Mannheim
Bewegter „Dorfplatz“: Eintanzhaus lädt zu Draußen-Workout und „Silent Disco“ ein
Es ist einfach lauschig unter der Platane vor der Trinitatiskirche im Mannheimer Quadrat G4. Zumal, wenn im Sommer die benachbarte Pizzeria Salerno ihre Tische aufstellt. „Wir lieben diesen Platz und sitzen dort auch mit unseren Laptops, während um uns herum das Leben tobt“, sagt die künstlerische Leiterin Daria Holme. „Ein Kirchenvorplatz war immer schon der Ort, wo Leute geklönt und Nachbarn sich ausgetauscht haben.“ Seit das Eintanzhaus das denkmalgeschützte Bauwerk bespielt und wieder zugänglich gemacht hat, verfolgt es die „Politik der offenen Tür“. Das Team versucht, sich im Viertel zu vernetzen, macht spontane Architekturführungen für Neugierige und lässt Gastspiele draußen beginnen, um Leute hereinzulocken.
„Das wollen wir noch weitertreiben“, erklärt Holme die Dorfplatzidee, die als „mutiges Projekt“ vom Fonds Sozialkultur mitunterstützt wird und deshalb für Teilnehmende kostenlos ist. So niederschwellig wie möglich – auch aus ideellen Gründen. „Alle ziehen sich immer mehr zurück in eigene Blasen, und es gibt ein Gegeneinander. Meiner Meinung nach, weil wir gar nicht mehr auf andere treffen. Im Dorf schon: Da gibt es nur eine Kneipe, und da sitzen alle.“
Gerade der Tanz könne dabei eine besondere Begegnung ermöglichen, „weil man sich über Worte so schnell missversteht“, über Bewegung aber sofort anknüpfen kann. Und das hat beim Auftakt hervorragend funktioniert.
Taschen abgeworfen und losgelegt
Beim „EinTanzworkout“ wird samstags, 10 Uhr, die Musikanlage aufgestellt, und dann leiten Tänzerinnen und Tänzer der regionalen Szene ein einstündiges „Sport-Programm“ an, von Urban Dance über Contemporary bis African Fusion. Es ist kein Tanzkurs, und es sind keine Vorkenntnisse von Nöten, denn es gibt viele Wiederholungen, um gemeinsam die Lust an der Bewegung zu feiern. Zwischen 30 bis 50 Menschen haben den Platz gefüllt. „Manche Nachbarn gucken aus den Fenstern, dann wird hochgerufen: Kommt runter!“, erzählt Daria Holme. „Das Schönste ist, dass Leute auf dem Weg vom Markt oder zur Straßenbahn ihre Taschen abgeworfen und mitgemacht haben.“
Welche Songs hört der Nachbar?
Still, aber trotzdem kommunikativ geht es bei der „Silent Disco“ zu: Alle tragen Kopfhörer, die mit drei Playlists vorsorgt werden. Je nachdem welche man wählt, leuchten die Kopfhörer blau, gelb oder rot. „Wenn jemand rumdopst und lacht, bekommt man Lust, reinzuhören, was der andere hört. So entstehen schöne Momente“, ist Daria Holmes Erfahrung. Dabei kann man wählen zwischen „Club Sounds“ oder der bunt gemixten Musik der letzten 50 Jahre von Rock bis Hip-Hop, die beim stets ausverkauften Tanzfest 50+ gespielt wird. Für die dritte Playlist ist das Team in die Nachbarschaft ausgeschwärmt, um nach Liedern aus deren Herkunftsländern zu fragen – vom chinesischen Popsong bis zum Lied einer arabischen Interpretin.
Eingerahmt wird die Outdoor-Tanzfläche von Pflanzen und neuen Bänken, um auf dem „Dorfplatz“ einen „konsumfreien Aufenthalt“ zu ermöglichen. „Es ist schön, wenn man in der Nachbarschaft in Kontakt kommt“, meint Holme. „Und wenn es über die Bank ist, die man sich teilt.“ Alle Erfahrungen bei dem Projekt sollen schließlich bei einem Dorfplatzfest am 12. September zusammenlaufen.
Termine
- „Silent Disco“ am Freitag, 8. Mai, und 17. Juli, 18 bis etwa 21 Uhr.
- „EinTanzworkout“ samstags 10 bis 11 Uhr, regelmäßig bis Mitte Juli.