Ludwigshafen Der letzte Ritter des guten Bieres

So manche Berühmtheiten und auch solche, die sich nur dafür halten, verfassen bereits in jungen Jahren, teils in dicken Wälzern auf vielen Hundert Seiten, ihre Lebenserinnerungen. Ganz gleich, ob diese für die breite Masse interessant erscheinen oder auch nicht. Einer, der dies bisher noch nicht getan hat, obwohl er wirklich eine Menge zu erzählen hätte, ist der aus Pommern stammende Ludwigshafener Peter Taubert, der nächste Woche sein 77. Lebensjahr vollendet.

Ein „Schnapszahlgeburtstag“, wie man so schön sagt, steht Peter Taubert damit bevor. Aber mit Hochprozentigem hatte sein Berufsleben wenig zu tun, vielmehr mit Bier. Und das umso intensiver. Auf den Tag genau vier Jahrzehnte war Taubert für die Frankfurter Henninger Bräu tätig, davon viele Jahre als Verkaufsleiter der Direktion Südwest mit Sitz in Ludwigshafen. Dass man da ganz schön herumkommt und so einiges erlebt, ist mehr als zwangsläufig. Ein Raum im Keller seines Hauses in Maudach – „mein Zwitscherstübchen“, wie er ihn liebevoll und schmunzelnd nennt – ist voll von Erinnerungsstücken aus dieser Zeit. Aber deswegen gleich ein Buch schreiben? „Ich bin schon oft darauf angesprochen worden“, berichtet Taubert und ergänzt augenzwinkernd: „Das wäre ja mit Arbeit verbunden!“ Und davon habe er wahrlich genug gehabt. „Die Siebentagewoche war die Regel.“ Aber die war gottlob nicht nur mit dem reinen Verkauf des edlen Gerstensaftes ausgefüllt. Er übernahm in seiner aktiven Zeit auch zahlreiche gesellschaftliche Verpflichtungen in Vereinigungen, die er teilweise sogar selbst ins Leben gerufen hatte. Sein besonderer Liebling waren die Ritter des guten Bieres oder wie sie sich selbst auf Französisch nannten: „Chévaliers de taste-bière“. Er erinnert sich sehr genau an die Entstehungsgeschichte dieser Runde und legt dazu zwei in Leder gebundene Alben vor, in denen sämtliche Ritter, die von 1974 bis 2000 ernannt wurden, mit Foto und Urkunde verewigt sind. Sie lesen sich wie das Who-is-who der regionalen Persönlichkeiten aus dieser Zeit. „Wir saßen damals in fröhlicher Runde zusammen“, erzählt Peter Taubert. „Auch der frühere Ludwigshafener Oberbürgermeister Werner Ludwig war dabei.“ Und der stellte die Frage in den Raum, dass es doch so viele Weinbruderschaften gebe, warum also nicht auch beim Bier. Das war die Geburtsstunde der „Chévaliers“. Fortan wurden alljährlich im November zum Bockbieranstich der Brauerei Henninger – anfangs noch im großen Saal der Ludwigshafener Bürgerbräu, die zu Beginn der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts in dem Frankfurter Bierkonzern aufgegangen war – die Ritterehrungen vorgenommen. Die Auserwählten mussten sich in besonderer Weise sportlich, politisch oder kulturell in der Kurpfalz hervorgetan haben. „Oder sich sonst irgendwie ,bierig’ gegeben haben“, ergänzt Taubert, sichtlich den Schalk im Nacken, ein weiteres wichtiges Kriterium für den Ritterschlag. Einer der so Auserkorenen war 1997 der bayerische Prinzregent Luitpold, seines Zeichens Urururenkel des Ludwigshafener Namensgebers und selbst Brauereibesitzer. Bei dessen Kür kam Peter Taubert und dem damaligen OB Wolfgang Schulte die Idee zu einem Ludwigshafener Oktoberfest. Per Handschlag habe man dieses Vorhaben damals besiegelt. Von 1998 bis 2011 war dieses Fest fester Bestandteil des Ludwigshafener Veranstaltungskalenders. Dass es das Oktoberfest heute nicht mehr gibt, stimmt Taubert traurig. „Es war auch mein Werk.“ Und auch das einst so beliebte Knödelbrunnenfest, das er mit initiiert hatte, gehört inzwischen der Vergangenheit an. Als Peter Taubert Ende April 2000 mit 63 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging, wurde ihm im November desselben Jahres eine besondere Ehrung zuteil. Er wurde zum letzten „Chévalier de taste-bière“ ernannt. Danach wurde diese Tradition eingestellt, weil sie sein Ding gewesen sei und die Henninger Bräu sich diesen Brauch ohne Peter Taubert nicht weiter vorstellen konnte. „Mein Berufsleben war nicht immer leicht“, zieht der Maudacher Bilanz. „Ich bereue aber nicht eine Stunde und bin dankbar für diese Zeit.“ Dankbar für die vielen Menschen, die er kennenlernen durfte, dankbar für die vielen Ehrungen und Auszeichnungen zahlreicher Vereine, die er mit seinen Möglichkeiten als Verkaufsleiter einer großen Brauerei unterstützen durfte. Und dankbar auch für seine noch gute Gesundheit, dank der er seinen Ruhestand richtig genießen kann. Und wenn ihm mal nach Erinnerungen ist, geht er hinunter in den Keller, in sein „Zwitscherstübchen“.

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