Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Bayreuther Straße: Flüchtlinge ziehen in neues Containerdorf ein

Die Vorbereitungen für den Einzug der ersten Bewohner laufen noch auf Hochtouren. Nächste Woche soll alles fertig sein.
Die Vorbereitungen für den Einzug der ersten Bewohner laufen noch auf Hochtouren. Nächste Woche soll alles fertig sein.

Mitte nächster Woche ziehen die ersten 80 Flüchtlinge in ein Containerdorf an der Bayreuther Straße sein. Vorab hat die Sozialdezernentin zu einem Rundgang durch den Neubau eingeladen und erläutert, warum die Häuser für bis zu 450 Menschen nötig sind, aber in spätestens drei Jahren wieder verschwinden sollen.

Noch ist die ehemalige Ackerfläche, auf der in den vergangenen fünf Monaten vier dreigeschossige Gebäude aus Containermodulen errichtet wurden, eine Baustelle. Viele Fahrzeuge sind auf dem umzäunten Areal unterwegs. Während am Dienstagmorgen zahlreiche Medienvertreter am Eingangstor auf den Start eines Presserundgangs warten, fahren mehrere Kastenwagen der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) und einige Laster auf das Gelände. Auf dem Weg zu den neuen Unterkünften ist wegen des regen Betriebs noch große Vorsicht angesagt.

Die Flachdachhäuser seien alle gleich angelegt, erläutert wenig später Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) in einem der Flure, von dem verschiedene Zimmer abgehen. Die einzelnen Containermodule sind jeweils rund 14 Quadratmeter groß und dienen wahlweise als Wohnraum für bis zu drei Personen, Küche, Duschbad oder WC. Die Gemeinschaftsräume sind doppelt so groß wie die anderen Zimmer, denn sie bestehen aus zwei Modulen ohne Trennwand. Die Wohnräume sind mit je drei Betten und ebenso vielen abschließbaren Metallschränken möbliert. Sowohl Familien als auch Einzelpersonen sollen hier künftig einquartiert werden.

Besonderes Baurecht

Das Containerdorf an der Bayreuther Straße, die bisher größte Unterkunft für Geflüchtete in Ludwigshafen, soll mindestens zwei Jahre, längstens aber drei Jahre bestehen bleiben. Denn die Errichtung auf einer städtischen Ackerfläche binnen weniger Monate war nur möglich, weil für solche Projekte wegen der Flüchtlingskrise ein besonderes Baurecht geschaffen worden sei, so Steeg. In den benachbarten Notwohngebieten müsse sich die Stadt dagegen an andere Regeln halten, betont sie. Die Verwaltung sei parallel weiter auf der Suche nach geeigneten Standorten für neue Unterkünfte. Die geschätzten Kosten für zwei Jahre liegen laut Rainer Bernhard vom Gebäudemanagement der Stadt bei rund 11,6 Millionen Euro. In dieser Summe enthalten sind unter anderem die Vorbereitung des Geländes, Aufbau und Miete der Gebäude und die Betriebskosten.

Sozialdezernentin Beate Steeg (rechts) und Gebäudemanager Rainer Bernhard (Zweiter von rechts) informieren Medienvertreter über
Sozialdezernentin Beate Steeg (rechts) und Gebäudemanager Rainer Bernhard (Zweiter von rechts) informieren Medienvertreter über die Pläne der Verwaltung.

Der Vorteil der neuen Unterkunft in direkter Nachbarschaft zum Notwohngebiet in West sei, dass die Menschen hier künftig in Zimmern und nicht in sogenannten Kojen untergebracht werden könnten, erklärt die Sozialdezernentin. Diese nur notdürftig abgetrennten Bereiche gibt es sowohl in der vorübergehenden Innenstadt-Notunterkunft in der Walzmühle als auch in zwei Hallen in der Wollstraße in West. Steeg zufolge läuft der Mietvertrag der Stadt mit dem Eigentümer der Walzmühle noch bis Ende September. „Diesen Vertrag wollen wir auch nicht mehr verlängern“, betont sie. Die Bewohner sollen schon bis Ende August in die neuen Häuser in der Bayreuther Straße umziehen. Im September soll dann noch die Einrichtung der Walzmühle zurückgebaut werden, damit der Eigentümer dann seine Pläne für ein neues Nahversorgungszentrum in der City verwirklichen kann.

Keine Vollbelegung vorgesehen

Parallel zur Errichtung des Containerdorfs seien auch die Unterkünfte für Geflüchtete in der Wollstraße in West erweitert worden, wie die Dezernentin weiter berichtet. Hier gibt es neben den genannten Hallen noch zwei Punkthäuser sowie zwei Containergebäude. Insgesamt leben in diesem Quartier derzeit 410 Geflüchtete. Die Bewohner der beiden Hallen sollen ebenfalls bald in die Bayreuther Straße umziehen. Trotzdem soll das neue Containerdorf zunächst nicht voll belegt werden, sagt Marcel Dinies von der Ludwigshafener Ausländerbehörde. Er geht von einer Belegung mit 300 bis 350 Menschen aus.

Drei Betten und ein Schrank: So sehen die Zimmer aus.
Drei Betten und ein Schrank: So sehen die Zimmer aus.

Pro Stockwerk stehen neben den Zimmern für die Bewohner jeweils ein Gemeinschaftsraum, zwei Küchen, ein Waschraum und vier Sanitärräume zur Verfügung. In jedem Gebäude gibt es auch ein Krankenzimmer. Sozialarbeiter sowie Brückenbauer sollen den Flüchtlingen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, bei der Vermittlung in Sprachkurse beraten und ihnen mit Basisinformationen helfen, um sich in Ludwigshafen zurechtzufinden. Geplant ist auch, Freizeitangebote, die erfolgreich am Standort Walzmühle angeboten wurden, zu unterbreiten. Laut Marcel Dinies wird die Verwaltung mit vier Hausmeistern, zwei Sozialarbeitern und einem Einrichtungsleiter direkt vor Ort sein.

Seit Januar 643 Asylbewerber zugewiesen

„Wir lassen die Menschen, die zu uns kommen, nicht alleine und werden sie auch an diesem Standort bestmöglich begleiten“, unterstreicht Beate Steeg. Die Verwaltung sei im Austausch mit der Ökumenischen Fördergemeinschaft, einem freien Träger der Wohlfahrtspflege, um gemeinsam weitere Aktivitäten auf die Beine zu stellen.

Der Stadt Ludwigshafen wurden seit Januar bisher 643 Asylsuchende zugewiesen. Zusätzlich kamen pro Monat im Schnitt 36 Menschen aus der Ukraine. Insgesamt sind in städtischen Unterkünften aktuell rund 1900 Geflüchtete einquartiert. Nach einer leichten Entspannung rechnet Sozialdezernentin Steeg für das vierte Quartal wieder mit steigenden Zuweisungszahlen. Das sei der Verwaltung in einem Schreiben des Landes bereits angekündigt worden. Denn auch die Anzahl der Geflüchteten in den Erstaufnahmeeinrichtungen sei bereits wieder gestiegen. Hinzu komme, dass es schwer absehbar sei, wie viele Menschen aus Sonderprogrammen noch auf die Kommunen verteilt werden.

Unterdessen bereitet die Verwaltung auch die lange geplante Sanierung des benachbarten Einweisungsgebiets in der Bayreuther Straße vor. 32 Millionen Euro seien dafür eingeplant, sagt Gebäudemanager Bernhard. Als Erstes sollen die sogenannten Roten Blöcke abgerissen werden. Dafür müssen 120 Bewohner in Ausweichquartiere umziehen, die auf einem Bolzplatz und einem Garagengelände entstehen sollen.

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