Ludwigshafen Bodenständiger Star
Es ist gute Tradition, dass Volker Bengl zum Muttertag in Limburgerhof auftritt. Auch diesmal verstand es der aus Mutterstadt stammende Tenor, mit seinem Gesang und der charmanten Moderationen das Publikum im vollbesetzten Kultursaal zu begeistern. Begleitet wurde er von der Pianistin Yakoko Furokawa.
Als er sieben Jahre alt war, kauften Volker Bengls Eltern einen Plattenspieler und eine Aufnahme mit Rudolf Schock. Der kleine Volker hörte fasziniert zu und wusste von diesem Augenblick an, was er einmal werden wollte: Sänger, und zwar so einer wie Schock. Aus dem Traum des kleinen Jungen ist Wirklichkeit geworden. Bengl studierte Gesang an der Mannheimer Musikhochschule, durfte Rudolf Schock vorsingen und wurde einer seiner wenigen Schüler. Bengl machte bald Karriere, hatte Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, gab Konzerte vor großem Publikum im In- und Ausland. Nach Engagements in Saarbrücken und am Gärtnerplatztheater in München, wo er in großen Opern- und Operettenrollen zu hören war, ist er jetzt freier Künstler. Mit seinem Repertoire folgt er ganz seinem großen Vorbild: Operetten- und Filmschlager, populäre Opernarien, Volkslieder und geistliche Gesänge. Längst ist er ein Star mit großer Fangemeinde, die ihm aus Nürnberg und Hamburg bis nach Limburgerhof folgt. Das mag auch daran liegen, dass der Sänger immer bodenständig und frei von Allüren geblieben ist. In erster Linie hat er seinen Erfolg aber seiner Stimme zu verdanken: sein Tenor verfügt über viel lyrischen Schmelz und Fülle, klingt klar, unangestrengt, ohne störendes Vibrato. Klug weiß er Brust- und Kopfstimme einzusetzen, der Registerwechsel funktioniert reibungslos. Sonor und kraftvoll in der Mitte ist die Stimme, mit strahlenden, immer sicheren Höhen, nur die tiefen Lagen bleiben etwas blass. Sein Konzert in Limburgerhof begann mit Kunstliedern: dem „Ständchen“ von Brahms, „Der Musensohn“ und „Frühlingsglaube“ von Schubert, wo er sich als feinsinniger Gestalter erwies. Es folgte ein Block mit Liedern von Robert Stolz. Bei „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ konnte er das demonstrieren, was ihn auszeichnet: große ausgesungene Linie, reine Intonation, angemessene Agogik. Natürlich beherrscht Bengl auch das Feurige, rhythmisch Straffe, wie in „Ob Blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“. Das Erkennungslied von Rudolf Schock war „Ach ich hab in meinem Herzen darinnen“ aus der Oper „Schwarzer Peter“ von Norbert Schulze. Auch Bengl hat diese Arie zu einer seiner Paradenummern gemacht. Bei den großen Operettenschlagern nach der Pause war Bengl dann ganz in seinem Element. Bei „Grüß mir mein Wien“ aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ oder „Hab ein blaues Himmelbett“ von Franz Léhar ließ er die ganze Skala an Lautstärkewerten erklingen und brachte die Lieder mit viel Herzblut herüber. Glänzen konnte er auch mit dem Bravourstück der Operettentenöre, mit „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Land des Lächelns“, und mit dem „Armen Wandergesell“ aus dem „Bettelstudent“. Viel Italianitá legte Bengl in die durch Benjamino Gigli und Luciano Pavarottti popularisierte neapolitanische Canzone „Non ti scordar di me“ von Ernesto de Curtis. Am Ende gab es Bravorufe und drei Zugaben: „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben“, einer weiteren Glanznummer, dem „Wolgalied“, und das Volkslied „Kein schöner Land“, bei dem alle mitsingen durften.