Ludwigshafen
Demenz-Patienten Würde gegeben
Um die Situation zu verbessern, kümmerten sich die Ehrenamtlichen der Alzheimer-Gesellschaft um den Aufbau von Informationsangeboten und Selbsthilfegruppen. Nach Gründung von immer mehr solcher Selbsthilfegruppen im ganzen Land kristallisierte sich die heutige Bezeichnung „Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz“ heraus.
„Ich bin ganz schön stolz, dass wir nun seit 30 Jahren existieren. Wir haben etwas auf die Beine gestellt“, freut sich Gudrun Andres, Mit-Gründerin der Alzheimer-Gesellschaft im Rückblick mit der RHEINPFALZ. Als Geschäftsführerin hatte sie den Verein damals zusammen mit dem Chemiker und ersten Vorsitzenden Heinz Bille in ehrenamtlichem Engagement aus der Taufe gehoben. Als Helferin beim Malteser Hilfsdienst sei sie damals erstmals mit Alzheimer-Kranken in Kontakt gekommen, für deren Krankheitsbild es damals noch keine rechte Bezeichnung gab.
Unbekanntes Krankheitsbild
Keiner habe ihr Informationen darüber geben können, erinnert sich Andres. Sie habe erlebt, wie hilflos und verzweifelt manche Angehörigen auf die Krankheit reagiert hätten. Da sei ihr Wille gewachsen, helfen zu wollen, erzählt sie von ihrem Schlüsselerlebnis. Hilfe oder Beratung dazu habe es im näheren Umkreis nirgends gegeben. Nachdem sich in München 1991 ein Bundesverband gegründet hatte, habe sie das ermutigt, zusammen mit Bille, einem Chemiker bei der BASF, eine Vereinsgliederung zu gründen. So sei am 22. April 1992 im Turmrestaurant des Ebertparks die Alzheimer-Gesellschaft Vorderpfalz mit 27 Mitgliedern gegründet worden.
Ziel sei es gewesen, mit Vorträgen aufzuklären und Selbsthilfegruppen für Angehörige zu gründen. „Wir haben festgestellt, dass der Bedarf überall groß war: Unser Gebiet wurde weiter und weiter“, blickt Andres auf die Entwicklung zurück. Aus anfänglich vier Selbsthilfegruppen in der Vorderpfalz wurden so mit der Zeit 23 im ganzen Land. Im Jahr 2001 erfolgte deshalb die Umbenennung in „Alzheimer-Gesellschaft Rheinland-Pfalz“.
Halt in der Gruppe
Die Selbsthilfegruppen seien bis heute das Herzstück des Vereins geblieben und nur möglich dank des großen Engagements der ehrenamtlichen Gruppenleiter. Sie ermöglichten einen Erfahrungsaustausch unter Gleichbetroffenen und eröffneten die Möglichkeit, über eigene Sorgen zu sprechen. Das Gefühl, in schwierigen Situationen nicht alleine dazustehen, helfe Stress abzubauen, betont Claudia Krack, die im Vorstand des Vereins die Schulungen und immer wichtigere Online-Präsenz übernimmt.
Die Arbeit der Alzheimer-Gesellschaft habe zwar Früchte getragen. „Die Krankheit ist kein Tabu mehr. Demenzkranke werden nicht mehr stigmatisiert. Das Thema ist aber noch nicht verschwunden“, stellt sie fest. Für die Erkrankten sei es essenziell, ernstgenommen und nicht ausgegrenzt zu werden. Denn von Vielen würden Demenz-Kranke immer noch schief angeschaut, oft aus Verunsicherung.
Schulungen für Angehörige
Deshalb habe der Verein einen 90-minütigen Kurs aufgelegt, in dem das Krankheitsbild und der Umgang mit Dementen erklärt werde. „Das Wissen über die Erkrankung und den Umgang mit dementen Menschen schafft Verständnis, nimmt die Angst vor der Begegnung und ermöglicht ein selbstverständliches Miteinander“, beschreibt Krack das Ziel des Angebots. Daneben organisiert der Verein Schulungen und Seminare für Angehörige von Demenzkranken. Eine Demenzsprechstunde und neuerdings eine Pflegeberatung bieten Informationen und Gespräche auch über schwierige Alltagssituationen an.
„Corona hat unsere Aktivitäten total lahmgelegt“, bedauert sie. Doch mit neuen Online-Formaten seien auch neue Gruppen erreicht worden. Trotzdem blieben persönliche Begegnungen für demente Patienten wichtig.
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