Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der 16-jährige Simon Mrozek erklärt Gleichaltrigen physikalische Phänomene

Simon Mrozek hat Spaß daran, Wissen zu vermitteln.
Simon Mrozek hat Spaß daran, Wissen zu vermitteln.

Klopfende Herzen, schwitzende Hände, zitternde Stimmen: Vor Publikum zu sprechen, fällt nicht jedem leicht. Im bundesweiten Wettbewerb „Jugend präsentiert“ können Jugendliche ab der siebten Klasse genau diese Kompetenz anhand eines selbstgewählten naturwissenschaftlichen Themas verbessern. Simon Mrozek hat es mit 130 anderen Schülern ins Bundesfinale geschafft.

Könnte ein Formel-1-Auto an der Decke fahren? Wenn sich der 16-jährige Simon Mrozek vom Carl-Bosch-Gymnasium nicht gerade mit Unterrichtsstoff der zehnten Klasse beschäftigt oder im Schulorchester Fagott spielt, denkt er gern über schnelle Autos nach. Im nächsten Schuljahr belegt er Leistungskurse mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt – genau dieses Interesse erkannte und förderte seine Chemie-Lehrerin vergangenen Herbst, als sie ihm vorschlug, an „Jugend präsentiert“ teilzunehmen.

Zunächst wollte der Schüler das Projekt gemeinsam mit einem Freund angehen, erstellte dann aber im Alleingang eine fünfminütige Präsentation. „Ich mag alles, was mit schnellen Autos zu tun hat“, erklärt er. Im Unterricht habe er schon immer gern mitgearbeitet, dabei bemühe er sich, „dass die Präsentationen immer schick aussehen“.

„Achtung vor Spiegelungen im Fernseher“

Mitte Februar nutzte der Rheingönheimer ein paar schulfreie Tage, um seinen Vortrag zu beenden und zu schleifen. Mit einer Kamera auf einem selbstgebauten Stativ nahm er sich schließlich auf. Vor dem Fernseher, der seine Folien zeigte, sprach er zu einem virtuellen Publikum. Hinterher bemerkt der 16-Jährige selbstironisch: „Achtung vor den Spiegelungen im Fernseher.“ Nachdem er das Video – so wie 9000 weitere Teilnehmer auch – online eingereicht hatte, hörte er mehrere Wochen nichts vom Wettbewerb.

Einen knappen Monat später stand fest: Simon Mrozek ist im Länderfinale. Und so erklomm der bescheidene Schüler Sprosse um Sprosse der Wettbewerbsleiter. Anfang Mai bewährte er sich ein weiteres Mal in Kaiserslautern, diesmal vor Live-Jury in einem Klassenzimmer. Dort setzte er sich gegen Konkurrenten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland durch.

„Ich war sehr nervös“, erinnert sich der Schüler, als er von seinen Eindrücken des Länderfinales erzählt. Mit klopfendem Herzen habe er die Juroren begrüßt, die seinen Vortrag auf Sachkenntnis, Darstellungsvermögen und Adressatenorientierung prüften. Die nächste und letzte Station heißt nun: Bundesfinale in Berlin.

Vorträge sollen Begeisterung wecken

Neben der Recherchearbeit für das physikalische Thema seien vor allem die Rhetorik und die Wissensvermittlung zentrale Punkte für die Bewertung der einzelnen Beiträge. Die Präsentationen richten sich nämlich an gleichaltrige Mitschüler ohne Vorkenntnisse, die „man mit seinem Thema begeistern soll“. Die Wettbewerbsteilnehmer müssen demnach sowohl mit ihrer Fachexpertise als auch mit ihrer Glaubwürdigkeit punkten.

Bereits rund 35.000 Schüler hat der Wettbewerb seit 2011 umfassend vorbereitet, etwa in den sogenannten Präsentationsakademien zwischen dem Länderfinale und der Endrunde in Berlin. Der 16-Jährige ist sich sicher: „Das war der größte Gewinn.“ In Limburg an der Lahn durfte der Schüler Anfang Juni einen dreitägigen Workshop rund ums Präsentieren besuchen. Die Akademie sorgte zudem für eine Ausgeglichenheit zwischen den Konkurrenten: Jeder startet mit gleichen Grundlagen ins Finale. Das Hauptthema, das nun jeder Teilnehmer auf seine Art und Weise bearbeitet, wurde am Ende der Akademien bekannt gegeben.

Für das Abschlussthema hat Simon Mrozek schon Ideen

„Ich hab schon Ideen“, verrät Simon Mrozek geheimniskrämerisch. Zunächst konzentriere er sich aber auf das Schuljahresende sowie die anstehenden Orchester-Konzerte, bei denen er fleißig mitspielt. In den Sommerferien widme er sich mit neuer Energie wieder seinem Langzeitprojekt und freue sich schon auf die bevorstehende Arbeit. Und davon gibt es nicht zu wenig: In einer Vorrunde muss Simon Mrozek sein frisch erarbeitetes Thema in Form eines Zoom-Meetings aufnehmen und absenden. Im Anschluss daran geht es nach Berlin für die zwei letzten Runden vor Live-Publikum. Die Königsklasse kommt zum Schluss: Die Top-Sechs präsentieren nicht mehr in einem Klassenzimmer, sondern auf der Bühne während eines laufenden YouTube-Livestreams.

Von Stress oder Anspannung ist beim Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums noch nichts zu erkennen. Im Gegenteil: Er wirkt gelassen, antwortet strukturiert und informativ – ein trainierter Redner, auf und hinter der Bühne. Außerdem habe seine Schwester im September Geburtstag, erzählt Simon Mrozek lächelnd, und es wäre cool, wenn sie ihn in die Großstadt zum Anfeuern begleiten würde und er dann an ihrem Geburtstag vielleicht gewinnen würde.

Info

Mit seiner Präsentation zu dem Thema „Kann ein Formel 1 Auto an der Decke fahren?“ hat Simon Mrozek aus der zehnten Klasse des Carl-Bosch-Gymnasiums in Ludwigshafen sein Präsentationskönnen beim Länderfinale von „Jugend präsentiert“ und sich damit für das Bundesfinale qualifiziert, das am 22. September in Berlin stattfindet. Der Präsentationswettbewerb kürt jährlich bundesweit die besten naturwissenschaftlich-mathematischen Präsentationen.

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