Ludwigshafen Bühne statt Gerichtssaal

Auch auf der Theaterbühne beschäftigt sich das aus Richtern bestehende Kabarettensemble mit Recht und Gesetz.
Auch auf der Theaterbühne beschäftigt sich das aus Richtern bestehende Kabarettensemble mit Recht und Gesetz.

Der 69. Deutsche Anwaltstag in Mannheim bot nicht nur Vorträge und Debatten für Juristen, sondern hinterließ drei Abende lang seine Spuren auch im kulturellen Angebot der Stadt. Das vor 15 Jahren von einer Mannheimerin gegründete Richterkabarett gastierte mit seinem vierten Programm „Garantiert rechtsmittelfrei“ im Oststadt-Theater im Stadthaus N1.

Jedem Berufszweig sein Kabarett. Besonders Berufsgruppen, die vor Publikum zu agieren gewohnt sind, bilden schon mal gerne ein Kabarett-Ensemble. So gibt es etwa das bayerische Pfarrerkabarett Das weißblaue Beffchen oder das Lehrerkabarett Die Unter-Richter. Das Richterkabarett besteht seit 2003. Michaela Ecker, die es maßgeblich initiierte, war zu jener Zeit zuständig für Asylrecht und Baugenehmigungen am Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. „Ich bin Richterin geworden, weil ich schon immer zum Theater wollte“, erklärte sie mit einem Augenzwinkern auf der Bühne. Ganz ähnlich hatte zwei Abende zuvor der US-amerikanische Staranwalt Ken Feinberg („Playing God“) im Kino Atlantis berichtet, dass er eigentlich habe Schauspieler werden wollen und sein einschlägiges Talent nun eben in der Justiz zum Tragen bringe. Auf der Bühne standen neben Ecker, heute Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgerichtshof in Freiburg, gleich acht Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Kammern und Senaten in Düsseldorf, Frankfurt, Metzingen, München, Sigmaringen, Stuttgart und Weimar. Sie wollten als Kabarettisten einmal den ungeteilten öffentlichen Applaus spüren, der ihnen im Hauptberuf zwangsläufig versagt bleibe, erläuterte Lucas Heinrichs. „Wir sind permanent unterbeklatschte, traumatisierte Menschen“, warb er um Anteilnahme. Auf der Bühne spielten sie, teils in Robe, wieder Richter. Ihre selbst verfassten, vom Kölner Theaterregisseur Janosch Roloff betreuten Szenen, Glossen und Gesänge rankten sich natürlich um Recht und Gesetz, um Berufsalltag und Bürokratie, die Urteilsbildung und Entscheidungsfindung als Ziel der Dritten Gewalt. Selbst zu neunt wirkten sie dabei etwas verloren auf der großen, mit nur wenigen Requisiten ausgestatteten Theaterbühne. Ihre Befähigung, Verfahren zu leiten, möchte ihnen niemand absprechen, den Zug zur Bühne und ein gewisses Talent fürs Amateurtheater freilich auch nicht, echtes Kabarett aber, dass die Zuschauer im zur Hälfte besetzten Oststadt-Theater mehr als einigermaßen unterhalten und mehr als nur leidlich amüsiert hätte, gab es nicht. Es fehlten im notwendigen Maß an Kreativität, Tempo und Stimme. Allein der Chorgesang und Michaela Ecker solo vermochten wiederholt zu überzeugen. Es fehlt den Freizeitkabarettisten mutmaßlich an der Zeit, sich ausreichend vorzubereiten, an Gelegenheiten, gemeinsam zu proben, und sicher an Routine. Denn obwohl es die Richter-Kabarettisten seit 2003 gibt, treten sie eher selten auf. So findet ihr nächster Auftritt erst im September in Leipzig, ihr übernächster 2019 in Frankfurt statt. Kalauer, Witze mit Bart oder vorhersehbarer Pointe, naheliegende Wortspiele und bieder und brav umgetextete Lieder von Karl Valentins „Die alten Rittersleut`“ („Die alten Richtersleut`“) bis Petula Clarks „Downtown“ („Nachbarn“), zu wenig Rhythmus, zu wenig Schwung und umständliche Umbaupausen, die in der Hauptsache darin bestanden, einen Tisch und ein paar Stühle aus dem Hintergrund in den Vordergrund und wieder zurück zu rücken, bescherten ein zähes Programm. Kein Vergleich etwa mit dem Justizkabarettisten Werner Koczwara, der es viel besser versteht, Absurditäten und Irrwege der Juristerei satirisch und hintergründig aufs Korn zu nehmen.

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