Mannheim
Comedian Paul Panzer im Rosengarten
„Schöne neue Welt“ heißt Aldous Huxleys 1932 veröffentlichte Dystopie, „Welcome to Hell“ der Klassiker der Metal-Band Venom. Paul Panzer bringt beides zusammen, indem er nostalgisch in die jüngere Vergangenheit und skeptisch in die näher rückende Zukunft blickt, die er schon Wirklichkeit werden sieht. Ein großer äußerer Reichtum einerseits und eine um sich greifende innere Leere, KI, Kryptowelten bei unveränderten menschlichen Bedürfnissen machen Paul Panzer zu einem wahren Sisyphos in der modernen Welt.
Erneut ein recht düsteres Szenario also, wie in Panzers letzten Programmen, in denen er sich als Komiker in der Krise zum Teil geradezu besinnlich mit großen und ernsten Themen wie der Evolution („Alles auf Anfang“), dem Tod („Invasion der Verrückten“) oder der Endzeit („Apaulkalypse – Jede Reise geht einmal zu Ende“) befasste. Wie in „Schöne neue Welt“, indem er ihre schiere Größe und erdrückende Bedeutsamkeit zuverlässig auf Kleinformat zurechtstutzte, um sie aus der Warte des sprichwörtlichen kleinen Mannes von der Straße oder eben des naiven Familienvaters Paul zu betrachten, der sich zuvorderst mit Gattin Hilde, Sohn Bolle und Tochter Susaska auseinandersetzen muss.
Panzer als Bürgermeister von Mannheim
Weltpolitisch wird er ein einziges Mal, wenn er erörtert, wie wir uns sowohl im Westen als auch im Osten von unberechenbaren Autokraten bedrängt sehen, Donald Trump und Wladimir Putin, „der auch ein Avatar sein könnte“, wie Panzer vermutet: „Die Robotik ist mittlerweile so weit.“ Dass der ukrainische Präsident Selenskyi früher selbst Komiker war, bringt den deutschen Kollegen auf eine Idee: „Nicht dass ich jetzt noch Bürgermeister von Mannheim werde“, überlegt er unter lautstarkem Applaus seiner Fans.
Der Umgang mit dem allgegenwärtigen Handy, die misslungenen Selfies, die seine 80-jährige Mutter verschickt, der Trockenrasierer, den er nicht mehr benutzt, seitdem seinem Hund Timmy damit der After geschoren wurde, oder die Welt von Social Media, der einflussreichen „Influtscher“, wie Panzer sagt, der Susaska völlig verfallen scheint, sind einige der Themen, an denen Panzer sich abarbeitet. Längst selbst zum „Influtscher“ geworden, nimmt er sich dabei von seiner Kritik nicht aus. Der morgendliche Griff zum Handy, gleich nach dem Aufwachen, und „Reels gucken“, berichtet er aus eigener Erfahrung, sei nun einmal so viel bequemer als aufzustehen. Jedoch: „Unser Hirn ist nicht vorbereitet auf diesen ganzen Mist! Früher gab es Dopamin nur, wenn wir Essen besorgt oder Feuer gemacht haben“, schaut der Comedian weit zurück. „Jetzt bei jedem Wischen!“
Eine Zeit vor der Digitalität
Dem stellt der 54-Jährige eine Vergangenheit gegenüber, die nur über 25-Jährige noch erlebt haben. Die Zeit vor dem Siegeszug der Digitalität und des Internets, „als hin und wieder noch selber nachdenken angesagt war“. Den jüngeren Bolle wünscht er sich zurück, als dessen Körper noch zu dessen mäßigem Verstand gepasst habe, und die ungefilterten Zeiten, als man sein Leben noch in der Wirklichkeit und nicht auf dem Display führte. Ganz ohne KI, die ihn immer noch sprachlos macht. „Sie ist so nett, die KI“, staunt er über einen Umgangston, den er von seiner Frau Hilde so gar nicht kennt. „Hallo Paul, schön, dass du da bist“, schreibt die KI ihm und bringt ihn beinahe dazu, sich ganz spontan in sie zu verlieben. „Hey, was wollen wir heute machen?“ fragt sie weiter, und er jubelt: „Hey, plötzlich habe ich eine Wahl!“