Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Serie aus Ludwigshafen: Corona-Krise – Wir packen an

Marvin Brusius will in der Corona-Krise nicht nur den Hund seiner Nachbarin ausführen, sondern vielen helfen.
Marvin Brusius will in der Corona-Krise nicht nur den Hund seiner Nachbarin ausführen, sondern vielen helfen.

Marvin Brusius ist ein guter Programmierer. Der Web- und Grafikdesigner hat ein Internetportal gegründet, das Menschen in der Region miteinander verbinden soll. Und zwar diejenigen mit besonderen Fähigkeiten mit denjenigen, die jetzt auf Unterstützung angewiesen sind.

Lange zu sinnieren, das ist nicht Marvin Brusius’ Art. Der Oggersheimer packt an – direkt und ohne Umschweife. Vor rund zwei Wochen wachte der 22-Jährige früh am Morgen auf und hatte eine Idee, die ihn an diesem Tag nicht mehr loslassen sollte. „Wie kann ich mit meinen Fähigkeiten der Gesellschaft helfen?“, überlegte er.

Untätig war Brusius in Zeiten von Corona auch vor jenem Donnerstag nicht. Beispielsweise führte er den Hund der Nachbarin Gassi. Doch das allein reichte ihm nicht. „Ich wollte nicht immer nur Hunde ausführen“, erklärt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Weil die Berufsschule aufgrund der Corona-Pandemie momentan geschlossen ist, hat Brusius seit einiger Zeit freie Kapazitäten und überlegte, wie er diese sinnvoll nutzen könne.

Existenzgründer als Kunden

„Programmieren ist das, was ich kann. Warum sollte ich nicht damit etwas machen?“, sagt er. Neben seiner Ausbildung als Chemikant bei der BASF hat er sich vor rund zwei Jahren als Web- und Grafikdesigner selbstständig gemacht. Existenzgründer, kleine und mittelständische Unternehmen sind normalerweise seine Kunden.

Gedanklich entwickelte er einen Plan für die neue Website corona-hilfenetzwerk.de und machte sich umgehend ans Werk. Gut strukturiert und benutzerfreundlich sollte das neue Portal sein. „Am Anfang sah die Seite noch nicht so gut aus, aber sie hat funktioniert. Und das war zunächst das Wichtigste“, betont Brusius.

Website bekannt machen

Er ließ nicht locker, programmierte pausenlos, verbesserte, stellte um. Am späten Abend dann ein kurzes Aufatmen. Das Corona-hilfenetzwerk.de war fertig! „Die Website bekannt machen, war nun der nächste Schritt“, unterstreicht der Oggersheimer. Was ist schon eine Internetpräsenz ohne Besucher?

Um Punkt 23.04 Uhr trudelt Brusius’ E-Mail mit dem Hinweis auf die Webseite in der Redaktion der RHEINPFALZ ein. Auch in den sozialen Netzwerken wirbt er seitdem fleißig für corona-hilfenetzwerk.de. „Mein Ziel ist und war es, ein Netzwerk zu schaffen und möglichst viele Helfer und Hilfsbedürftige in dieser schwierigen Zeit in Kontakt zu bringen“, betont er.

Helfer-Pool für die Metropolregion

Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg möchte der 22-Jährige vernetzen, was ihm offensichtlich auch gut gelingt. „Hallo, da draußen! (…) Ich bin Medizinstudentin am allerletzten Ende meiner Ausbildung (nach dem Praktischen Jahr). Ich kann momentan nicht im Krankenhaus helfen, da in zwei Monaten meine mündliche Abschlussprüfung ist, danach bin ich dann Ärztin und kann dann endlich tatkräftig durchstarten. Ich möchte aber auch jetzt trotzdem gern schon etwas tun“, schreibt beispielsweise Hannah aus Mannheim.

Zahlreiche Studenten aus der Metropolregion Rhein-Neckar befinden sich in dem Helfer-Pool. Christian aus Heidelberg ist 26, hat gerade sein Psychologiestudium beendet, bietet seine Hilfe bei Alltagserledigungen an und – vielleicht für manche in der schwierigen Zeit noch wichtiger – ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte.

Wunsch-Helfer anklicken

Die Webseite corona-hilfenetzwerk.de ist einfach aufgebaut, leicht nachvollziehbar – für beide Seiten: Menschen, die Hilfe anbieten, können sich über ein Formular eintragen. Wer nach Hilfe sucht, kann den Wunsch-Helfer auf corona-hilfenetzwerk.de direkt anklicken und die hinterlegten Kontaktdaten, wie beispielsweise E-Mail-Adresse, Telefon-, Mobilfunknummer, anfordern.

„Es sollte keiner Scheu haben, sich wirklich Hilfe zu suchen, wenn er sie benötigt“, betont Brusius. Wie oft Hilfesuchende bereits Kontakt zu Helfern aufgenommen haben, weiß der 22-Jährige nicht. „Das waren aber sicher schon einige“, sagt er.

Helfer und Hilfesuchende finden Informationen auf www.corona-hilfenetzwerk.de.

Die Serie

Auch in dieser außerordentlich schwierigen Zeit der Corona-Pandemie gibt es Menschen, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen, die Hilfe brauchen können. Sie tun damit auch etwas fürs Allgemeinwohl. Es sind Vorbilder für unsere Gesellschaft. Es sind Mutmacher. In dieser Serie stellen wir sie vor.