VG Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bauernhof mit Bullerbü-Charme soll Zentrale für Jugendarbeit werden

Es gibt viel tun: Im Hauptgebäude (rechts) sollen unter anderem die Sanitäranlagen und die Büros untergebracht werden.
Es gibt viel tun: Im Hauptgebäude (rechts) sollen unter anderem die Sanitäranlagen und die Büros untergebracht werden.

Der „Dreipunkthof D Eins“ ist ein alter Bauernhof in Assenheim, der endlich ausgebaut wird. Er soll ein Geschenk für die Kinder und Jugend in der Verbandsgemeinde sein.

Wer ein wenig durch den alten Zaun lugt, der das Anwesen in der Deidesheimer Straße 1 in Assenheim von Blicken abschirmt, könnte mit seinen Gedanken abschweifen. Der Häuslebauer wird in der klassischen Drei-Seiten-Hof-Bauweise ungeahntes Potenzial sehen, wenn nur hier und da etwas hinausgerissen, erneuert, saniert und investiert werden würde. Der Pessimist wird sehr wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts der Arbeit, die das Herrichten ohne Frage machen wird. Und der Optimist sieht vor seinem geistigen Auge ein romantisches Anwesen à la Bullerbü, wie gemacht für Sommerferien-Abenteurer.

Letzterer ist Stefan Veth (CDU), wie er zugibt. Als er 2010 sein Verbandsbürgermeisteramt angetreten hat, „da hatte ich auch so eine romantische Vorstellung von einem Bauernhof für die Kinder und Jugendlichen“. Damals dachte er noch an ein landwirtschaftliches Erlebnismuseum. Die Ideen, Wünsche und Vorstellungen haben sich mittlerweile gewandelt – sind doch schon zwei Amtsperioden, also gut 16 Jahre seither ins Land gegangen. Nun endlich soll das Anwesen seine Bedeutung für die Dorfkinder und Dorfjugend bekommen. Im Spätjahr dieses Jahres könnten die Bauarbeiten beginnen.

Blick aus dem Nebengebäude: Die Freifläche zwischen Scheune (links) und Hauptgebäude soll für einen Aufzug genutzt werden.
Blick aus dem Nebengebäude: Die Freifläche zwischen Scheune (links) und Hauptgebäude soll für einen Aufzug genutzt werden.

„Platzen aus allen Nähten“

Der Fokus der Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde liegt derzeit unter anderem auf Freizeitangeboten in der schulfreien Zeit. Diese seien entsprechend der Nachfrage entwickelt und ausgebaut worden, berichten die Beigeordnete Marion Strese (CDU) und der Verbandsbürgermeister. So gibt es neben den Ortsranderholungen in den Sommerferien, weitere Freizeiten in den Ferien und an schulfreien Tagen sowie etliche Tages- oder Wochenendangebote wie Waldtage, Radtouren, Klettertage oder Workshops. Des Weiteren gibt es in den einzelnen Orten niederschwellige Angebote in den Treffs als offene Jugendarbeit. Drei Jugendpfleger mit jeweils einer Zweidrittel-Stelle sind mit dieser Sozialarbeit betraut. Um sie schart sich ein Team aus Ehrenamtlichen, Stunden-Kräften, Praktikanten sowie Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs.

Dem FSJler habe man derzeit das Jugendhaus in Schauernheim an die Hand gegeben, denn mit dem neugegründeten Jugendrat wehe wieder ein frischer Wind, berichtet Marion Strese. Das Kinderhaus im Dannstadter Kulturhof Schrittmacher werde seit vielen Jahren an zwei Tagen in der Woche von Kindern und Jugendlichen sehr gut besucht. „Da platzen wir aus allen Nähten, es gibt sogar Wartelisten“, sagt die Beigeordnete. Das Haus am Marienplatz in Rödersheim (kurz HaMpl) hatte jüngst rückläufige Besucherzahlen.

In Hochdorf-Assenheim können sich die Kinder und Jugendlichen seit dem Sommer vergangenen Jahres auf dem Pumptrack, einem Fahrradparcours, austoben. Ein Jugendtreff fehlt derzeit, denn es gibt keine geeigneten Räume. Die Option, Räume der Kirchengemeinde zu nutzen, scheiterte an den Brandschutzvorschriften, berichten Stefan Veth und Marion Strese.

Im Jahr 2021 konnten sich die Bürger bei einem Tag der offenen Tür einen ersten Eindruck von dem Anwesen machen.
Im Jahr 2021 konnten sich die Bürger bei einem Tag der offenen Tür einen ersten Eindruck von dem Anwesen machen.

Neue Steuerungszentrale

Diese Lücke in der Kinder- und Jugendarbeit versucht derzeit der Verein Jugendlicht zu schließen. Der ist im vergangenen Jahr aus dem Förderverein des protestantischen Hauses für Kinder in Assenheim entstanden und möchte sich für mehr Angebote für Kinder und Jugendliche einsetzen. Diesem soll ein Container auf dem Gelände des Turnerbunds zur Verfügung gestellt werden.

Unabhängig von der Vereinsarbeit soll der „Dreipunkthof D Eins“ die Steuerungszentrale der Jugendarbeit für alle drei Gemeinden werden. Wie wichtig so eine Zentrierung ist, zeigt das Beispiel Mutterstadt. Über vier Jahre lag dort, mit der Schließung des Jugendtreffs, die Jugendarbeit brach. 2024 gelang mit der komplett renovierten Jugendpforte ein Neustart. Mit riesigem Erfolg, der wiederum den Bedarf an solch niederschwelligen sozialen Angeboten auch auf dem Land beweist.

Nun kann man das Großdorf Mutterstadt nicht mit den kleinen, langgezogenen und auseinanderliegenden Dörfern der Verbandsgemeinde vergleichen. Auch gibt es hier mehr Vereine, in denen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen können. Dennoch ergibt eine mittig gelegene, multifunktionale Anlaufstelle Sinn, vor allem wenn sie vielseitig genutzt werden kann, wie es für den „Dreipunkthof D Eins“ vorgesehen ist. Der Name setzt sich übrigens aus Deidesheimer Straße 1 zusammen. Mit „Dreipunkthof“ sollen die Lage im Mittelpunkt der Verbandsgemeinde, die Nutzung als Treffpunkt, die drei Ortsgemeinden und Drei-Seiten-Bauweise in einem Wort vereint werden.

Viele Räume, viele Chancen

Das Anwesen in Assenheim gehört der Verbandsgemeinde. Gut 30 Jahre lang nutzte dieses der Verein Schneeball aktiv per Überlassungsvertrag. Der wurde zum Ende 2019 gekündigt. Entscheidungsgründe dafür seien der schlechte Zustand der Gebäude und der Bedarf der Verwaltung nach mehr Räumen für die Kinder- und Jugendarbeit gewesen. Die Entscheidung sorgte damals für Unmut, besonders bei der Vereinsvorsitzenden von Schneeball aktiv, Clara Krempel.

Seit dem Auszug des Vereins steht das Haus leer. Die Pandemie verzögerte das Projekt zwar, dennoch sei viel hinter den Kulissen passiert, sagt Stefan Veth. Allein das Erstellen des Konzepts habe fast zwei Jahre in Anspruch genommen. Man habe sich bewusst in den Gremien viel Zeit gelassen. Das spiegelt sich im Plan, den der beauftragte Architekt Christopher Diehl in der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung vorstellte, wider: Drei Gebäude stehen auf dem Anwesen. Im zweigeschossigen Hauptgebäude sollen unter anderem Büros, Sanitäranlagen, Multifunktions- und Schlafräume entstehen. In der Scheune soll ein Café Platz finden, sowie eine Bühne, Küche und Theke. Im ebenfalls zweigeschossigen Nebengebäude sind ein Werkbereich, der Jugendtreff, ein weiterer Multifunktionsraum und Lagerflächen geplant. Ein Aufzug und Rampen garantieren Barrierefreiheit. Zudem ist im Hof und im Garten Platz für diverse Aktivitäten.

Einweihung im Sommer 2028?

Diese Multifunktionalität verkomplizierte aufgrund der hohen Anforderung des Brandschutzes und der Sicherheit die Baugenehmigung, die 2021 beantragt und 2025 schließlich zugestellt wurde. Doch die Geduld werde sich lohnen, da sind sich Verwaltung und Mitarbeiter einig. Denn das Ensemble soll allen Generationen und auch den Vereinen zur Verfügung stehen. Geplant ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, auch wenn der Schwerpunkt auf der Jugendarbeit liegen soll. Die Jugendpfleger wünschen sich, dass der „Dreipunkthof D Eins“ das neue „Zuhause“ für die Kinder- und Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde wird. Vor allem der großzügige Platz und die vielen Räumen schaffen neue Möglichkeiten – „etwa in den Schulferien als Startpunkt, als Zuflucht bei schlechtem Wetter oder als Basislager unserer Ferienveranstaltungen“, erläutert Jugendpflegerin Iris Buchenau.

Läuft alles nach Plan, könnte im Sommer 2028 Einweihung gefeiert werden, dann wird die Verbandsgemeinde etwa 3,56 Millionen Euro für die Komplettsanierung investiert haben. Eine hohe Investition, „die aber wichtig ist für das soziale Leben in der Verbandsgemeinde“, betonen Stefan Veth und Marion Strese. Das sei auch Konsens unter den Kommunalpolitikern. Und das ist wichtig, denn auch die laufenden Mehrkosten, die so ein Angebot mit sich zieht, müssen politisch von einer Mehrheit getragen werden. Derzeit gibt die Gemeinde jährlich zwischen 300.000 und 400.000 Euro für die Kinder- und Jugendarbeit aus.

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