Mannheim
Der lustige Lehrer: Herr Schröder im Rosengarten
„Ich mache auch gerne fünf Minuten früher Schluss“, kündigte Herr Schröder mitten im Programm „Der Rest ist Hausaufgabe“ an, hielt sich aber selbst nicht daran. Der Schulalltag – es ist ein so unerschöpfliches Feld, dass er wahrscheinlich noch stundenlang hätte weitermachen können. Und das Publikum auch. Schließlich war jeder Besucher im praktisch ausverkauften Mozartsaal des Rosengartens irgendwie betroffen. Sei es als Lehrkraft, als Schüler oder Schülerin – oder einfach als jemand, der selbst jahrelang jeden Morgen zur Schule gelaufen ist.
Johannes Schröder, Jahrgang 1974, war natürlich zunächst auch Schüler und machte 1993 Abitur („3,0 in Berlin – so viel wert wie ein bayerisches Seepferdchen“). Nach dem Lehramtsstudium, Deutsch und Englisch in Freiburg, war er zwölf Jahre im Schuldienst an einem Gymnasium in Offenburg und einer Berufsschule in Köln, bevor er als Quereinsteiger in die Comedy gegangen ist. Die Qualitäten, die er als Lehrer gebraucht hat – ein Publikum gewinnen und über einen gewissen Zeitraum interessiert halten, Zusammenhänge vermitteln und damit umgehen, Frontalunterricht zu geben und dabei unter Beobachtung zu stehen – dürften ihm bei seinen Bühnenshows sehr zugute kommen.
Ein ganz ernstes Thema
Die Bühne war mit kleinen Tischen, Büchern und dem unvermeidlichen, von Schröder schon durch halb Europa geschleppten Overhead-Projektor dekoriert. Dabei drehte sich ein großer Teil des über zwei Stunden dauernden Bühnenprogramms darum, dass Atlas, Reclamheft und Englischbuch Requisiten eines Unterrichts sind, dessen Nutznießer sowieso quasi alle Aufgaben mit KI-Anwendungen wie ChatGPT erledigen. Über weite Teile war, was Schröder erzählte, völlig ernst, und er hatte einen leicht pastoralen Ton, wenn er darüber sinnierte, dass es eigentlich Aufgabe der Schule wäre, die ihr anvertrauten jungen Menschen auf ein Leben in einer Gesellschaft vorzubereiten, die von Künstlicher Intelligenz geprägt sein wird. Den anwesenden Lehrkräften im Saal gab er noch einen Tipp, wie sie ihre Schüler austricksen können: indem sie in eine Aufgabenstellung völligen Unsinn hineinmogeln, der versehentlich mitkopiert wird. Er könne zur Aufhellung der Stimmung auch empfehlen, während einer Klassenarbeit kopfschüttelnd neben Schülern stehenzubleiben oder hinterher boshaft zu fragen: „Rückseite beachtet?“
Herr Schröder kann sich sicher sein, dass er in seinem Publikum immer Lehrer, Schüler und Referendare finden wird – und er fand sie auch in Mannheim und bezog sie sehr, mitunter auch etwas zu sehr in sein Programm ein. Das Versprechen, Tobi und Jannik auf die Bühne zu holen, die vor einem Jahr vor dem Rosengarten standen und sich wunderten, dass sonst niemand da war – das hat er allerdings nicht eingelöst. Bevor es dazu kommen konnte, läutete schon der Schlussgong das Ende der Stunde, äh: Veranstaltung ein.