Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Dieselpreis und die Anzahl der Bedürftigen steigen: Die Tafel gerät in Bedrängnis

Die Ausgabe der Tafel: Der Bedarf ist hoch, doch die Kosten bereiten Probleme.
Die Ausgabe der Tafel: Der Bedarf ist hoch, doch die Kosten bereiten Probleme.

Unter den Folgen des Irankrieges leiden nicht nur einzelne Verbraucher: Die Transporte der Tafel Ludwigshafen werden immer teurer. Zudem bitten immer mehr Menschen um Hilfe.

Wer dieser Tage an die Tankstelle muss, schaut lieber nicht zu genau hin, wie viel Geld für eine Tankfüllung fällig wird. Der Krieg der USA und Israel gegen den Iran treibt die Spritpreise in die Höhe – zu spüren bekommen das nicht nur einzelne Autofahrer. Auch Einrichtungen wie die Tafel Ludwigshafen leiden. Neben sinkenden Lebensmittelspenden und höheren Preisen belasten vor allem die deutlich gestiegenen Energie- und Treibstoffkosten den Betrieb. Gleichzeitig treibt das Preisniveau mehr Menschen zu den Tafeln – ein doppelter Druck, den die Organisation deutlich spürt.

Besonders teuer geworden ist der Einsatz der vier Kühlfahrzeuge, die täglich unterwegs sind, um Lebensmittel bei mehr als 40 Lieferanten abzuholen. Die Energiekrise hat die Ausgaben weiter nach oben getrieben und setzt den Haushalt der Tafel unter Druck. Rund 60.000 Kilometer legen die Fahrzeuge pro Jahr zurück. Schon bisher lagen die jährlichen Dieselkosten bei fast 10.000 Euro – inzwischen rechnet die Tafel mit 12.000 bis 13.000 Euro allein für Kraftstoff. „Rund ein Drittel mehr“, konstatiert Manfred Böser, zweiter Vorsitzender des Trägervereins Vehra.

Die Waren werden mit Kühlfahrzeugen transportiert.
Die Waren werden mit Kühlfahrzeugen transportiert.

Auch die neue Tankstellenregelung, nach der die Preise nur noch einmal am Tag erhöht werden dürfen, bringe keine Entlastung. Ein Ende der Krisen sei derzeit nicht absehbar.

Molkereiprodukte fehlen

Gleichzeitig ist die Lage bei der Lebensmittelbeschaffung eng. Es stehen weniger Frischeprodukte und haltbare Waren zur Verfügung, während die Zahl der Menschen, die Unterstützung benötigen, hoch bleibt. Mehr als 3000 Personen – darunter rund 1000 Kinder – sind auf die Ausgabe angewiesen. Und der Bedarf wäre noch deutlich größer: „Auf der Warteliste stehen mehrere Hundert weitere Menschen“, sagt Böser. Aber das sei derzeit nicht drin. Der Grund ist simpel: „Wir können nur ausgeben, was da ist.“

Vor allem Molkereiprodukte fehlen. Diese würden in den Geschäften häufig bis zuletzt zu reduzierten Preisen verkauft. Ökonomisch sei das nachvollziehbar, sagt Böser, „aber uns fehlen sie dann natürlich“.

Verein bittet um Spenden

Doch nicht nur die Lebensmittelknappheit setzt die Tafel unter Druck und begrenzt ihre Kapazitäten. Auch die Ehrenamtlichen stoßen an Grenzen. Woche für Woche engagieren sich über 150 Helfer, darunter bis zu 30 Fahrer, die die Kühlfahrzeuge besetzen. Viele von ihnen seien bereits älter, sagt Böser. „Wir dürfen sie nicht überfordern.“ Die Zahl der Haushalte, die derzeit versorgt werden, sei noch zu bewältigen – für weitere reiche es aber nicht. Deshalb gibt es die Warteliste. Die Stimmung unter den Kunden sei schwankend, die Ehrenamtlichen seien im Umgang damit aber sehr erfahren.

Um die steigenden Kosten aufzufangen, ist der Verein zunehmend auf Spenden angewiesen. Besonders hilfreich seien Geldspenden oder Tankgutscheine, die direkt für den Betrieb der Fahrzeuge eingesetzt werden können. Auch haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Nudeln oder Konserven würden dringend benötigt – und können auch von Einzelpersonen abgegeben werden. Denn eigentlich sollen die Tafeln Geldspenden nicht für den Einkauf von Lebensmitteln verwenden. Zu Ostern habe es wieder eine Sammelaktion bei Globus gegeben. Kunden des Supermarktes wurden gebeten, etwas mehr zu kaufen und den Überschuss zu spenden. „Die haltbaren Lebensmittel lagern wir und führen sie je nach Bedarf nach und nach zu“, erklärt Böser.

Große Solidarität

Der Trägerverein Vehra finanziert und betreibt die Tafel Ludwigshafen vollständig aus Spenden. „Insgesamt sind wir zufrieden mit der Spendenbereitschaft, darunter viele Kleinspenden“, sagt Böser. Die Solidarität sei groß. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre die Versorgung der unterstützten Haushalte jedoch nicht möglich. Klar ist aber auch: Die aktuelle Kostenentwicklung stellt die größte ehrenamtliche Initiative der Stadt vor eine Belastungsprobe, die sie allein nur schwer bewältigen kann. Gespräche mit der Stadt habe es bereits gegeben, konkrete Zusagen stehen noch aus.

Die Ludwigshafener Tafel ist das Ergebnis einer Entwicklung, die vor fast 20 Jahren begann. Am 9. Juni 2005 wurden im Gemeindehaus der Protestantischen Kirchengemeinde West in der Waltraudenstraße erstmals Lebensmittel ausgegeben: an gerade einmal 27 Menschen. Heute sind es mehr als hundertmal so viele. Schon im ersten Jahr zeigte sich, wie groß der Bedarf war, 2006 zog die Tafel in größere Räume in der Bayreuther Straße um.

Trotz aller Herausforderungen möchte Böser optimistisch bleiben. Konkrete Einschnitte seien derzeit nicht geplant. Er hofft, dass sich die Lage stabilisiert – und wieder planbarer wird.

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