Ludwigshafen BASF-Chef Bock will Bürgerdialog ausbauen
Die BASF will die Gespräche mit den Nachbarn des Stammwerks nach dem Unglück vor vier Monaten im Nordhafen fortsetzen. Das sagte Vorstandschef Kurt Bock bei der Bilanzpressekonferenz gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage.
„Der Bürgerdialog hat sich bewährt“, betonte er vor 50 Journalisten. „Es ist offensichtlich, dass es in der Nachbarschaft berechtigte Fragen gibt. Wir müssen erklären, was wir hier machen.“ Denn noch immer herrsche eine gewisse Verunsicherung im Umfeld. Die nächste Gesprächsrunde kündigte der Konzernchef für Anfang April an. Bock übte in diesem Kontext auch Selbstkritik. Gespräche mit Anwohnern und Anliegern habe es zwar bereits vor dem Unfall gegeben. „Vielleicht haben wir das aber als zu selbstverständlich genommen“, sagte er. Das Format müsse nun weiterentwickelt werden. Lehren aus dem Unfall könne die BASF erst ziehen, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien, sagte Bock. „Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse der Behörden. Ich hoffe, dass sie bald veröffentlich werden. Unter Umständen kann man daraus nämlich lernen. Wenn wir etwas besser machen können, sind wir natürlich daran interessiert, dies tatsächlich auch zu tun.“ Bis heute sei die Ursache für das Unglück weitgehend unklar. Fest stehe nur, dass ein externer Mitarbeiter „schlichtweg eine falsche Leitung angesägt hat“, so Bock. Aktuell werde die Rohrleitungstrasse repariert. Sie soll wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. Die Arbeiten würden aber noch Monate dauern. Am 17. Oktober waren bei Wartungsarbeiten an einer Pipeline infolge einer Explosion drei Feuerwehrleute und ein Matrose ums Leben gekommen. Zahlreiche Einsatzkräfte wurden schwer verletzt. Ein Mann wird derzeit noch im Krankenhaus behandelt, „andere sind in der Reha und auf einem guten Weg der Besserung“, informierte Bock. „Wir hoffen, dass wir sie bald wieder bei uns begrüßen können.“ Der Ausfall von Feuerwehrmännern sei durch Kameraden aus anderen Standorten kompensiert worden. Bock sprach gestern von einem „zwiespältigen Rückblick“ auf 2016. „Wir haben zwar die wirtschaftlichen Ziele erreicht. Aber das Unglück in Ludwigshafen hat gezeigt, was zählt: das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter.“ Und er versicherte: „Wir tun alles, um den Unfall vollständig aufzuklären. Wir fühlen mit den Familien der Verstorbenen.“ Sicherheit habe bei der BASF Priorität und bleibe weltweit von höchster Bedeutung. Risiken in der Chemie ließen sich aber nicht ausschließen, so Bock. Wie die BASF-Mannschaft nach dem Unfall in kürzester Zeit Lösungen für die stark beeinträchtige logistische Versorgung gefunden habe, zeige eindrucksvoll, welche Kraft in dem Team stecke. „Dafür danke ich allen Mitarbeitern im Namen des Vorstands.“ Nach der Explosion war Bock in die Kritik geraten, weil er sich erst elf Tage später öffentlich dazu äußerte. „Ich wurde intern gebraucht“, rechtfertigte sich der BASF-Chef damals. Deutlich geringer als zunächst befürchtet seien die wirtschaftlichen Folgen des Unfalls für den Chemiekonzern, erklärte der 58-Jährige gestern. Er sprach von monatlichen Einbußen beim Betriebsgewinn im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Gemessen an dem Produktionsvolumen vor Ort sei das „eine relativ übersichtliche Größe“. Fürs Ludwigshafener Werk kündigte Bock an, dass die alte Anlage für Acetylen bis 2019 durch eine hochmoderne ersetzt werde. Das Gas sei zwar nur ein Zwischen- und kein Verkaufsprodukt. Dennoch werde der BASF-Verbund dadurch gestärkt. „Das ist wichtig für den Standort“, so Bock. Wirtschaft |ier