Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Berliner Platz: Rathaus-Deal ist eingetütet

Baustelle am „Loch“: Am Berliner Platz wirbt ein großes Plakat für die „Palatineo“-Pläne.
Baustelle am »Loch«: Am Berliner Platz wirbt ein großes Plakat für die »Palatineo«-Pläne.

Das zentrale Rathaus wird in den am Berliner Platz geplanten Gebäude-Komplex „Palatineo“ einziehen. Nach RHEINPFALZ-Informationen ist der Vertrag unter Dach und Fach.

Es war ein zäher Verhandlungsmarathon. Kürzlich hatte der Kopf der Freiburger Unmüßig-Gruppe der Stadt sogar ein Ultimatum gestellt. Bis Ende Mai sollte sie sich entscheiden, ob sie ihren zentralen Rathausstandort in den oberen „Palatineo“-Etagen ansiedeln will. „Ansonsten werden wir andere Pläne verfolgen“, kündigte Hans-Peter Unmüßig, Chef der Freiburger Unmüßig-Gruppe, an. Der Deal drohte zu scheitern. Nun haben sich beide Parteien offenbar doch noch geeinigt. Sollte der Stadtrat bei seiner Sitzung am 22. Juni dem Vertragswerk im nicht-öffentlichen Teil zustimmen, ist die Kuh vom Eis.

Baugenehmigung liegt vor

Am Ende war es eine schwere Geburt: Der Grundsatzbeschluss des Stadtrats für ein zentrales Rathaus am Berliner Platz steht nämlich bereits seit über einem Jahr. Demnach soll die Stadt – falls die Konditionen stimmen – möglichst die sechs oberen der insgesamt sieben Stockwerke des von Unmüßig für 70 Millionen Euro am Berliner Platz geplanten „Palatineo“-Komplexes beziehen (9660 Quadratmeter Nutzfläche). Es soll die jahrelange Baugrube, „Loch“ genannt, schließen. Die Baugenehmigung liegt bereits seit Ende August vor.

Flächen im Unter- und Erdgeschoss seien bereits vermietet, sagte Unmüßig: an die Supermarktkette Rewe, an die Drogeriemarktkette „dm“ sowie an Bäcker Görtz, der dort ein Bäckerei-Café eröffnen will. Auch einen Restaurantbetreiber habe er an der Angel, versicherte der Mittsiebziger.

Reges Interesse, etwa von Softwarefirmen oder Rechtsanwälten, gebe es auch an Büros in den oberen Stockwerken – sollte die Stadt einen Rückzieher machen. Für sein Unternehmen gehe es vor dem Baustart ganz konkret darum, ob am Berliner Platz ein eher monostrukturelles Haus für eine Verwaltung oder alternativ ein „Multi-Tenant-Gebäude“ entstehen soll, also eine gewerbliche Immobilie, die gleichzeitig von mehreren unabhängigen Mietern genutzt wird. „Für mich ist die Deadline Ende Mai“, sagte Investor Unmüßig in Richtung Stadtspitze. „Dann muss klar sein, ob es links oder rechts rum geht.“

Elf Jahre nach dem Abriss der »Totenschachtel« entstellt eine hässliche Baugrube immer noch den Berliner Platz.
Elf Jahre nach dem Abriss der „Totenschachtel“ entstellt eine hässliche Baugrube immer noch den Berliner Platz.
OB Klaus Blettner
OB Klaus Blettner
Investor Hans-Peter Unmüßig am Bauzaun der »Palatineo«-Baustelle.
Investor Hans-Peter Unmüßig am Bauzaun der „Palatineo“-Baustelle.
Klinkeroptik: Entwurf für den »Palatineo«-Eingangsbereich.
Klinkeroptik: Entwurf für den „Palatineo“-Eingangsbereich.
Architekt Max Dudler.
Architekt Max Dudler.
Baustelle für die »Ludwigstürme«.
Baustelle für die „Ludwigstürme“.

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Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) stellte daraufhin klar, dass der Berliner Platz zwar der richtige Standort für ein zentrales Rathaus sei, aber nicht um jeden Preis. Erpressen lasse man sich nicht. „Wir stehen in finalen Verhandlungen“, betonte er stets. Der erste Vertragsentwurf war für ihn „sehr, sehr vermieterfreundlich“. Was er damit meinte, sind nicht unbedingt die von Unmüßig ab 2029 geforderten monatlichen Mietkosten von knapp 300.000 Euro, sondern etwa die vom Investor gewünschte Laufzeit des Mietvertrags von 30 Jahren bis 2059. Unterm Strich würde das Gesamtpaket die Stadt in diesem Fall gut 100 Millionen Euro kosten.

Nachverhandlungen gefordert

Damit waren weder Blettner noch die Fraktionen im Stadtrat einverstanden, die Nachverhandlungen forderten. „Das wurde mit heißer Nadel gestrickt, da gibt es noch viele offene Fragen und Klärungsbedarf“, begründete CDU-Fraktionschef Peter Uebel seine Einwände. „Eine seriöse Prüfung ist so kurzfristig nicht möglich“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzende Julia May, warum eine vorentscheidende Sitzung des Bau- und Grundstücksausschusses verschoben werden musste. „Die absolute Miete ist das eine. Die viel wichtigeren Parameter sind Mietdynamik und Laufzeit. Da sind wir auf einem guten Weg. Uns allen ist bewusst: Wir müssen sorgsam wirtschaften“, sagte Blettner. Unmüßig indes hielt dagegen: „Wir brauchen eine Laufzeit von 30 Jahren, sonst finanziert uns das keine Bank. Wir können das Gebäude ja nicht schon nach 20 Jahren einfach wieder umbauen.“ Nun hat er wohl doch eingelenkt. Eine Anfrage dazu ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Quadratmeterpreis bei rund 20 Euro

Blettner sagte auf Anfrage, dass der Vertrag stehe und entscheidende Vorteile für die Stadt herausgehandelt worden seien. Details wollte er mit Blick auf die anstehende Stadtratssitzung nicht nennen. Nach RHEINPFALZ-Informationen sind es vor allem zwei Punkte, die sich gegenüber dem ursprünglichen Kontrakt verändert haben. Die Laufzeit für den Mietvertrag ist auf 20 Jahre begrenzt, und Unmüßig darf das Gebäude erst dann verkaufen, wenn es an die Stadt übergeben worden ist, also nicht vor 2029/30. Der Quadratmeterpreis für die Miete soll bei rund 20 Euro liegen.

Ankerhof als „Gasse der Zukunft“

Die Unmüßig-Gruppe bleibt also ein Faktor für Ludwigshafen. Der vom Schweizer Star-Architekten Max Dudler stammende Entwurf für das „Palatineo“ sieht drei abgestufte Flügel mit einmal fünf, einmal sechs und einmal sieben Stockwerken vor, die sich zum Berliner Platz hin öffnen und einen großen Innenhof mit begrünter Fassade umschließen sollen. Anders als der vormalige Investor Günther Tetzner (Timon-Bau, Ettlingen) will der Freiburger Investor ein Ensemble entwickeln, „das sich gut in die Umgebung einfügt und sich deren Architektur anpasst“: maximal sieben statt 20 Etagen, nur 12.000 statt 25.000 Quadratmeter Nutzfläche, Klinkerfassade statt Glasoptik. „Ein Glashaus kann man in Frankfurt bauen, nicht in Ludwigshafen. Hier gibt es eine andere städtebauliche Grundidee“, betont Hans-Peter Unmüßig. Gastronomie und Einzelhandel sollen die Erdgeschosslagen dominieren. Die Passage zum Ankerhof soll zur „Gasse der Zukunft“, das Areal am Haupteingang zum „Platz der Begegnung“ werden.

580 Arbeitsplätze in den „Ludwigstürmen“

Das Freiburger Unternehmen (100 Mitarbeiter, davon 50 in der Projektentwicklung) hat bereits das ehemalige Postbankgebäude im Technologiepark gekauft. In den sogenannten Ludwigstürmen, nach dem Abriss des alten Rathauses der stadtweit zweite neue Standort in der Ernst-Boehe-Straße, sollen 580 moderne Arbeitsplätze für 830 Verwaltungsmitarbeiter entstehen. Mit einer Laufzeit von 20 Jahren hat die Stadt die Türme gemietet – zu einem wesentlich günstigeren Quadratmeterpreis als am Berliner Platz. In das Gebäude – 16.000 Quadratmeter Bürofläche, verteilt auf acht Etagen – sollen die ersten Mitarbeiter ab Herbst bis Ende 2027 einziehen.

Umzugskosten: 910.000 Euro

Der Umbau läuft auf Hochtouren. Die Kosten für den Umzug belaufen sich laut Verwaltung auf 910.000 Euro. 425.000 Euro sind fürs Umzugsmanagement fällig, 390.000 Euro für Speditions- und Umzugsleistungen, 95.000 Euro für ein Leit- und Orientierungssystem, denn vor allem im Erdgeschoss, wo die Kfz-Zulassung einziehen soll, wird mit viel Publikumsverkehr gerechnet. Dienststellen der Verwaltung, die bisher über das Stadtgebiet verteilt sind, sollen dort gebündelt, Ideen aus dem Modernisierungsprojekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ möglichst eins zu eins umgesetzt werden. Die dreifingrige Struktur des Gebäudes mit einer Grundfläche von 24.000 Quadratmetern sowie die 3,40 Meter hohen Decken seien ideal für einen luftigen, modernen Verwaltungskomplex, sagt Timo Strunk, Bereichsleiter Projektentwicklung bei Unmüßig.

300 Pkw-Parkplätze geplant

Auf der Rückseite des Hauses, das komplett entkernt wird, sollen 300 Pkw-Parkplätze samt E-Ladesäulen entstehen, auf den Dächern möglichst viele Photovoltaikanlagen platziert, der Fokus überall auf Energieeffizienz gelegt, 600 Fenster und etliche zu schmale Türen ausgetauscht werden – auch wegen strenger Brandschutzauflagen. Sogenannte Open-Office-Arbeitsplätze und lounge-ähnliche Konferenzstationen sollen neben Einzelbüros eine angenehme Atmosphäre schaffen. Auch an Duschen sei gedacht.

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