Ludwigshafen Der schlanke Blockbuster von der Mosel

Placeholder-Image

Die einen verstehen bei Aromenkaskade oder brillanter Gewalt am Gaumen nur Bahnhof. Andere wissen: Es geht um Wein. Von der blumigen Sprache der Weinexperten gab es bei der Premiere des Stücks „Ich schmecke was, was du nicht schmeckst“ im Theater Oliv in Mannheim jede Menge zu hören.

Die Weinsatire mit Verkostung stammt aus der Feder von Theaterleiterin Coralie Wolff und bezieht sich auf die Kurzgeschichte „Der Butler“ von Roald Dahl. Dabei waren Wolff und ihr Bühnenpartner Boris Ben Siegel in Doppelrollen zu sehen: Einmal als neureiches Ehepaar Marigold und Helmut Wagner, die zwar jede Menge Millionen, aber keinen Geschmack haben. Und dann als Betrügerpärchen das sich bei den Wagners als Butler Tips und Köchin Madam Estragon einschleicht. Der unechte Butler redet Marigold Wagner ein, dass man in ihrer Stellung nichts so nötig braucht wie einen gut gefüllten Weinkeller. So überredet sie Helmut, einen einzurichten. Bei der ersten Party gibt es dann reichlich Wein: einen Rotwein aus dem Aldi für 2,99 Euro, der aber einmal 9,99 Euro gekostet hat. Als Partygäste fungieren kurzerhand die Zuschauer, die bei dieser Kostprobe allerdings nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen. Wohl aber in Gelächter, denn Coralie Wolff brilliert als eingebildete, aber stillose Snobistin. Boris Ben Siegel spielt den Betrüger, der einen Butler spielt, wunderbar steif. Der anschließende Crash-Kurs zum Thema Wein, den Tips seiner Chefin gibt, ist ein satirischer Parforceritt durch die Welt der Sommeliers. Schließlich rät der Butler zur Anschaffung eines preisgekrönten Tropfens von der Mosel: der Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Riesling Großes Gewächs aus dem Jahr 2013. Marigold lässt sich nicht lumpen und beauftragt ihren Butler den Jahrgang aufzukaufen. Den Riesling lässt sie stolz auf ihrer nächsten Party kredenzen und ergeht sich in einem herrlich-schwulstigen Lobgesang über „den schlanken Blockbuster von der Mosel“, der nach Birne, Melone, Passionsfrucht, Flieder und Rosen schmecken soll. Währenddessen geht Tips mit einem Tablett durch die Reihen. Doch außer der Gastgeberin scheint niemand die vorhergesagten Geschmacksnoten zu erschmecken. Kein Wunder: Das Betrügerpärchen hat den teuren Wein gegen einen schnöderen Tropfen ausgetauscht. Geld schützt eben nicht vor Dummheit. Aber wie schmeckt nun der Braunberger Juffer-Sonnenuhr? Immerhin gehört er laut FAZ zu den Testsiegern beim Riesling. Das Rätsel wird gelüftet und tatsächlich – ein Hauch von Passionsfrucht ist zu schmecken.

x