Ludwigshafen / Mannheim / Frankenthal
Bestseller der Buchhandlungen: Angela Merkels Biografie „Freiheit“ vorne dabei
Eine Mischung aus Vorbestellungen und Ladenverkauf lässt die Memoiren der Altkanzlerin im Buchladen Gartenstadt und bei Bücher Bender aus dem Stand auf Platz zwei der Liste schnellen. Mit einer durchgeplanten Werbekampagne, mit Vorabdruck und Interviews hatte der Verlag Kiepenheuer & Witsch das Geschäft zuvor befeuert. Lizenzen sind an 32 Länder verkauft. In Deutschland geht „Freiheit“ mit einer Auflage von 400.000 Exemplaren an den Start. Am ersten Tag, am 26. November, wurden 35.000 gekauft. Der Absatz ist vergleichbar mit Prinz Harrys Enthüllungsbuch „Reserve“, das am ersten Tag 40.000-mal gekauft wurde.
An Deutschlands Bestseller-Krösus Sebastian Fitzek reicht diese Menge freilich bei weitem nicht heran. Fitzeks jüngster, bei Droemer erschienener Thriller „Das Kalendermädchen“ ging am 23. Oktober, dem ersten Verkaufstag, nach Angaben von Media Control über 80.000-mal über den Ladentisch. Seitdem sind von ihm bis Ende November 360.000 Exemplare verkauft worden. Doch Angela Merkel ist bekanntlich zäh. 16 Jahre Kanzlerschaft, Helmut Kohls Rekordamtszeit nur um neun Tage verfehlt! Deshalb bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage entwickeln wird.
Der Stil, das ist der Mensch
Angela Merkel ist aber nicht nur zäh, sie ist auch vorsichtig. Das hat sie in ihrer politischen Karriere immer wieder bewiesen. Der Stil, das ist eben der Mensch. Deswegen ist es sehr erstaunlich, dass von ihren Memoiren jetzt etliche Publizisten enttäuscht sind. Sie enthielten keine Neuigkeiten, erst recht keine Enthüllungen, heißt es. Politische Weggefährten wie die von ihr beiseite geschobenen CDU-Parteifreunde Friedrich Merz oder Norbert Röttgen werden erleichtert sein, dass sie in ihren Erinnerungen so knapp und gut wegkommen. Am erleichtertsten aber dürfte wohl ihr Intimfeind Horst Seehofer sein, der frühere CSU-Chef und Innenminister zur Zeit der Flüchtlingskrise 2015. Der jetzt 75-Jährige hatte nämlich schon angekündigt, gegebenenfalls selbst ein Buch zu schreiben, um Merkels Darstellung zurechtzurücken. Seiner Verzichterklärung nach der Lektüre ihres Buches fügte er hinzu: „Mir reicht, dass mir viele Leute sagen: Sie haben damals recht gehabt.“
So hat eben jeder seine Sicht auf ihre Jahre im Kanzleramt, und nicht das geringste Motiv für einen Politiker, seine Memoiren zu schreiben, dürfte es sein, die Deutungshoheit zu behalten und seine Sicht auf die Dinge möglichst noch in der Erinnerung dereinstiger Historiker durchzusetzen. Merkel gibt das auch unumwunden zu, wenn sie im Vorwort des gemeinsam mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann verfassten Buches schreibt, sie habe die „Schilderung und Interpretation nicht allein anderen überlassen“ wollen.
Verteidigungsschrift gegen Angriffe
Interpretationen sind eben nie alternativlos. Merkel im Ruhestand ist mit ihren Memoiren immer noch in den Betrieb verstrickt, denn in gewisser Weise sind ihre Erinnerungen eine Verteidigungsschrift gegen die Angriffe, denen sie ihr politisches Vermächtnis so bald nach ihrem Rückzug vom Amt ausgesetzt sieht. Das betrifft neben der Flüchtlingspolitik („Wir schaffen das!“) insbesondere ihre Russlandpolitik, in der sie offenbar wirtschaftliche Interessen der Energieversorgung (Nord Stream 2) über politische Bedenken gestellt hat. Der Augen-zu-und-durch-Politik gegenüber dem russischen Diktator Putin hatte freilich schon der jetzige Bundespräsident und frühere SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Absolution erteilt, indem er seiner ehemaligen Chefin vor anderthalb Jahren den höchsten deutschen Verdienstorden verlieh und mit dieser Geste die in der Koalition gemeinsam betriebene Politik von höchster Stelle noch nachträglich absegnete.
Der heilige Augustinus schreibt irgendwo, wenn man einen Fehler gemacht habe, solle man ihn an die große Glocke hängen und ihn die ganze Welt wissen lassen; wenn man dagegen eine gute, barmherzige Tat begangen habe, solle man schweigen und sie für sich behalten. Eine solche Einstellung passt selbstverständlich nicht nur nicht in die heutige auf Werbung angewiesene Wirtschaft und Mediengesellschaft. Sie ist überdies schon im Privatleben gefährlich, im Haifischbecken der großen Politik kann sie ruinös sein.
Nun ist Angela Merkel zugute zu halten, dass ihr Selbstglorifizierung fernliegt. Mehr Selbstkritik als in dem Buch übte sie aber wohl bei der persönlichen Buchvorstellung im Deutschen Theater, als sie Versäumnisse beim Klimaschutz, bei der Digitalisierung und bei der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr einräumte. Heute würde man sagen, sie habe eine pragmatische Politik betrieben, die auf Umstände und Mehrheiten reagiert habe. Spätere Historiker könnten das Urteil fällen, sie habe eine Politik des routinierten Machterhalts betrieben – ohne Ecken und Kanten, vor allem aber frei von Visionen.
Die Kriminalistin Merkel
Der vierte Band in David Safiers humoristischer Krimireihe um „Miss Merkel“ hat das Glück, im Kielwasser der Memoiren zu schippern, und hat so in der Buchhandlung Frank in Limburgerhof viele Leser gefunden. In „Mord in der Therapie“ wird ihr beim Schreiben der Autobiografie klar, dass sie Deutschland nach 16 Jahren „nicht tiptop“ hinterlassen hat, wie sich die Altkanzlerin selbst bei der persönlichen Vorstellung ihrer Memoiren ausdrückte. Ihr Mann Achim rät ihr zu einer Therapie, aber gleich nach der ersten Sitzung fliegt ihr Psychologe mit seinem Hausboot in die Luft. Ein Fall für David Safiers erfundene Kriminalistin Merkel.
Martina Hefter, erst im Oktober mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, belegt mit „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ weiterhin vordere Plätze, und Carsten Henns „Der Buchspazierer“ verhilft die Verfilmung zu vielen Lesern.
Joachim Meyerhoff ist mit der Fortsetzung seiner halb autobiografischen, halb fiktiven Romanserie auf dem Weg zu weiteren Verkaufserfolgen. „Man kann auch in die Höhe fallen“, der mittlerweile sechste Teil der Reihe „Alle Toten fliegen hoch“, ist „eine radikale Selbstentblößung“, wie Udo Schöpfer in seiner Besprechung in der RHEINPFALZ schrieb, vor allem aber ist er eine liebevolle Hommage an seine verstorbene Mutter. Durchsetzt ist diese Liebeserklärung von oft heiteren, zum Schmunzeln bringenden Erzählungen des Schauspielers von seiner Arbeit. Einhellig sind die Rezensenten entzückt von dem Stilisten Joachim Meyerhoff.
Lesetipp
Alina Bronsky: Pi mal Daumen
Danny Reinhard von der Thalia-Filiale in der Ludwigshafener Rheingalerie empfiehlt Alina Bronskys „Pi mal Daumen“. Mit einer Unmenge an fiesem und vor Klischees triefendem Humor schildert Alina Bronsky die Begegnung zwischen dem autistisch anmutenden Elitensprössling Oscar („Graf von Ebersdorff“) und Moni, der mehrfachen Großmutter aus der Sozialsiedlung. Die beiden bilden ein extrem gegensätzliches Duo, zunächst nur verbunden durch ihr Außenseitertum in der eigentümlichen Situation eines Mathematikstudiums. Der eine hat sein ganzes Leben auf Zahlen und Formeln zugeschnitten, sehnt sich nach Ruhm und Anerkennung. Sie ist extrem fürsorglich, total überlastet und will einfach nur bestehen. Mit der Zeit entwickelt sich eine eigenartige und doch innige Freundschaft. „Diesen Weg durch die entwaffnend weltfremden Augen des Studenten Oscar zu erleben, ist hochgradig unterhaltsam“, sagt Danny Reinhard. „Ein Buch, das ganz auf seine schrägen Hauptcharaktere zugeschnitten ist, und meine Empfehlung an alle, die Mathe mögen und alle anderen auch. Mein Lieblingsbuch 2024!“ In der Buchhandlung Frank steht es schon auf der Bestsellerliste.
Bestsellerlisten
Buchladen Gartenstadt
1. Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
2. Angela Merkel: Freiheit. Erinnerungen 1954-2021
3. Elke Heidenreich: Altern
4. Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie
5. Andreas Gruber: Todesspur
Leseecke Oppau
1. Volker Kutscher: Rath
2. Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
3. Frank Schätzing: Helden
4. Michael Gärtner: Advent an der Kaffeemaschine
5. Martina Hefter: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Thalia in der Rheingalerie
1. Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
2. Christian Habekost: Asterix als Palatinator
3. Freida McFadden: Sie wird dich finden
4. Marie Niehoff: Burning Crown
5. Carsten Henn: Der Buchspazierer
Thalia Frankenthal
1. Christian Habekost: Asterix als Palatinator
2. Carsten Henn: Der Buchspazierer
3. Charles M. Schulz: Advent mit den Peanuts
4. Marc Uwe Kling: Das Neinhorn und der Geburtstag
5. Caroline Wahl: 22 Bahnen
Buchhandlung Frank
1. Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
2. Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen
3. Martina Hefter: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
4. David Safier: Miss Merkel. Mord in der Therapie
5. Alina Bronsky: Pi mal Daumen
Bücher Bender, Mannheim
1. Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen
2. Angela Merkel: Freiheit. Erinnerungen 1954-2021
3. Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten
4. Martina Hefter: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
5. Annette Kehnel: Die sieben Todsünden
Thalia auf den Planken
1. Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
2. Freida McFadden: Sie wird dich finden
3. Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen
4. Lucinda Riley: Das Mädchen aus Yorkshire
5. Martina Hefter: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
