Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Weinkeller der BASF: Exklusive Verkostungen, prominente Gäste, edle Tropfen für alle

Arbeiten in der Gastronomie-Sparte der BASF eng zusammen: Anne Boel Rasmussen und Bernhard Wolff, hier im Verkaufsraum der Weink
Arbeiten in der Gastronomie-Sparte der BASF eng zusammen: Anne Boel Rasmussen und Bernhard Wolff, hier im Verkaufsraum der Weinkellerei.

Das Weinfachgeschäft des Unternehmens kennen viele. Die Kellerräume dagegen liegen verborgen tief unter der Erde. In 125 Jahren hat sich einiges verändert, eines aber nicht.

Es sind etliche Stufen, bis man ganz unten ist in der Schatzkammer der BASF. Nicht jeder kommt hier einfach so rein. Politiker oder Superstar zu sein, kann dabei helfen. Angela Merkel war ebenso schon hier wie Udo Jürgens, Steffi Graf und Andre Agassi oder Thomas Gottschalk. Auch RHEINPFALZ-Leser haben dort schon besondere Momente genossen. Zwölf Meter unter der Erde liegt der Weinkeller des Chemieunternehmens – etwa eine Million Flaschen lagern hier. Und wahrscheinlich kann Bernhard Wolff, seit 2014 Chef dieses Heiligtums, zu jeder eine Geschichte erzählen. An diesem Vormittag tut er das im Petrusraum – eine Art diplomatischer und wirtschaftlicher Repräsentationsraum der BASF für exklusive Empfänge und Verkostungen. Die schwere Tür zu diesem Ort, verrät Wolff, sei übrigens schusssicher und luftdurchlässig.

Zeitreise: Verkauf im Weinkeller der BASF in Ludwigshafen im Jahr 1922.
Zeitreise: Verkauf im Weinkeller der BASF in Ludwigshafen im Jahr 1922.

Was 1901 als funktionaler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der BASF begann, hat sich über Generationen hinweg zu einer festen Institution entwickelt. Der Weinkeller feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Geschmäcker und Trends haben sich in dieser Zeit immer wieder verändert. Was gleich geblieben ist: Die BASF will den Besuchern die Weinkultur näherbringen, Gastfreundschaft pflegen und Menschen miteinander verbinden. „Der Weinkeller ist ein Spiegel seiner Zeit und der Unternehmensgeschichte der BASF. Er zeigt, dass Kultur, Genuss und Gemeinschaft von Anfang an zur BASF dazugehört haben“, sagt Isabella Blank-Elsbree, Unternehmenshistorikerin bei der BASF.

Die Anfänge der Weinkellerei

Zunächst belieferte die Weinkellerei das benachbarte Gesellschaftshaus der BASF. Wer dort speiste, interessierte sich nicht selten auch für den guten Tropfen, den es zum Essen gab. „Über die Theke wurden die Weine dort früher verkauft. Dazu gab es oft Zigarren“, erzählt Isabella Blank-Elsbree von den Anfängen. Mitarbeiter am Standort Ludwigshafen wurden ebenfalls mit dem Wein versorgt, der oft aus der Pfalz und Rheinhessen kam.

So sah der Verkaufsraum im Jahr 1950 aus.
So sah der Verkaufsraum im Jahr 1950 aus.

Heute sind in dem Weinkeller praktisch allen wichtigen klassischen Weinregionen Europas und aus Übersee vertreten – historisch mit einem starken Schwerpunkt auf die Pfalz und Bordeaux. Mehr als 2000 verschiedene Tropfen sind laut BASF zu finden. 25.000 Kunden werden beliefert, Exporte gehen in mehr als 50 Länder. Darunter sind deutsche Botschaften in Äthiopien und Aserbaidschan ebenso wie in Paris und Peking.

Teil der BASF-Gastronomie

Der Weinkeller der BASF ist in die BASF-Gastronomie eingebunden, die selbst auf eine 140-jährige Geschichte zurückblickt. Aus einfachen Essensausgaben für Arbeiter entwickelte sich über die Jahrzehnte eine moderne Gastronomie mit Kantinen, Veranstaltungshäusern, Hotels und kulinarischen Angeboten für Mitarbeiter und Gäste. Etwa 400 Mitarbeiter sind in der Gastronomie-Sparte beschäftigt. Sie betreuen jährlich rund 14.000 Veranstaltungen und Caterings. Neben dem Weinkeller, wo 23 Frauen und Männer arbeiten, gehören unter anderem das Gesellschaftshaus, das Feierabendhaus und das Hotel René Bohn zum Portfolio.

Blick im Jahr 1965 ins Kellereilager der BASF: Hier reiht sich Fass an Fass.
Blick im Jahr 1965 ins Kellereilager der BASF: Hier reiht sich Fass an Fass.

Zum Team des Weinkellers gehören auch Weinbauingenieure – und freilich Sommeliers. Das Wort Qualität fällt oft im Weinkeller der BASF. „Wir verkosten im Jahr etwa 5000 Weine, die als Proben zu uns geschickt werden. Und wenn uns etwas sehr gut gefällt, wollen wir alles. Da steht dann BASF exklusiv drauf“, sagt Weinkeller-Leiter Wolff. Davon gibt es etwa 100. Die Preisspanne pro Flasche insgesamt beziffert er so: „Das geht von vier Euro bis zu 1000 Euro.“

Zum Umsatz des Weinkellers macht das Unternehmen zwar keine Angaben. Er soll sich aber tragen und zu den zehn größten Weinfachhändlern in Deutschland gehören. In einer Zeit, in der Absatz und Konsum in der Weinbranche zurückgehen, will Wolff Gäste und Besucher nicht mit Lagen von Anbaugebieten überfordern, „sondern die Barrieren niedrig halten“. Bei den kostspieligen Weinen sei ohnehin keine Zurückhaltung spürbar, beteuert er.

Alkohol im BASF-Werk verboten

Im öffentlichen Verkaufsraum gibt Anne Boel Rasmussen, die Leiterin der BASF-Gastronomie, einen Ausblick. „Der Weinkeller ist offen für alle. Er bringt Menschen unterschiedlichster Kulturen und Nationen zusammen und schafft Räume für Austausch und Begegnung“, sagt sie. Im Werk selbst sei Alkohol zwar verboten, dafür habe man sich „Schorle at Work“ einfallen lassen – eine Fruchtschorle mit jährlich wechselnden Geschmacksrichtungen.

Volle Regale im Weinfachgeschäft der BASF.
Volle Regale im Weinfachgeschäft der BASF.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen die BASF vor wenigen Monaten verkündet hat, sich von Tausenden Werkwohnungen zu trennen, ist ähnliches für den Weinkeller nicht geplant, wie bei dem Rundgang zum Jubiläum beteuert wird. Der Weinkeller sei weit mehr als ein Ort zur Lagerung edler Tropfen. Er sei ein lebendiger Treffpunkt, ein Stück gelebter Unternehmens- und Stadtgeschichte.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Diese besondere Bedeutung soll im Jubiläumsjahr unter anderem mit einem After-work-Event am 18. Juni im BASF-Feierabendhaus gewürdigt werden. 25 ausgewählte Weine von mehreren Partnerwinzern werden dort durch ein gastronomisches Angebot ergänzt. Das für alle offene Format soll sich an ein breites Publikum richten. Darüber hinaus stehen weitere Veranstaltungen wie eine Gartenweinprobe im Weingut Kimich in Deidesheim am 18. Juli auf dem Programm.

Mit dem südaustralischen Weingut Kilikanoon (3. September) und dem Weingut Bassermann-Jordan aus Deidesheim (19. November) sind zwei langjährige Partner in der Vinothek im BASF-Gesellschaftshaus zu Gast. Und an jedem dieser Termine dürfte die eine oder andere Anekdote aus der Schatzkammer der BASF zu hören sein.

Und noch mal ein Blick in den Weinkeller.
Und noch mal ein Blick in den Weinkeller.
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