattdessen sollen sie mehr Zeit haben, die in die Betreuung der Kinder fließen soll.
Stattdessen sollen sie mehr Zeit haben, die in die Betreuung der Kinder fließen soll.
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