Ludwigshafen Die smarte Seite des Jazz

Elegant und leichthändig, unermüdlich rackernd: Manu Katché bei seinem Mannheimer Auftritt.
Elegant und leichthändig, unermüdlich rackernd: Manu Katché bei seinem Mannheimer Auftritt.

Bei den großen Jazzfestivals der Region, bei Enjoy Jazz und Palatia Jazz, konnte man Manu Katché natürlich schon erleben. Der französische Schlagzeuger ist ein netter Typ und beim Publikum entsprechend beliebt. Auch beim Auftritt mit seinem neuen elektrischen Power-Trio war die Alte Feuerwache in Mannheim ausverkauft. Diesmal stand ganz klar der Groove im Mittelpunkt.

Peter Gabriel gilt als sein Entdecker. Das war 1986, der Popsänger wollte den damals 28-jährigen Schlagzeuger mit der schmächtigen Gestalt und der kraftvoll-eleganten Spielweise unbedingt in seiner Band haben. Fünf Alben hat er mit Gabriel aufgenommen, auch Sting nahm ihn mit ins Tonstudio, später Joan Armatrading, Tracy Chapman, die Dire Straits, Tory Amos und Punkgeiger Nigel Kennedy. Die Liste ist noch länger. Überall, wo Pop und Rock einen leichtfüßigen Groove brauchten, war Katché der richtige Mann. Auch Jazzern blieb das Talent nicht verborgen. Der Saxophonist Jan Garbarek nahm zwischen 1990 und 2009 ein halbes Dutzend Alben mit ihm auf. 2007 konnte man Katché mit Garbareks Band auch in Ludwigshafen bei „Enjoy Jazz“ erleben. Weil der Franzose ein gefragter Sideman war und mit seinem Konzerte und Interviews verbindenden Musikformat „One Shot Not“ nebenbei noch einen Fernsehcoup landete, kamen seine eigenen Bandprojekte lange Zeit eher sporadisch vor. Nur sieben Alben hat Katché in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Karriere eingespielt, meist mit exzellenten Kollegen aus dem Jazz, die Musik groovebetont und eingängig, stets mehr an vertrackten Rhythmen als an intellektuell ausgefuchsten Soli interessiert. Seine neue Band bewegt sich eindeutig ein Stück weit weg vom Jazz, arbeitet mit Elektrosounds, die der Gitarrist Patrick Manouguian als oszillierende Klangflächen erzeugt oder die als Samples eingespielt werden. Auch kleine Rhythmuspatterns kommen gern mal aus der Elektronikkiste. Aber solche kleinen Zugeständnisse ans Popsong-Format sind nur Trigger für das Geschehen im Zentrum, Auslöser für Katchés unermüdlich rackerndes Schlagzeugspiel. Der eigentliche Beat ist dabei oft nur eine gedachte Linie, über die polyrhythmische Strukturen geschichtet werden. Bei aller knallharten Power ist Katchés Spiel von einer geradezu provokanten Eleganz und Leichtigkeit. Die vielen Toms werden dabei genauso akkurat betrommelt wie das Arsenal zischender Becken. Ganz ausgewogen ist dieses Trio natürlich nicht. Der Bandleader steht jederzeit im Mittelpunkt, was nur zum geringsten Teil mit der Größe seines Perkussionsinstrumentariums zu tun hat. Jérôme Regard am E-Bass, der schon länger zu Katchés musikalischen Gefolgsleuten zählt und auch einen virtuosen Kontrabass zu zupfen versteht, ist für die Basisarbeit zuständig. Er lässt abgrundtiefe Bassfiguren bollern und hält den Beat in der Spur, der bei Katchés luftigen Manövern manchmal aus dem Blick zu geraten scheint. Manouguian, ebenfalls stilistisch offenherzig zwischen Pop und Jazz unterwegs, steuert nicht bloß sphärisch-sanftmütige Sounds bei, sondern knopflert immer mal auch ein veritables Single-Note-Solo auf die Saiten. Wobei die Klangassoziationen an die guten alten Dire Straits nur eine Note im ansonsten kraftvoll groovenden Geschehen darstellen. Als nach einer Stunde schon Schluss war, konnte das die ausgelassene Begeisterung im Publikum keineswegs schmälern. Einen Teil der Zugabe übernahmen die Zuhörer selber. Angeleitet vom Bandleader bildeten sie einen zweistimmigen A-cappella-Chor. Ein geschickter Animateur ist der bald 60 Jahre alte Meistertrommler also auch noch.

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