Eiskunstlauf RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschland-Pokal: Titel für Mannheimer ERC und die Suche nach Vorbildern

Die spätere Siegerin Leyla Tosun bekommt Zuspruch von ihrem Trainer vor dem Auftritt.
Die spätere Siegerin Leyla Tosun bekommt Zuspruch von ihrem Trainer vor dem Auftritt.

Der Deutschland-Pokal ist beim Mannheimer ERC zu Gast. Die Kurpfälzer räumen gleich einige Titel ab und wollen diese Sportart wieder mehr in den Vordergrund rücken.

„Wir sind nach wie vor der stärkste Eiskunstlaufverein in Deutschland“, sagte Dirk Müller. Der Abteilungsleiter des Mannheimer ERC verwies dabei auf die Ergebnisliste des Deutschland-Pokals für den Eiskunstlaufnachwuchs. Auf heimischem Eis sicherten sich die Läuferinnen und Läufer aus Mannheim vordere Platzierungen in Serie.

Ein gelungener Sprung, Jubel auf der Tribüne, mitfiebernde Freunde, Familien und natürlich Trainer, Freudentränen, Knuddeltiere auf dem Eis, aber auch Tränen der Enttäuschung. Das alles und noch vieles mehr war der Deutschland-Cup der Eiskunstläufer in Mannheim. Zum Saisonende herrschte im Eissportzentrum Herzogenried noch einmal Hochbetrieb.

Fünf Podestplätze

„Das ist der Normwettkampf für die Plätze im Bundeskader der kommenden Saison“, erklärte Müller. Fünf Akteure aus dem Bundes- und 15 weitere im Landeskader stellten die Gastgeber, wobei nicht alle 20 Kaderathleten auch unter den insgesamt rund 150 Läuferinnen und Läufern waren, weil teilweise die Altersklasse nicht gepasst hatte, teilweise aber auch internationalen Wettbewerben den Vorzug hatten. Trotzdem war der MERC mit 13 Teilnehmern nicht nur quantitativ ordentlich vertreten. „Ich würde sagen, dass wir auch ordentlich abgeliefert haben“, erklärte der Eiskunstlauf-Abteilungsleiter nach den drei Wettkampftagen. Insgesamt standen in den unterschiedlichen Altersklassen erste Plätze von Leyla Tosun, mit persönlicher Punktbestwertung, Felix Zeng und Leo Zhou, ebenfalls mit persönlicher Bestleistung, auf der Habenseite. Silber ging an Shirley Scheffler, und Bronze gab es für Liliana Bloch.

Das Lob dafür kam von höchster Stelle. Andreas Wagner, Präsident der Deutschen Eislauf-Union, hob den Veranstaltungsort positiv hervor. Immerhin war Mannheim nach zehn Jahren Pause wieder einmal Ausrichter des großen Wettbewerbs für die Nachwuchsläufer. „Mannheim ist mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur und der Leidenschaft für den Eissport ein idealer Ort für dieses Nachwuchs-Highlight“, lobte er. Insgesamt sieht er den Eiskunstlaufsport, trotz fehlender olympischer Einzel-Meriten, auf einem guten Weg. „Wir haben starke Juniorinnen in der Altersklasse 14 und 15.“ An der Spitze der Aktiven fehle es allerdings gerade ein wenig, räumte er ein. „Uns fehlen hier aus den unterschiedlichsten Gründen ein paar Jahrgänge.“ Dafür sehe es bei den Männern aktuell nicht schlecht aus. Eine ganze Reihe 16- bis 18-Jähriger können bereits auf internationalem Niveau mithalten.

Vorbilder fehlen

Insgesamt sieht der Präsident aber den schweren Stand seiner Sportart. Viel Potenzial sei schließlich nicht vorhanden. „Es ist schwierig, Eiskunstlauf fernsehgerechter aufzubereiten.“ Aber ohne die Vorbilder aus dem Fernsehen fehle der Nachwuchs. Aber die gute Basisarbeit in den Vereinen wie in Mannheim trage zu einer guten Grundlage bei. „Der Zulauf in den Vereinen ist da. Der MERC ist ein sehr guter Standort.“ Man müsse nur mal wieder eine Läuferin oder einen Läufer aus dem Nachwuchsbereich nach oben bekommen.

Schwer habe es der Eiskunstlaufsport noch aus einem weiteren Grund. Immerhin werden bundesweit aus Kostengründen Schwimmbäder geschlossen. Die Energiebilanz von Eishallen ist sicher nicht besser. „Aber es gibt gute Konzepte, wie wir das Thema Energie hinbekommen“, ist Wagner überzeugt. Die Wiederverwertung von Abwärme sei ein Beispiel dafür. Wagner sieht aber auch die Politik in der Pflicht. „Sport hat in Deutschland generell einen schlechten Stellenwert. Man müsste ihn stärker als Kulturgut verankern.“ Im Eiskunstlauf stehe immerhin eine neue Trainergeneration am Start. Mit genügend Eiszeit kann dann auch die „neue Kati Witt“ oder auch ein neuer Norbert Schramm heranwachsen. Und vielleicht war einer von beiden ja schon am Wochenende in Mannheim am Start. Groß genug waren sowohl die Träume, aber auch die Plüschtiere nach den gelungenen Laufprogrammen sicher schon.

Mehr zum Thema
x