Ludwigshafen
Beeindruckende Jahreskonzerte mit den Helden des Bosch-Gymnasiums
Wann wurde Ludwig van Beethoven zuletzt von Teenagern als „musikalischer Superheld“ bezeichnet, so wie es zwei Schülerinnen des Carl-Bosch-Gymnasiums zu Beginn des Konzerts am Freitag machen? Trotz Fußball-Konkurrenzveranstaltung herrscht in der Friedrich-Ebert-Halle aufgeregte Vorfreude. Das mit den meisten Schülern besetzte Sinfonieorchester eröffnet mit Beethovens Fidelio-Ouvertüre, die durch ihre expressive Art den Freiheits- und Kampfdrang des Komponisten zeigt, genau das, was Helden ausmacht.
Wochenlange Proben vorab
Die Eltern der Schüler sind „Hauptsponsoren“ und Helden der Unterstützung. Die dirigierenden, Klavier spielenden, die Technik leitenden und das Bühnengeschehen koordinierenden Lehrer sind die Helden aus dem Kollegium. Und all die Instrumente spielenden, im Chor oder Solo singenden, rappenden, tanzenden, die Technik steuernden und Kamera haltenden Schüler sind die besonderen Helden des Abends.
In den vergangenen zwei Wochen haben sie täglich viele Stunden lang geprobt, um an drei Konzertabenden vor Hunderten von Zuschauern zu glänzen. Unerschrockenheit und heldenhaftes Durchhaltevermögen steigerten ihren Zusammenhalt untereinander und sorgten für eine Top-Show, bei der jeder Schüler von der fünften Klasse bis weit über die Schulzeit hinaus auf dem Bühnenparkett über sich hinaus wuchs – und damit zum Held wurde.
Um erfolgreich durch ein Konzert mit sechs groß besetzten Orchestern, zwei Chören und 20 Tänzern zu führen, bedarf es flüssiger Übergänge zwischen den Auftritten. Und die beherrscht das Carl-Bosch-Gymnasium auf beeindruckende Art und Weise. Eingespielte Umbaumechanismen laufen reibungslos, Schüler schummeln sich rechtzeitig aus ihrer Gruppe, um bei einer weiteren mitzumachen, der Dirigent springt von seinem Podest und rennt zwischen den Zuschauern zum Technikpult.
Geschichten zur Musik
Genauso rund wie die Organisation ist das Storytelling des Konzerts. Neben Klängen zu „Mythen und Legenden“ – so das Motto des Konzerts – aus der Antike wie zu Perseus oder aus Hollywood wie zu James Bond wird auch eine persönliche Heldengeschichte erzählt. Lehrer Severin Geissler singt nach langer krankheitsbedingter Abwesenheit den Herkules-Song „Go the Distance“ wie einen Befreiungsschlag. Sein Sinfonisches Blasorchester begleitet ihn. Das bringt die Halle zum Beben. Die Wertschätzung, die Lehrer und Schüler auf und hinter der Bühne füreinander zeigen, berührt und begeistert.
Begeistert sind die Zuschauer auch von dem Umgang mit kleinen technischen Schwierigkeiten, etwa wenn eine der „Handgurken“, wie Jahreskonzert-Leiter Joachim Schall die Handmikrofone nennt, nicht funktionieren. Die Inszenierung sitzt: Kostüme und Licht sind auf die Musik und aufeinander angepasst, alle Stücke eingeprobt. Dabei werden die Schüler von vielen Ehemaligen tatkräftig unterstützt, obwohl manche „eigentlich für ihre Uni-Klausuren lernen sollten“, wie Schall leicht tadelnd bemerkt.
Meeresrauschen und Donner
Der besonderen Bühnenatmosphäre kann man sich selbst als Außerstehender kaum entziehen. Sinfonische Streich- und Blasorchester, aber auch kleinere Gruppen wie die peppige Big Band präsentieren Stücke mit mitreißender Energie – einmal sogar verstärkt durch Sound-Effekte wie Meerausschauen und Donnerhall.
Ab dem Moment, in dem Orchester, Gesang und Tanz miteinander verknüpft und auch die beiden Seitenbühnen bespielt werden, beginnt ein choreografiertes Bühnendurcheinander, das einem Schulkonzert in der Turnhalle nicht ferner sein könnte. Um all das in seinen ganzen Facetten zu erleben, müsste man das Konzert glatt zweimal besuchen.