Ludwigshafen
BASF: Bauteil für riesige Wärmepumpe in Ludwigshafen angeliefert
95 Tonnen schwer und 16 Meter lang: Eine zentrale Komponente für eine der weltweit größten und leistungsfähigsten industriellen Wärmepumpen hat den BASF-Standort in Ludwigshafen erreicht. Der sogenannte Plattenfallfilmverdampfer wurde per Schiff aus Schwedt an der Oder zum BASF-Nordhafen transportiert. Von dort aus ging es per Schwerlasttransport über das Werksgelände zur Baustelle am Steamcracker, wo die Wärmepumpe verbaut wird, wie der Chemiekonzern weiter mitteilt.
Der Steamcracker ist das Herzstück des BASF-Werks in Ludwigshafen. Die Anlage spaltet unter Zusatz von Wasserdampf bei etwa 850 Grad Hitze Rohbenzin auf. Dabei entstehen unter anderem Ethylen und Propylen, beides Grundprodukte für die Herstellung vieler BASF-Produkte in Ludwigshafen. Aus Ethylen und Propylen werden unter anderem Kunststoffe, Lacke, Waschrohstoffe und Pflanzenschutzmittel hergestellt.
Schlüsselrolle bei Dampfproduktion
Der nun angelieferte Verdampfer spielt eine Schlüsselrolle in der im Bau befindlichen Wärmepumpe am Steamcracker. Die neue Anlage soll emissionsfreien Dampf für industrielle Anwendungen im Chemiewerk liefern, der bisher mit fossilen Energien erzeugt wurde. In der Anlage wird Dampf produziert, der keinen Sauerstoff enthält und somit optimal für die Nutzung in Produktionsbetrieben wie dem Steamcracker geeignet sei, erläutert die BASF. Dieser Prozessdampf werde über das bestehende Verbundnetz des Werks an verschiedene Produktionsstätten weitergeleitet, wo er dann als Energieträger dient.
Das Projekt wird von der BASF gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmen GIG Karasek umgesetzt, das die Konstruktion des Verdampfers sowie den Bau der Wärmepumpe verantwortet. Laut BASF wurden die meisten Komponenten speziell an die technischen Anforderungen des Werksgeländes in Ludwigshafen angepasst. Die nötige Gebäudeinfrastruktur, darunter die Anlagenhalle und das Schaltanlagengebäude, sei bereits fertiggestellt. Auch ein Großteil der Rohrleitungen zum Steamcracker sei bereit für die Installation. Die industrielle Wärmepumpe wird auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern neben dem Steamcracker errichtet und über Rohrbrücken mit der Anlage verbunden sein.
Mit Grünstrom betrieben
Die Wärmepumpe wird mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben und soll jährlich bis zu 500.000 Tonnen CO2-freien Dampf erzeugen. Mit einer thermischen Leistung von rund 50 Megawatt wird der Dampf vorwiegend für die Produktion von Ameisensäure eingesetzt. Damit könnten bis zu 98 Prozent der bisher dabei entstehenden Treibhausgasemissionen vermieden werden können. Dies entspricht einer Einsparung von etwa 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Die Abwärme aus den Kühlprozessen einer der beiden Steamcracker am Standort wird dabei zur Dampferzeugung genutzt, so die BASF.
Die Inbetriebnahme der neuen Anlage ist für Mitte 2027 geplant. Der Spatenstich für den Bau fand im September 2025 statt. „Die Elektrifizierung zentraler Prozesse in der Produktion und bei der Energiegewinnung ist ein wichtiger Baustein für die chemische Industrie, um Klimaneutralität zu erreichen. In diesem Fall wird der emissionsfreie Dampf aus der Wärmepumpe die konventionelle Erzeugung auf Basis fossiler Rohstoffe in unseren Gas- und Dampfkraftwerken zu einem Teil ersetzen“, sagte damals Helmut Winterling, Leiter der europäischen Verbundstandorte der BASF. „Uns geht es darum, unseren Kunden Produkte anzubieten, die einen geringeren CO2-Fußabdruck besitzen. Dies erreichen wir sowohl durch Massenbilanz-Verfahren als auch durch gezielte Investitionen in grüne Technologien wie Wärmepumpen.“
Mit 310 Millionen Euro gefördert
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit bis zu 310 Millionen Euro gefördert. Die BASF will bis 2050 auf netto null CO2-Emissionen kommen. Die Wärmepumpe selbst kostet laut BASF einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Die hohe Fördersumme soll die Mehrkosten der Anlage gegenüber herkömmlichen fossilen Verfahren der Dampferzeugung über die kommenden 15 Jahre abfedern. Der Konzern setzte 2023 rund 14 Millionen Tonnen Dampf in der Produktion in Ludwigshafen ein.
Die Wärmepumpe ist nicht das einzige grüne Technologieprojekt, das von der BASF vorangetrieben wird. Geplant sind unter anderem ein Solarpark für die Stromerzeugung und Geothermie, bei der Erdwärme für die Produktion genutzt werden soll.