Ludwigshafen Der Spätberufene
«MUTTERSTADT.» Beim Ludwigshafener Stadtlauf hat Lennart Nies vor zehn Jahren erstmals Blut geleckt. Heute kann er sich ein Leben ohne Laufen kaum vorstellen. Dabei hat Nies sich vom Hobby- zum ambitionierten Läufer entwickelt. „Ich habe wahnsinnig viel Spaß beim Laufen, aber um es leistungsorientiert zu tun, fehlt mir die Zeit“, bedauert der 32-jährige Mutterstadter. Dennoch hat er in diesem Jahr drei Läufe über zehn und 12,5 Kilometer gewonnen.
Nies plagt das schlechtes Gewissen, wenn er mal für einige Tage nicht laufen kann. Denn beim Laufen fühlt er sich wohl. „Tennis macht mir sehr viel Spaß, aber Laufen ist noch einmal was ganz anderes“, sagt der Betriebswirt. Beim TC Mutterstadt spielt er in der Herren-30-Verbandsliga Tennis und ist zudem Schatzmeister. Ein Leben ohne Laufen kann sich der sympathische Mutterstadter nicht vorstellen. Das war auch der Grund, weshalb er nach fast fünfjähriger Pause zum Laufen zurückgekehrt ist. Seine sportlichen Ambitionen hielten sich aber in Grenzen, weshalb er sich auch keinem Leichtathletik-Verein anschloss. „Ich laufe im Prinzip ohne große Vorbereitungspläne. Es würde mich interessieren, welchen Schritt ich noch machen kann und wo meine Grenzen liegen“, sagt Nies. Diese hat der Spätberufene offensichtlich noch nicht ausgelotet. Früher kickte er bei der FG 08 Mutterstadt, später beim SV Südwest und Phönix Schifferstadt. „Ein begnadeter Fußballer war ich nicht, aber Kondition hatte ich immer, was mir den Einstieg beim Laufen erleichterte“, blickt Nies zurück. Er ist keiner, der verbissen läuft, sondern immer ein Lächeln auf den Lippen hat. Besonders, wenn ihn Freunde und Bekannte bei den Läufen anfeuern, wie am vergangenen Samstag beim Finale des Kalmit-Berglaufs, wo er als Achter den Gipfel bezwang und in der Gesamtwertung des Pfälzer Berglaufpokals 2018 in der Altersklasse M30 Platz zwei belegte. „Berglaufen hat seinen besonderen Reiz“, erzählt Nies, der vor dem Gipfelsturm auf die Kalmit als Vorbereitung am Martinslauf in St. Martin teilnahm. „Wenn ich von den Läufen Weinpräsente mitbringe, dann freuen sich meine Eltern“, sagt Nies augenzwinkernd. Denn er selbst trinkt kaum einen Tropfen Alkohol. Der 32-Jährige ist als Führungskraft im Vertrieb eines mittelständigen Unternehmens für Software in der Kardiologie im In- und Ausland tätig. Ob San Diego oder Berlin – bei vielen Geschäftsreisen sind die Laufschuhe seine treuen Begleiter. Seine Erfolge überraschen, da der Mutterstadter nicht nur beruflich, sondern auch in der Kommunalpolitik stark engagiert ist. Nies ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat. „Da muss das Zeitmanagement passen“, verdeutlicht der Sportler. 2018 war das Jahr der Rekorde. Seine Bestmarke über zehn Kilometer steht bei 34:32 Minuten, über den Halbmarathon bei 1:18:17 Stunden, und über die Marathon-Distanz bei 2:54:17 Stunden. Dazu sicherte sich Nies Siege bei den Volksläufen in Oggersheim, Meckenheim und Wüstenrot. Für das kommende Jahr hat er ambitionierte Ziele. Über die Halbmarathon-Distanz peilt er eine Zeit unter 1:17 Stunden an, und über zehn Kilometer will er konstant unter 35 Minuten laufen. Dafür wird er auf die Marathon-Distanz verzichten. „Die ist erst für 2020 geplant. Gerne wieder in Berlin, aber ich kann mir auch einen Marathon in den USA vorstellen“, erklärt Nies. Beim Laufen kann er wunderbar seinen Akku aufladen.