Ludwigshafen Die Gezähmte mit Biss
«Limburgerhof.» Magermodels, Öko-Eltern und eine Theaterinszenierung: Kabarettistin Inka Meyer ist mit ihrem Programm „Kill me, Kate!“ zu Gast in der Bücherei Limburgerhof gewesen. Eingeladen hatten die Bücherei und der Freundeskreis der Gemeindebücherei.
Die Theatermacherin Inka Meyer berichtet von den Problemen einer Künstlerin. Schlimmer noch, einer frisch getrennten Künstlerin. Ihr Ex-Freund Didi hat sie wegen einer 18-Jährigen sitzenlassen. Von Eifersucht kann aber keine Rede sein, schließlich soll man sein gebrauchtes Spielzeug den Armen geben. Neben dem gebrochenen Herz hat besagter Ex aber noch etwas viel Wichtigeres zerrissen: ihre neuste „Othello“-Aufführung in seiner Rezension. „Wie jeder weiß, kommt Lebensgefährte von Lebensgefahr“, erzählt sie. Nun soll sie das Shakespeare-Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ inszenieren. Wortspiele, Zitate aus Literatur und Theater sowie Witze finden in rasantem Tempo ihren Platz im Programm. Seit 2014 ist Inka Meyer als Kabarettistin in Deutschland unterwegs. Der Ein-Frau-Vortrag, zu „Die gezähmte Widerspenstige“ wird als Kabarett-Dramödie beschrieben. Meyer fackelt ein Feuerwerk aufflammender Frauenprobleme und -phänomene, die in der Vielzahl von Themen schnell wieder verschwinden und später an anderer Stelle aufleuchten, ab. Über das Internet als digitalen Straßenstrich mit sexualisierter Werbung bis hin zu Magermodels im Privatfernsehen werden politische, gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Themen auf die Schippe genommen. Geistreich, witzig, tiefgründig und mit spitzen Pointen. Den Höhepunkt bildet der Mailverkehr der besorgten Eltern der Kindertheatergruppe „Viel Lärm um Kids“. Die Diskussion, ob das gespritzte Aldi-Obst gegen die Biokiste vom Ökobauern getauscht werden soll, spitzt sich zu. Jeder Gruppenchat-Stereotyp wird behandelt. Der nüchterne Anwalt, der Neurochirurg mit Migrationshintergrund, die Öko-Eltern, der nichtslesende Urlauber, der die Diskussion beinahe verpasst, und die sich um Schlichtung bemühende Theaterleiterin. Der Text muss für Zwischenapplaus und starke Lachsalven unterbrochen werden. Schließlich bilden sich zwei Theatergruppen. Die Aldi-Obst Gruppe führt „Schneewittchen“ auf, denn dieser Apfel ist gespritzt, die Öko-Gruppe nimmt „Pinocchio“, garantiert aus unbehandeltem Holz geschnitzt. Doch was hat das alles mit „Kill me Kate!“ zu tun? „Kiss me, Kate!“ ist die musikalische Umsetzung von „Der Widerspenstigen Zähmung“. „Wenn ich anfange zu singen, würden sie mich killen“, erklärt sie. Inka Meyer ist 1979 in Erlangen geboren. Sie spricht auch über Ü-40 Partys, in die sie sich nur mit aufgeschminkten Falten hineinschmuggeln kann. Die Powerfrau arbeitet als Schauspielerin, Autorin, Illustratorin und Designerin. Als Zugabe liest sie aus dem satirischen Ernährungsratgeber „Essen kann jeder“ von Philipp Weber, den sie illustriert hat.