Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die meisten Corona-Fälle im Hemshof

Die CDU regte eine Impfkampagne in besonders betroffenen Stadtteilen an.
Die CDU regte eine Impfkampagne in besonders betroffenen Stadtteilen an.

Die Stadtverwaltung hat damit begonnen, Corona-Fallzahlen aufgeschlüsselt nach den Stadtteilen und Altersgruppen zu erstellen. Sie sollen Anhaltspunkte für die weitere Bekämpfung der Pandemie liefern. Doch es gibt auch Zweifel an der Verlässlichkeit der Daten des Gesundheitsamts.

Ordnungsdezernent Andreas Schwarz (SPD) präsentierte dem Stadtrat am Montagnachmittag erstmals Zahlen zum Infektionsgeschehen im Stadtgebiet. Demnach gibt es mit 92 akuten Fällen momentan im dichtbesiedelten Stadtteil Nord/Hemshof die höchsten Infektionszahlen.

Der Blick auf die von Schwarz gezeigte Tabelle bestätigt die Einschätzung von Experten, wonach Corona ein Schlaglicht auf die soziale Struktur einer Stadt wirft. In den Stadtteilen Nord, Mitte (67), Süd (63) und Mundenheim (53) ist die Anzahl der aktuellen Fälle höher. Hier wohnen zum einen mehr Menschen auf engerem Raum, und es leben dort auch mehr ärmere Familien. Die Fallzahlen sind in Stadtteilen außerhalb des Stadtkerns niedriger, etwa in der Pfingstweide (14), Edigheim (16), Maudach (17), Oppau (31), Rheingönheim (20) oder Ruchheim (23).

Inzidenzzahl trügerisch

Doch die Corona-Statistik hat ihre Tücken: Denn bezogen auf die Einwohnerzahl (5789) wäre Ruchheim der Corona-Hotspot der Stadt, denn der Inzidenzwert, der die Neuinfektionen binnen einer Woche bezogen auf die Bevölkerungszahl beschreibt, läge in dem dörflichen Stadtteil bei 259. Dabei sind dort aktuell nur 23 Infizierte registriert. Der von der Stadt errechnete Inzidenzwert könnte den Eindruck vermitteln, dass in Ruchheim die Lage angespannter als im Hemshof (Inzidenzwert 189) wäre. wo 92 akute Fälle registriert wurden. Das ebenfalls eher ländliche Maudach hätte mit 17 Fällen den niedrigsten Inzidenzwert der Stadt (77), so die Auflistung der Stadt.

Peter Uebel, Mediziner und CDU-Fraktionschef, begrüßte die von der Verwaltung erstellte Übersicht über die Stadtteile, fragte aber auch: „Was fangen wir damit an?“ Er schlug eine Impf- und Aufklärungskampagne in besonders betroffenen Stadtteilen vor. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) entgegnete: „Wir versuchen seit einem Jahr, da dran zu kommen, betreiben eine intensive Aufklärung – mit mäßigem Erfolg. Wir werben fürs Impfen und wollen Ängste davor nehmen.“ Die OB warnte davor, besonders betroffene Bevölkerungsgruppe zu stigmatisieren.

OB kritisiert „Notbremse“

Steinruck hinterfragte die vom Bund und den Ländern beschlossene „Corona-Notbremse“, die in Ludwigshafen dazu geführt habe, dass bei stadtweit hohen Inzidenzwerten von über 200 Lockerungen erfolgten, etwa bei der Dauer der Ausgangssperre während des Ramadans und des griechisch-orthodoxen Osterfests. „Da hat sich der Gesetzgeber nicht genug Gedanken gemacht“, kritisierte die OB. Die Corona-Schutzmaßnahmen müssten auch die Situation von Industriestädten mit einem hohen Migrantenanteil berücksichtigen.

Die Lage auf den Intensivstationen in den Ludwigshafener Kliniken habe sich etwas entspannt, aber dies könne sich schnell wieder ändern. „Wir müssen auch einer vierten Corona-Welle ins Auge sehen“, sagte die OB. Sie rechnet damit, dass Corona-Schutzimpfungen künftig dauerhaft organisiert werden müssten.

Unterschiedliche Daten

Dezernent Schwarz wies darauf hin, dass die vom Kreisgesundheitsamt gemeldeten Corona-Zahlen deutlich niedriger seien als die vom Robert-Koch-Institut und dem Landesuntersuchungsamt gemeldeten Fallzahlen. Da von den Werten beispielsweise die Einschränkungen für den Schul- und Kitabetrieb abhängen, wäre mehr Klarheit wünschenswert. „Wir brauchen verlässlichere Zahlen vom Gesundheitsamt“, forderte die OB.

Die Kreisverwaltung weist die Kritik zurück und erklärt auf Anfrage, dass die teils unterschiedlichen Daten aufgrund zeitlich versetzter Erfassung und unterschiedlicher Veröffentlichungszeiten zustandekommen. Dies soll sich mit einer neuen Software verbessern. Maßgeblich seien die vom Landesuntersuchungsamt veröffentlichten Fallzahlen und Inzidenzwerte. Die vom Gesundheitsamt gelieferten Daten seien dafür die Grundlage.

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