Ludwigshafen
Darmkrebs: Aktionen und Prominente werben für Vorsorge
Mit bei der Vorstellung der Aktionen im Darmkrebsmonat dabei war auch Professor Hermann Brenner, Abteilungsleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Brenner habe sich besonders um die Darmkrebsvorsorge verdient gemacht, lobte Professor Jürgen Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke. Deshalb erhielten Brenner und sein Team den jährlich vergebenen Preis für hervorragende Arbeiten im Bereich der Darmkrebsvorsorge- und Früherkennung für ihr Projekt „Daten für Taten“.
„In drei von vier Fällen ist ein rechtzeitig erkannter Darmkrebs heilbar“, unterstrich Brenner. Dabei beginne die Vorsorge nicht erst mit der Blutstuhluntersuchung oder der Darmspiegelung. „Klassische Risikofaktoren sind Rotes Fleisch oder Übergewicht“, zählte er auf. „Stark gezuckerte Softdrinks und zu viel Sitzen spielen ebenfalls eine Rolle“, ergänzte Riemann. Das Hauptaugenmerk des Aktionsmonats solle allerdings auf der Bedeutung der medizinischen Untersuchungen ab dem 50. Lebensjahr liegen. „Es ist wichtig, dass die Gesundheitspolitik konsequent auf die Prävention ausgerichtet wird“, verwies der ehemalige Chefarzt des Ludwigshafener Klinikums auf die Empfehlung des Expertenrats, der diese Forderung auch an die Bundesregierung formuliert hat.
Michael Antwerpes und Richy Müller
Eine einleuchtende Forderung, sagte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos): „Wir können uns gegenseitig Gesundheit wünschen, aber wir können auch etwas dafür tun.“ Und je weniger Menschen tatsächlich erkranken, desto weniger werde das Gesundheitssystem finanziell belastet, verwies sie auf einen weiteren Nutzen.
Auch darum geht es im Aktionsmonat, für den die Stiftung mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht nur einen prominenten Schirmherrn, sondern mit TV-Moderator Michael Antwerpes zudem einen besonderen Botschafter des Jahres und mit „Tatort“-Kommissar Richy Müller einen neuen Befürworter der Aktion gewonnen hat. „Es ist wichtig, dass die Botschaft von prominenten Persönlichkeiten vertreten wird. Die Leute brauchen Vorbilder“, begründete Riemann.
Alle drei machen sich dabei für die Vorsorgeuntersuchung stark. „Handeln kann eine Erkrankung verhindern“, betonte der Gesundheitsminister, was auch Antwerpes und Müller unterstrichen: „Eine einfache Untersuchung beim Arzt kann ein gutes Gefühl und Sicherheit für die nächsten fünf bis zehn Jahre geben“, ergänzte Richy Müller.
Viel zu wenige nutzen Prävention
Dabei sei gerade hier noch viel Luft nach oben. „Im Jahr 2023 haben nur rund sieben Prozent der Frauen und nur 4,2 Prozent der berechtigten Männer die Blutstuhluntersuchung gemacht“, berichtete Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Krankenkasse Barmer Rheinland-Pfalz/Saarland. Berechtigt sind dabei Männer ab dem 50. und Frauen ab dem 55. Geburtstag. Ab dem 1. April sinkt das Eintrittsalter auch bei Frauen auf 50.
Bei den Darmspiegelungen ab dem 50. Lebensjahr habe sich zwar das Verhältnis umgekehrt, dafür gingen hier aber die Zahlen noch weiter zurück. Nur 2,3 Prozent der Männer und 1,7 Prozent der Frauen haben diese Art der Vorsorge genutzt. Viel zu wenig, so der Regionalbeauftragte Chefarzt Professor Tim Zimmermann vom Klinikum Worms. Gemeinsam mit seinem Kollegen, Professor Ralf Jakobs vom Ludwigshafener Klinikum, hofft er auf eine Steigerung durch die unterschiedlichen Aktionen im Darmkrebsmonat wie etwa den Darmkrebs-Vorsorge-Podcast „Alarm im Darm“ oder das Benefizkonzert mit Alexandra Hofmann am 26. April in der Friedenskirche in Friesenheim. Immerhin könnte durch die Vorsorge ein Großteil der bundesweit jährlich 23.000 Todesfälle durch diese Krebsart deutlich reduziert werden, sind sich die Experten einig.