Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Das Gemeindehaus muss bleiben“: Ruchheimer Kirchengemeinde sucht nach Möglichkeiten

Von außen: das in die Jahre gekommene Gebäude.
Von außen: das in die Jahre gekommene Gebäude.

Das Gemeindehaus der protestantischen Kirchengemeinde Ruchheim ist sanierungsbedürftig. Doch die Renovierung ist teuer. Welche Lösungsansätze es gibt.

Etliche Menschen haben sich an diesem Sonntag im Protestantischen Gemeindehaus versammelt, um die Zukunft ebenjenen Gebäudes zu besprechen. Mehrere Bänke mussten zusätzlich zu den aufgestellten Stuhlreihen hereingebracht werden, damit alle einen Platz finden. Pfarrer Seung-Min Her freute sich sichtlich über das große Interesse.

Kurz wird zu Anfang die Geschichte des Gemeindehauses in Erinnerung gerufen. Das Haus, welches 1877/8 als Synagoge erbaut wurde, ist 1938 im Zuge der Pogrome verwüstet worden. Nachdem es 1953 von der Kirchengemeinde gekauft wurde, blieb der Denkmalschutz erhalten. Es kam ein Anbau hinzu, in dem Toiletten und eine Küche zu finden sind. Dieser Anbau und der Dachstuhl des Hauptgebäudes sind die Fokuspunkte der Gemeindeversammlung.

Toiletten seien „zum Fremdschämen“

Denn der Dachstuhl muss festgezurrt werden, einige Balken sind vom Holzwurm befallen und die Konstruktion ist nicht mehr vollständig vor der Witterung geschützt. Der Anbau ist ebenfalls baufällig; „zum Fremdschämen“, nennt es Pia Wiegand, Presbyteriumsvorsitzende der Kirchengemeinde. Die Sanitäranlagen seien desolat, veraltet und nicht barrierefrei. Doch die vorgeschlagenen Renovierungsmaßnahmen seien teuer. Für einen neuen Anbau, inklusive der Sanitäranlagen und der dringend notwendigen Reparaturen am Dachstuhl seien mehr als 650.000 Euro zu veranschlagen. Ein Betrag, den die Gemeinde unmöglich aufbringen könne.

Das Gemeindehaus aufzugeben, sei keine Option, sagt Wiegand. Die vielfältige Nutzung der Räume gehe weit über reine Gemeindeveranstaltungen hinaus. In diesem Jahr seien bereits 177 Anlässe verschiedenster Art eingetragen. Dies zeige, dass das Gemeindehaus ein wichtiger Ort für den ganzen Stadtteil sei, den es unbedingt zu erhalten gelte.

Containerlösung wäre günstiger

Die Optionen und Mittel, die der Gemeinde nun zustünden, stellt Presbyter Matthias Kraut vor. Da eine Sanierung des Dachstuhls und des Anbaus das Budget deutlich übersteigen würde, habe man nach einer günstigeren Alternative gesucht: Dach und Dachstuhl würden saniert, der Anbau abgerissen und stattdessen eine Containerlösung etabliert werden. Dies sei mit etwa 280.000 Euro deutlich kostengünstiger und eine gute Möglichkeit, das eigentliche Gemeindehaus halten zu können. Ein Teil dieser Summe werde außerdem durch eine Erbschaft gedeckt, die ausdrücklich für die Sanierung des Gemeindehauses angedacht sei.

Fußgönheimer Straße 52: der Standort des Protestantischen Gemeindehauses Ruchheim.
Fußgönheimer Straße 52: der Standort des Protestantischen Gemeindehauses Ruchheim.

Die Gemeindemitglieder nutzen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Vor allem die Möglichkeit einer Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) wurde besprochen und ob es mithilfe von Fördergeldern nicht doch möglich sei, einen neuen Anbau zu finanzieren, anstatt des Containers. Denn, so klingt es bereits am Anfang durch, die Begeisterung für diesen Vorschlag hält sich in Grenzen.

„Das Gemeindehaus muss bleiben“

Pfarrer Her plädiert dafür, sich das „Wir“ wieder mehr ins Gedächtnis zu rufen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Während einer Pause, in der in vielen Grüppchen angeregt diskutiert wird, dringen einige Stimmen durch: „Ich bin seit 1975 in dieser Gemeinde“, erzählt eine ältere Dame. Sie habe schon viel miterlebt in diesem Haus. „Wenn das mit dem Container die einfachste Lösung ist, dann bin ich dabei.“ Doch nicht alle Anwesenden schließen sich dem an. „Ein Container geht für mich gar nicht“, meint eine jüngere Frau kopfschüttelnd. Sie habe aber auch keinen alternativen Vorschlag. Nur, dass so viele Menschen wie möglich spenden würden, das wünscht sie sich.

Die Möglichkeit eines Crowdfunding-Projekts und die von Pfarrer Her vorgeschlagene Gründung eines Förderkreises wird mehrstimmig unterstützt, während andere Gemeindemitglieder bereits überlegen, wie viel von der Sanierung man in Eigenregie bewältigen könne. In einem Punkt sind sich alle einig: „Das Gemeindehaus muss bleiben, ob mit Container oder ohne.“

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