Ludwigshafen
Buchhandlungen in Ludwigshafen: Die Letzten ihrer Art
Genau zwei inhabergeführte Buchgeschäfte gibt es in Ludwigshafen noch: die Leseecke Oppau und den Buchladen Gartenstadt. Wer ihr größter Konkurrent ist und warum sie trotzdem weitermachen.
Als die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs sich kürzlich in Frankfurt als neue Vorsteherin des Börsenvereins des deutschen Buchhandels vorstellte, wies sie auf den enormen Wandel und den Druck hin, dem der Buchhandel durch die Digitalisierung ausgesetzt ist. Sie ließ aber zugleich die Bereitschaft ihres Interessenverbands erkennen, sich diesem Druck zu beugen: „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“, zitierte sie den früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und machte mit dem Satz die Zwangslage deutlich, in der sich die Branche befindet. Friss oder stirb! „Mehr Veränderung war nie“, stellte mit demselben Zungenschlag ihr scheidender Vorgänger Heinrich Riethmüller fest. Auch an Ludwigshafen ist das große Buchladensterben der vergangenen Jahre nicht spurlos vorübergegangen. In der Innenstadt gibt es nur noch die Filiale der Buchhandelskette Thalia in der Rhein-Galerie. In ganz Ludwigshafen haben nur zwei inhabergeführte Buchgeschäfte überlebt: die Leseecke Oppau und der Buchladen Gartenstadt. Die Inhaberinnen beider Geschäfte wissen zwar, dass sie mit dem Verkauf von Büchern nicht reich werden. Sie denken jedoch nicht daran aufzugeben.
Zwei Schwestern betreiben den Gartenstadt-Laden
Der ältere der beiden ist der Buchladen Gartenstadt, seit 1996 betrieben von den Schwestern Ursula Malchau und Dorothea Stahl. Dreimal sind sie in diesen 23 Jahren mit ihrem Geschäft umgezogen, aber immer nur ein paar Häuser weiter in der Maudacher Straße, der Hauptverkehrsstraße durch die Gartenstadt. „Wir machen weiter, solange es uns Spaß macht“, betonen die Schwestern. An ihrem jetzigen Standort in der Maudacher Straße 209, direkt an der zentralen Bushaltestelle Marienkrankenhaus, sind sie auf 40 Quadratmetern präsent. „Unsere Konkurrenz ist nicht Thalia, sondern Amazon“, gibt Dorothea Stahl Auskunft. In den vergangenen zehn Jahren haben sie einen beständigen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. „Das hängt eindeutig mit der Etablierung von Amazon zusammen“, sagt Dorothea Stahl. Die Anzahl der Kunden, insbesondere die Anzahl jüngerer Kunden sei stark zurückgegangen, seitdem der amerikanische Online-Versandhändler ins deutsche beziehungsweise europäische Buchgeschäft eingestiegen ist. Schnelligkeit sei seitdem gefragt, sagt die Mitinhaberin des Buchladens, der selbstverständlich ebenfalls Bestellungen von Büchern entgegennimmt. Gewöhnlich liegen die gewünschten Bücher dann am nächsten Tag zum Abholen bereit.
Stammkunden sind entscheidend
Was den Schwestern und ihrem Geschäft über die bitteren Jahre des Kundenschwunds hinweggeholfen hat, sind die Stammkunden. Auch als jüngst wochenlang Laufkundschaft wegen der Baustelle an der Bushaltestelle ausgeblieben sei, hätten ihnen die Stammkunden die Treue gehalten. Sie kommen nicht nur aus der Gartenstadt, sondern auch aus Mundenheim, Maudach, Rheingönheim und sogar aus Mutterstadt und Oggersheim. Die weitaus meisten Stammkunden, sagt die Buchhändlerin, seien Frauen. Sie kauften eher Romane, Männer eher Sach- und Fachbücher. Ein weiterer Posten, der sich erheblich auf den Umsatz ausgewirkt hat, ist der Einbruch im Schulbuchgeschäft. „Bis vor zehn Jahren hatten wir noch viele Schulbuchbestellungen durch die Stadt“, sagt Dorothea Stahl. Mit der Einführung der Lernmittelfreiheit in Rheinland-Pfalz sind sie eingestellt worden. Nur Schulen und einige Eltern bestellen noch vereinzelt Schulbücher. Verärgert hat Dorothea Stahl daran, dass es nie eine Benachrichtigung oder ein Gespräch mit der Stadtverwaltung gegeben habe.
Antje Geis spricht von einem „bezahlten Hobby“
Auf die Zusammenarbeit mit Schulen, insbesondere mit den Grundschulen in der Stadt legt Antje Geis, die Inhaberin der Leseecke Oppau großen Wert. Seit September 2003 unterhält sie ihren Buchladen in dem nördlichen Stadtteil, seit 2003 veranstaltet sie einen Vorlesewettbewerb unter den über tausend Schülern der etwa 18 Grundschulen mit Buchpreisen und Urkunden. Der Wettbewerb habe zwar ihre Bekanntheit gesteigert, sagt sie, wozu auch Lesungen im Hof, seit vier Jahren immer im Sommer, beigetragen hätten. Aber ein vollständiger Ausgleich, so dass der Umsatz aus der Zeit vor der Einführung der Lernmittelfreiheit wieder erreicht wäre, sei ihr bis heute nicht gelungen. Als „bezahltes Hobby“ bezeichnet Antje Geis ihr Geschäft. „Ich weiß, dass ich mir mit ihm keine goldene Nase verdienen kann. Es ist nicht so, dass unsere Familie davon leben könnte.“ Ihr Mann ist bei der BASF beschäftigt, der Sohn studiert, die Tochter befindet sich in der Ausbildung. Auch Antje Geis nennt die über 90 Prozent Stammkunden und den persönlichen Bezug zu ihnen als entscheidend dafür, dass sie ihr Geschäft in der Oppauer Hinkelgasse 26 aufrechterhalten kann. Vor fünf Jahren wurde es ausgebaut und von 35 auf 70 Quadratmeter vergrößert. Die Stammkunden kommen vornehmlich aus den nördlichen Stadtteilen, aber auch aus dem nahe gelegenen Friesenheim und sogar aus Oggersheim.
Sortiment ergänzt durch Non-Books
„Nur das Buchgeschäft würde nicht reichen“, meint die Buchhändlerin. Daher verkauft sie auch Non-Books, also Geschenkartikel, Tee und Gewürze. Sie machen etwa 40 Prozent des Umsatzes aus. Als die E-Books aufkamen, habe sie Angst bekommen, gesteht Antje Geis. Inzwischen glaubt sie nicht mehr, dass das gute alte Buch völlig verschwinden wird. Aber selbstverständlich bietet sie ebenfalls Online-Handel an, und Kunden können sich sogar wie bei Amazon die bestellten Bücher nach Hause liefern lassen. „Da muss man mitgehen“, sagt sie. Und sie meint bemerkt zu haben, dass der Trend wieder zur Beratung von Angesicht zu Angesicht geht. Ein Leben ohne ihren kleinen Buchladen kann sie sich derzeit nicht vorstellen. Aber sie weiß: „Einen Nachfolger zu finden, das wird schwierig.“