Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Bob Hanning; Dompteur des jungen, aber nicht dummen Kindergartens

Engagiert: Trainer Bob Hanning (Dritter von rechts) in einer Auszeit mit seinen Potsdamer „Adlern“.
Engagiert: Trainer Bob Hanning (Dritter von rechts) in einer Auszeit mit seinen Potsdamer »Adlern«.

Er ist eine schillernde Figur in der deutschen Handballszene – und nicht nur wegen der bunten Pullover, die er so gerne anzieht. Bob Hanning ist Buchautor, ein Macher, ein Erfolgsmensch. Den 1. VfL Potsdam hat er in die Zweite Liga gecoacht, dort steht der Aufsteiger und heutige Eulen-Gegner mit „jungen Wilden“ derzeit auf Platz acht.

Die Friedrich-Ebert-Halle, in der seine Potsdamer „Adler“ am Mittwochabend um 19 Uhr in der Zweiten Bundesliga gegen die Eulen Ludwigshafen auflaufen, kennt Bob Hanning zur Genüge. Er war unter anderem als Solinger Trainer da, und natürlich auch in der Bundesliga als Geschäftsführer seiner Füchse Berlin. Ob der VfL Potsdam allerdings schon mal in der Eberthalle gespielt hat, „das kann ich tatsächlich nicht sagen“. Die Wahrscheinlichkeit sei eher gering, der 1990 gegründete Klub aus Brandenburg habe in seiner früheren Zeit wohl in der Nordstaffel der zweigeteilten Liga gespielt.

„Ich bin ein überglücklicher Trainer“, sagt der 55-Jährige, angesprochen auf die bisherige Saisonleistung seiner Mannschaft, die mit 23 Punkten auf Platz acht nur knapp hinter den Eulen (24/6.) rangiert. Die hat seit der Winterpause zwei Siege eingefahren und Mitte Dezember knapp beim Tabellenführer Balingen gewonnen. „Es macht unfassbar viel Spaß mit der jungen Mannschaft, die Jungs werden jeden Tag besser“, sagt Hanning am Montag auf dem Weg ins „Adler“-Training. „Wir sind schon ein bisschen der Kindergarten der Liga“, bemerkt er lachend dazu, dass seine Mannschaft den jüngsten Kader in der Zweiten Liga stellt. „Mit weitem Abstand!“, betont Hanning. Drei Spieler aus seiner Startsieben könnten noch A-Jugend spielen, zwei weitere Akteure sind der Jugend auch gerade erst entwachsen.

Der Mann mit den bunten Hingucker-Pullis

Die November-Delle seiner Truppe mit fünf Niederlagen relativiert der Mann, der privat ein Faible für wirklich bunte Hingucker-Pullover hat, daher auch. „Das muss bei so einem jungen Team einfach alles auch mal sacken. Das ist eine normale Entwicklung und gehört dazu“, findet er.

Die Potsdamer „Adler“ geben ihren Spielern durch Kooperationen mit anderen Klubs in der Ersten, Zweiten und Dritten Liga zudem alle Entwicklungsmöglichkeiten. Die Berliner Füchse engagieren sich auch wirtschaftlich, „und ich bin der einzige ehrenamtliche Zweitliga-Trainer, den ich kenne“, sagt Hanning. Zu Beginn der Saison war er als Coach sogar kurz in Doppelfunktion tätig, als Füchse-Trainer Jaron Siebert wegen eines Schlaganfalls ein Zeit lang ausfiel.

Mauer Zuschauerschnitt

Einziger Wermutstropfen aus seiner Sicht: „Mit den Zuschauerzahlen bei unseren Heimspielen bin ich total unzufrieden. Da haben wir echten Steigerungsbedarf.“ Die rund 900 Fans in der schmucken MBS-Arena beim Sieg gegen den Tabellen-18. HSG Konstanz am Samstag waren Balsam auf die Seele. „Da war mal eine echt gute Stimmung in der Halle, damit war ich zufrieden“, sagt Hanning. Er hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, ob er kommende Saison als VfL-Coach weitermacht, „aber es macht sehr, sehr viel Spaß hier“.

Mit dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Januar war der langjährige ehemalige DHB-Vizepräsident ebenfalls zufrieden. „Die Mannschaft hat das ordentlich gemacht, auch mit dem Sieg gegen Norwegen noch mal zum Abschluss. Die Richtung stimmt“, stellt er fest.

Wiedersehen mit Enes Keskic

Er freut sich auf den Auftritt seines Teams bei den Eulen, „einem echt sympathischen Verein, mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement“. Und auf ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Füchse-Schüler, Eulen-Linksaußen Enes Keskic. „Die Eulen gehören zu den Top 5-Teams der Liga. Das Spielergebnis wird sicher bestimmt von der Qualität und der Erfahrung der Eulen“, stellt er fest. Das Hinspiel Mitte September endete 26:26, es war der erste Saisonpunkt der Eulen. Hanning hat sich die Partie der Ludwigshafener gegen Eisenach am Sonntag angesehen. Mit seiner Mannschaft beschäftige er sich aber vor allem noch mal mit dem eigenen Konstanz-Spiel. „Die Königsinformationen zu den Eulen gibt’s dann eine halbe Stunde lang am Dienstag.“

Hanning muss am Mittwoch auf die Langzeitverletzten Maxim Orlov als Regisseur und Linkshänder Karl Roosna verzichten, Kreisläufer Joshua Thiel ist nach Bänderriss ebenso noch nicht ganz wieder fit wie sein Pendant am Kreis, Rolando Urios. Und Rückraumspieler Nils Lichtlein wird am Dienstag bei den Füchsen in der European League gebraucht. „Wir sind jung, aber nicht dumm. Wenn wir untergehen, dann mit fliegenden Fahnen. Aber Bietigheim hat kürzlich auch 59:40 Minuten lang den Sack nicht zugemacht – und dann haben wir zugeschlagen.“ Wenn die Eulen den Adlern so eine Chance lassen, werde sein Team das zu nutzen versuchen. „Sicher ist: Kampflos ergeben wir uns nicht. Das liegt nicht in meiner DNA“, versichert Hanning.

Ein bedeutende Persönlichkeit im deutschen Handball: Bob Hanning.
Ein bedeutende Persönlichkeit im deutschen Handball: Bob Hanning.
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