Frankenthal / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Bilgin will in den Bundestag: Selfie an den Kanzler nach großem Rückhalt der CDU-Kreisverbände

Jubelnde Christdemokraten nach dem deutlichen Votum für Sertac Bilgin.
Jubelnde Christdemokraten nach dem deutlichen Votum für Sertac Bilgin.

Klares Votum: Die CDU-Kreisverbände Rhein-Pfalz, Ludwigshafen und Frankenthal haben Sertac Bilgin am Freitagabend als Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 206 Ludwigshafen/Frankenthal nominiert. Der 43-Jährige erhält knapp 91 Prozent der Stimmen. Er fordert einen Politikwechsel und schickt gleich eine Botschaft an den Bundeskanzler.

„Spricht pfälzisch. Und fließend Klartext.“ So wirbt Sertac Bilgin auf seiner zehn mal 15 Zentimeter großen Visitenkarte für sich. Entschlossener Blick. Die Ärmel des Hemds hochgekrempelt. Die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt. Den Körper etwas noch vorne gebeugt. Die Finger beider Hände unterhalb der Brust zu einer Art Raute geschlossen. So sieht er sich. So sehen ihn Parteikollegen. So stellt ihn die CDU in ihr Schaufenster. Energisch, zupackend, bereit. Bereit für den Gewinn des Direktmandats.

„Ich werde Gas geben“

„Ich werde in den verbleibenden 86 Tagen von 7 bis 23 Uhr Gas geben“, verspricht Bilgin bei seiner 20-minütigen Vorstellung im Saal der Tanzschule TIF in Frankenthal. Nach seiner Nominierung werden Dutzende „Sertac 2025“-Schilder in die Höhe gehalten. In Körbchen werden Gummibärchen-Tüten und Taschentücher-Päckchen mit seinem Konterfei verteilt. Die Union inszeniert sich im Sertac-Modus. Der 43-Jährige ist der einzige Bewerber, alles ist angerichtet. Auch der Geschenkkorb zur Gratulation. Vollgepackt mit vitamin- und proteinreichem Inhalt, der dem Dannstadter Energie verleihen soll.

Noch mehr Energie? „Jetzt machen wir gemeinsam ein Selfie und schicken es nach Berlin zu Kanzler Olaf Scholz. Uffbasse, die Pfalz kummt“, ruft Bilgin in der ersten Euphorie. Von 121 möglichen Stimmen erhält er 107 – bei drei Enthaltungen und elf Nein-Stimmen. Macht 90,6 Prozent.

„Ich habe Herzrasen.“ Der erste Satz seiner Rede, erklärt er, sei nicht seiner Nervosität, sondern dem erfreulichen Umstand geschuldet, dass sich alle drei Kreisverbände in großer Geschlossenheit auf ihn geeinigt hätten. Geschlossenheit ist der Begriff, der an diesem Abend am häufigsten fällt. Jeder der drei Kreisvorsitzenden nimmt ihn mindestens einmal in den Mund. Das Verhältnis untereinander sei schon komplizierter gewesen, betonen alle die neue Einigkeit. Und der ehemalige CDU-Landesvorsitzende Christian Baldauf macht jedem, der es noch nicht weiß, klar, worum es am 23. Februar geht. „Um die Wurst.“

Sertac Bilgin mit einem Geschenkkorb, der ihm Energie verleihen soll. An seiner Seite von links: Versammlungsleiter Christian Ba
Sertac Bilgin mit einem Geschenkkorb, der ihm Energie verleihen soll. An seiner Seite von links: Versammlungsleiter Christian Baldauf, Patrick Poss (Kreisverband Rhein-Pfalz), Torbjörn Kartes (Ludwigshafen) und Martin Svoboda (Frankenthal).

Als künftigen Kanzler könne es nur einen geben: den CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz. Natürlich singt auch der Frankenthaler Jurist als souverän entertainender Versammlungsleiter mit Hang zur Belehrung zum Abschluss inbrünstig die Nationalhymne. Die Stimmung ist exzellent. Einige wenige Christdemokraten rollen später im Foyer dennoch die Augen. Zu viel Pathos. Zu dick aufgetragen. Zu viel Sertac-Hype.

Lob von allen Seiten

Bilgin – gelernter Gas- und Wasser-Installateur, examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, der in Ludwigshafen einen Pflegedienst leitet – dürfte ungeachtet dessen strotzen vor Selbstbewusstsein nach dieser Wahlkreismesse. Er kassiert Lob von allen Seiten. Ein Macher und Problemlöser sei er, hebt Patrick Poss, Vorsitzender im Kreisverband Rhein-Pfalz, den Tatendrang seines Stellvertreters und Freundes hervor.

Bilgin sei ein Mann aus dem Mittelstand, der die Fähigkeit besitze, Dinge anzupacken und umzusetzen, legt Martin Svoboda, CDU-Vorsitzender in Frankenthal, nach. Weltoffen und dennoch bodenständig. Solche Typen brauche Berlin. „Du sprichst Klartext, du hast Ecken und Kanten, dich kann man greifen, und du lässt es auch zu.“

„Es steht viel auf dem Spiel“

Baldauf adelt „de Sertatsch“ als „geraden, ehrlichen Kerl“. Johannes Zehfuß, Landtagsabgeordneter aus Böhl-Iggelheim, charakterisiert Bilgin, seit zehn Jahren sein B-Kandidat, so: „Loyal, fleißig, engagiert.“ Der Ludwigshafener CDU-Chef Torbjörn Kartes, von 2017 bis 2021 selbst Bundestagsabgeordneter, warnt Bilgin: „Es wird ein harter Kampf um dieses Direktmandat.“ Sichert ihm aber postwendend volle Rückendeckung zu: „Wir stehen an deiner Seite.“ Peter Uebel, CDU-Fraktionssprecher im Ludwigshafener Stadtrat, meint: „Es steht viel auf dem Spiel.“ Über Bilgin sagt er: „Er brennt für diese Aufgabe.“

Wurden in Frankenthal verteilt: Taschentücher-Päckchen und Gummibärchen-Tüten mit Bilgin-Konterfei.
Wurden in Frankenthal verteilt: Taschentücher-Päckchen und Gummibärchen-Tüten mit Bilgin-Konterfei.

Einig sind sich die CDU-Herren auch bei ihrer scharfen Kritik an der Berliner Ampel. Kartes bezeichnet das gescheiterte Dreierbündnis als „Schrotthaufen“, Baldauf spricht von einem „unvorstellbaren Chaos“. Uebel hat „einen Dolchstoß nach dem anderen“ beobachtet. Bilgin beklagt: Vor allem die Wirtschaft habe in der dreijährigen Regierungszeit von SPD, Grünen und FDP spürbar gelitten. Aber auch in der Gesundheits-, Migrations- und Integrationspolitik seien schwere Fehler gemacht worden.

Appell an die „CDU-Familie“

An die „CDU-Familie“ appelliert er, gemeinsam für einen Politikwechsel zu kämpfen. „Wo ich nicht bin, seid ihr. Wo ihr nicht seid, bin ich.“ Damit es keiner vergisst, erinnert Baldauf die Kompanie noch mal daran, dass es jetzt darum gehe, den Kandidaten im Wahlkreis bekanntzumachen.

In der Union hat sich Bilgin – verheiratet, drei Kinder – als unermüdlicher und verlässlicher Parteisoldat längst einen Namen gemacht. Seit 2008 ist er „aktives Mitglied“, inzwischen Integrationsbeauftragter der rheinland-pfälzischen CDU sowie Teil des Lenkungskreises Migration und Integration der Bundespartei. Er sitzt zudem im Bezirksvorstand Rheinhessen-Pfalz und im Landesvorstand.

Bilgin betont: Deutschland brauche echte Lösungen, eine bessere Zukunft, weniger Bürokratie, mehr Tatkraft, sichere Grenzen und müsse konsequent abschieben. Er fordert null Toleranz gegenüber Kriminellen. Seine Kernaussagen sind auch auf der Rückseite seiner Visitenkarte gelistet. „Wieder nach vorne“ steht rechts oben in der Ecke. Gleich neben einer schwarz-rot-goldenen Deutschlandkarte. Das Wort „vorne“ ist gefettet.

Die weiteren Bewerber im Wahlkreis

Bisher im Rennen sind neben Bilgin der Ludwigshafener „Titelverteidiger“ Christian Schreider (52, SPD), der Altriper Armin Grau (65, Grüne), der Neuhofener Stefan Scheil (61, AfD) sowie der Ludwigshafener Eric von Nagel (54, FDP). Die Partei Volt hat Burak Bagis (37, Frankenthal) aufgestellt. Da die Partei bislang nicht im Bundestag vertreten ist, muss Volt noch eine festgelegte Anzahl von Unterstützerunterschriften vorlegen, um bei der Wahl antreten zu können.

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