Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Baustellen-Chaos: Gastronom macht sich Sorgen um seine Zukunft in der City

Ein schöner Platz: Die grüne Terrasse des „Casa di Laul“ auf dem Ludwigsplatz.
Ein schöner Platz: Die grüne Terrasse des »Casa di Laul« auf dem Ludwigsplatz.

Ludwigshafen ist wegen der vielen Baustellen gar nicht mehr erreichbar: So denken derzeit viele Autofahrer. Geschäfte und Gastronomen in der City fürchten sich vor den Folgen.

Das „Ristorante La Casa di Laul“ auf dem Ludwigshafener Ludwigsplatz ist eine gute Adresse für Menschen, die gern gepflegt mediterran zu Mittag und zu Abend essen oder die etwas zu feiern haben. Vladislav Dmitriew, genannt Vlado, betreibt das „Laul“ gemeinsam mit seiner Frau Kristina seit mehr als 20 Jahren mit viel Herzblut. Aber um die Zukunft des Betriebs machen sich die Eheleute sorgen. Denn ihr Traditionslokal befindet sich in einem denkmalgeschützten Pavillon am Ende des Ludwigsplatzes und damit quasi im Zentrum der zahlreichen Baustellen, die der Stadt und vor allem den Tausenden Pendlern seit einiger Zeit zu schaffen machen.

Vlado legt die Stirn in Falten und stellt fest: „Wir fühlen uns hier seit dem Abriss des Rathaus-Centers wie abgeschnitten.“ Denn durch die Großbaustelle hinter dem Restaurant haben sich die Laufwege der Ludwigshafener verändert. Nur noch wenige Passanten nutzen die Passage am Ende des Ludwigsplatzes, nachdem die Verbindung durch das Einkaufszentrum in den Hemshof gekappt wurde.

Neue Routen durch die Stadt

Aber das ist noch längst nicht alles: Jetzt steht der Abriss der maroden Hochstraße Nord und der Neubau der Helmut-Kohl-Allee bevor, durch den die Autofahrer auf Umwegen durch die Innenstadt geleitet werden müssen. „Viele unserer Gäste aus dem Ludwigshafener Norden und aus dem Rhein-Pfalz-Kreis fragen sich, wie sie überhaupt noch in die City gelangen können“, weiß der Wirt aus Gesprächen. Diverse Sperrungen und Umleitungen werden in den nächsten Monaten die Ludwigshafener Innenstadt verändern. Auto- und Radfahrer müssen sich auf neue Routen und Beeinträchtigungen einstellen. „Das macht uns große Sorgen“, sagt der Koch.

Wladislaw Dmitriew
Wladislaw Dmitriew

Zwei lange Baustellenjahre musste das Laul bereits verkraften: Das alte Gebäude der IHK Pfalz am Ludwigsplatz wurde ab Juli 2023 abgerissen. In einem sechsstöckigen und rund 25 Meter hohen Neubau unter dem Titel „Haus der Wirtschaft“ werden in den nächsten Wochen sowohl die IHK Pfalz als auch ihr Weiterbildungszentrum einziehen. Vladislav Dmitriew hofft, dass seine Terrasse dann im kommenden Sommer wieder mit mehr Gästen gefüllt sein wird als in den Vorjahren. Die Plätze dort hat Vlado bereits reduziert. Von einst elf Mitarbeitern sind mittlerweile nur noch sechs mit von der Partie. „Es ist schwer geworden.“

Neue Öffnungszeiten

Auf mehr Laufkundschaft setzt er neuerdings an den Wochenenden. Samstags öffnet er sein Restaurant ab 16 Uhr. Er hofft, dass sich das bei Rad- und Rollerfahrern herumspricht, die Touren durch die Nachbarstädte Mannheim und Ludwigshafen unternehmen und anschließend noch einkehren wollen.

Das Lokal genießt nicht nur wegen seiner Küche einen guten Ruf in der Region. Der Pavillon in Form einer halben Ellipse mit rundum verlaufender Fensterfront wurde 1952 nach Plänen des Stadtbauamts für den damaligen Verkehrsverein und ein neues Garten-Café errichtet. Der zurückgezogene Eingang unter dem weit überstehenden Flachdach ermöglichte eine überdachte Terrasse, die den Blick der dort sitzenden Gäste in Richtung Ludwigsplatz lenkt. Ausstattung und Inneneinrichtung blieben über die Jahre weitgehend erhalten und bieten noch immer ein Zeugnis des damaligen Zeitgeists. Nach dem Auszug des Verkehrsvereins (heute Tourist-Information) aus der Immobilie, erfolgte 1998/99 eine umfassende Renovierung und Sanierung des typischen 1950er-Jahre-Baus, um anschließend alle Räume dem Lokal zur Verfügung zu stellen.

Pächter Dmitriew hat in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz einiges verändert. Der ursprünglich offene Kamin in einem Halbrund gegenüber dem Eingang wurde entfernt und an gleicher Stelle ein elektrisches Kaminfeuer eingebaut. In dieser Nische stehen noch zwei alte Originaltische, die ebenfalls halbrund geformt sind. In die Holzfenster wurde Doppelverglasung eingepasst, und es wurde eine behindertengerechte Toilette eingebaut. „Das Laul ist ein besonderer Ort“, sagt der Gastronom über den Rundbau.

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