Ludwigshafen Der umgekehrte Weg

SCHIFFERSTADT. Marc Rech ist eines der größten Fußballtalente des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV) der Altersklasse 1997/98. Dennoch hat er aus persönlichen Gründen Anfang des Jahres den rheinland-pfälzischen Primus in Sachen Jugendschmiede, den FSV Mainz 05, in Richtung Phönix Schifferstadt verlassen. Die Entscheidung bereut er nicht.

Viele Nachwuchsfußballer träumen vom Profigeschäft – der Weg dorthin ist allerdings steinig. So auch für Marc Rech. Der 16-Jährige ist fußballerisch hoch talentiert und spielt seit drei Jahren mit den besten Nachwuchsspielern der Region in der Auswahl des SWFV. Dass der Kreis der U16-Südwestauswahl elitär ist, verrät die Vereinsherkunft der Spieler: 13 der 16 Auswahlspieler, die von Verbandstrainer Heinz Jürgen Schlösser für das Regionalturnier im April in Koblenz nominiert wurden, werden in der Jugend von Mainz 05 ausgebildet, zwei beim 1. FC Kaiserslautern. Dazu kommt Marc Rech. Der Gymnasiast kehrte Anfang des Jahres Mainz 05 den Rücken und läuft seitdem für Phönix Schifferstadt auf. Die Situation beim FSV wuchs Rech über den Kopf. Fünfmal in der Woche Training in Mainz, dazu ein Spiel am Wochenende – für Freizeitgestaltung blieb keine Zeit. Unter der Woche waren die Tage ebenso straff wie übersichtlich organisiert: Um halb drei war Schulschluss, um halb vier ging es meistens mit dem Zug nach Mainz für zwei Stunden Training, anschließend mit dem Zug wieder zurück nach Ludwigshafen, sodass Marc gegen 21 Uhr zu Hause eintrudelte. „Irgendwann ging es nicht mehr. Auf den ganzen Stress mit der Schule habe ich keine Lust mehr gehabt“, begründet der Schüler des Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasiums den Wechsel zu Phönix. Eine mutige Entscheidung, denn damit riskiert Marc aus dem Fokus des SWFV zu rücken. Zuletzt wurde der Pfälzer für den Länderpokal in Duisburg nur auf Abruf nominiert. Diese Deutsche Meisterschaft der Landesauswahlteams dient zugleich als Sichtungsturnier für die Junioren-Nationalmannschaften. 2012 wurde Marc Rech beim Länderpokal entdeckt und zu einem Nationalmannschafts-Lehrgang eingeladen. Das sei sein bisher größter persönlicher Erfolg gewesen. Die U16 des SWFV wurde in diesem Jahr ohne Rech, der seiner späten Nachnominierung aus zeitlichen Gründen nicht folgen konnte, unter 21 Landesverbänden und der U15-Nationalmannschaft Zweiter. Mit sechs Jahren lernte Rech beim FSV Oggersheim das Fußballspielen. Fünf Jahre später wechselte der schon damals auffallend talentierte Oggersheimer zum Ludwigshafener SC, der Adresse für ambitionierte Nachwuchskicker in Ludwigshafen. Dort entwickelte er sich kontinuierlich weiter und weckte im Teenager-Alter von 14 das Interesse der Jugendabteilung von Mainz 05. Kurzerhand entschloss sich Marc Rech in der der Winterpause der Spielzeit 2012/13 der Offerte des FSV zu folgen und die Chance zu ergreifen, in den Regionalliga, der höchsten Liga dieser Altersklasse, für die U15 von Mainz 05 aufzulaufen. „Wenn ich fit war, habe ich gespielt“, sagt der offensive Mittelfeldspieler stolz. Dennoch entschied er sich, den Verein nach exakt einem Jahr zu verlassen. „Im Verein selbst habe ich mich sehr wohlgefühlt, habe viel gelernt und mit tollen Menschen gearbeitet. Würde ich näher an Mainz wohnen, hätte ich dort auch nicht aufgehört“, bedauert der glühende Liverpool-Fan den hohen Zeitaufwand. Die Trainingsintensität in Mainz sei schon eine andere gewesen. Die Übungen seien anspruchsvoller, die Konkurrenz unglaublich stark und es werde hohe Disziplin erwartet. Aber der Zehntklässler bereut den Schritt nicht. „Ich habe jetzt viel mehr Zeit für mich und die Schule. Ich bin dankbar, dass meine Eltern die Entscheidung akzeptieren“, verrät Marc erleichtert. Die ätzenden Zugfahrten sind Geschichte. Seit Januar fährt meistens der Opa seinen Enkel dreimal pro Woche zum Training der B2 nach Schifferstadt. „Bei Phönix fühle ich mich sehr wohl. Der Verein hat ein hervorragendes Trainingsgelände mit Kunstrasen. Ich kann mir durchaus vorstellen, hier länger zu bleiben“, schwärmt Marc. Auch sein neuer Trainer Peter Borutta kommt ins Schwärmen. Marc sei der talentierteste Spieler, den er je trainiert habe. Kürzlich sicherte sich die B2 von Phönix vorzeitig die Meisterschaft in der Landesliga. Die B1 von Phönix, in der Marc in der kommenden Saison eingesetzt werden wird, hat am Wochenende den Aufstieg in die Regionalliga, die zweithöchste Liga der B-Junioren, perfekt gemacht. Für seine schulische Laufbahn hat Marc Rech klare Vorstellungen. „Ich bemühe mich nach der zwölften Klasse und dem Fachabitur um eine Ausbildung. Das Abitur zu machen, ist nicht vorgesehen. Ein Studium schließe ich aus“, versichert der 16-Jährige.

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