Waldsee / Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bei einer Kontrolle der Polizei dabei: Von Temposündern, Gurtmuffeln und Exoten

Wer sein Knöllchen vor Ort bezahlt, bekommt einen entsprechenden Beleg.
Wer sein Knöllchen vor Ort bezahlt, bekommt einen entsprechenden Beleg.

Wer diese Woche in eine Verkehrskontrolle gerät, muss sich nicht grämen. Die Polizei in Schifferstadt ist mitten in einer Verkehrssicherheitswoche. Ein Besuch vor Ort.

Es ist kurz vor 10 Uhr, und am Kontrollpunkt, den die Beamten der Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt in der Neuhofener Straße in Waldsee aufgebaut haben, ist schon ein bisschen was los. Ein paar Autos stehen da, die Fahrer werden zur Kasse gebeten. Einmal pro Halbjahr veranstaltet die PI eine Verkehrssicherheitswoche. Das Ziel: Unfallschwerpunkte sollen reduziert werden.

Entsprechend schauen die Beamten nicht nur nach Geschwindigkeitsverstößen. Handy am Ohr, Gurt nicht angelegt, Warndreieck und oder Verbandskasten nicht dabei – klingt nach Klassikern, aber die sind halt immer wieder aktuell.

Thilmann: Tempo 50 für viele optional

Die Kontrollstelle in Waldsee ist nun kein klassischer Unfallschwerpunkt, meint Polizeikommissar Daniel Thilmann, der das Team vor Ort leitet. Aber die L533 führt ein paar Meter weiter am Ort vorbei, wo außerhalb des Orts nur 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, dazu kommen der Kreisel am Ortseingang sowie die Zufahrt zum Supermarkt.

Wunderbar: Verbandskasten, Warndreieck und noch vieles mehr sind im Kofferraum.
Wunderbar: Verbandskasten, Warndreieck und noch vieles mehr sind im Kofferraum.

„Tempo 50 ist für viele hier leider optional“, sagt Thilmann und lächelt. Das soll sich im Lauf der Kontrolle leider bestätigen. Zwar sind es in der Regel keine krassen Geschwindigkeitsüberschreitungen – der schnellste während des RHEINPFALZ-Besuchs wird mit 77 gelasert –, aber immer wieder holen die Beamten aus dem Kleinbus das Lesegerät für die EC-Karten, damit die Fahrer gleich vor Ort das Knöllchen bezahlen können.

Erste Kontrolle überhaupt für eine Mercedes-Fahrerin

Wie zum Beispiel bei der Fahrerin eines Mercedes-SUV. „Sie sind da hinten mit 62 gemessen worden. Erlaubt sind 50. Das kann passieren, geht schnell“, meint einer der Beamten und fordert Führer- und Fahrzeugschein von der Dame. „Das ist die erste Kontrolle in meinem Leben“, sagt sie und lacht. Sie sei oft hier unterwegs, sei mit der Tochter gerade beim Arzt gewesen. Erschrocken sei sie nicht, als sie herausgewunken wurde: „Ich habe mich gewundert.“

Für die Polizisten gehören solche Kontrollen zum Alltag. Für die Autofahrer eher nicht. Neugierige Blicke sind daher fast schon garantiert, egal, ob man auf vier oder zwei Rädern, oder gar zu Fuß unterwegs ist. Der Ton zwischen der Polizei und den Verkehrsteilnehmern ist in der Regel entspannt. „Viele sind froh und dankbar, dass wir kontrollieren“, sagt Thilmann.

Zu schnell und Tüv abgelaufen

Worauf die Beamten auch achten: Bis Ende Februar waren die Versicherungskennzeichen an Rollern oder E-Skootern grün, doch seit 1. März müssen sie schwarz sein. In Waldsee gibt es in dieser Hinsicht keinen Grund zur Klage. Sowohl ein Roller als auch eine Ape haben gültige Kennzeichen montiert.

Top: Auch die Warnweste kann dieser Autofahrer vorzeigen.
Top: Auch die Warnweste kann dieser Autofahrer vorzeigen.

Der nächste Temposünder ist wieder ein Mercedes, diesmal eine A-Klasse. Und der Tüv ist auch noch fällig. Aber die Toleranzfrist läuft noch. Also keine Panik. „Das hatte ich echt nicht auf dem Zettel“, sagt der Fahrer dankbar in Richtung der Beamten. „Ich bin Kurierfahrer, seit 30 Jahren auf der Straße unterwegs. Normalerweise sehe ich sowas“, erzählt er.

Die Stimmung sei in der Regel gelassen, berichtet Daniel Thilmann. Fluchtversuche seien wirklich eine Seltenheit. „Aber das hatten wir auch schon. Über die Kennzeichen kommen wir dann aber trotzdem an die Halter.“ Das Missachten der „Zeichenweisung durch Polizeibeamte“ sei da noch nicht mal so teuer. Komme es aber zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs bewege man sich im Bereich einer Straftat.

Kontrolle sorgt für Gesprächsstoff

Die Kontrolle sorgt derweil bei zwei Autofahrern, die sich bei einem gegenüberliegenden Geschäft begegnen, für Gesprächsstoff, der lautstark von Fahrerfenster zu Fahrerfenster ausgetauscht wird. Währenddessen rollt ein Exot zur Kontrolle: ein Traktor. Der Fahrer hat während der Fahrt auf dem Smartphone getippt. Das kostet 100 Euro. Darum kümmert sich die Bußgeldstelle. Deutsch spricht der Mann allerdings nur gebrochen. „Aber er hat einen deutschen Wohnsitz. Das erleichtert alles. Er bekommt in ein paar Tagen Post“, sagt Polizeioberkommissarin Kerstin Trauth.

Polizeikommissar David Volkmer im Gespräch mit einem Temposünder.
Polizeikommissar David Volkmer im Gespräch mit einem Temposünder.

In einem Transporter sitzen sechs Männer. „Hinten links, grüner Pulli, ist nicht angeschnallt“, kommt die Durchsage über Funk. Bei den Männern werden auch gleich die Personalien überprüft: Liegt etwas gegen sie vor? Ist gar ein Haftbefehl noch offen? Die Truppe muss sich ein bisschen gedulden.

Der Fahrer eines VW Caddy parkt sein Fahrzeug dahinter. Er ist mit 66 Kilometern pro Stunde gelasert worden. Sein Handy klingelt. „Ich kann gerade nicht, bin in einer Kontrolle.“ Die Beamten nehmen es mit Humor.

Beim Sextett im Transporter ist Geduld gefragt

Die Anfrage wegen der sechs Männer im Transporter läuft noch. Der Fahrer schaut neugierig aus dem Fenster zu den anderen Fahrzeugen, die kontrolliert werden. Etwa der BMW, bei dem die Fahrerin nicht angeschnallt war.

Ausnahmen gibt’s keine. Auch nicht für den Fahrer eines Transporters, der es mit Charme versucht, sich rauszureden. Aber in Sachen Ausreden macht den Beamten keiner was vor, zumal die Ausreden in der Regel auch schlecht seien. Wer in Eile ist, könne oft den Arzt nicht nennen, zu dem er so dringend muss. Und wer nicht angegurtet ist, ist selten die genannten „nur zwei Meter“ unterwegs.

Der Gurtverstoß bleibt hängen. Ansonsten liegt nichts gegen die Männer im Transporter vor.
Der Gurtverstoß bleibt hängen. Ansonsten liegt nichts gegen die Männer im Transporter vor.

Die Überprüfung des Sextetts im Transporter zieht sich in die Länge. Die Überprüfung müssen die Kollegen in Schifferstadt machen. Die Technik hat ihre Tücken. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, dass solche Abfragen gleich vor Ort erledigt werden könnten. Polizeikommissar David Volkmer geht zu dem Fahrer, bittet um Verständnis. Nach einer halben Stunde sind die sechs Personen überprüft und dürfen weiterfahren.

Für Daniel Thilmann und seine Crew ist der Tag noch nicht beendet. Eine zweite Kontrolle steht nach der Mittagspause noch an. Wo? „Das steht noch nicht fest.“

x