Ludwigshafen
Bäume mitten auf der Hauptstraße: In Ludwigshafen geht das
Die neuen Kämpfer gegen die Hitze in Ludwigshafen haben interessante Namen. Sie heißen Birkenpappel, Zürgelbaum, Flatterulme und Paulownia-Hybrid. Es sind Bäume, insgesamt 28 an der Zahl, die im Rahmen eines Forschungsprojekts in der Stadt gepflanzt wurden.
Das Besondere an ihnen: Sie wachsen schnell, sind leicht zu pflanzen und genügsam. Damit kann man sie dort anpflanzen, wo Schatten durch Bäume sonst schwierig zu erreichen wäre. Wie zum Beispiel auf dem Mittelstreifen der Verbindungsstraße zwischen Mundenheim und Rheingönheim nahe der K7.
Bäume kommen jung und wachsen schnell
„Auf solchen Böden ist es für Bäume normalerweise sehr schwer. Es gibt nicht viel Platz an den Seiten, und häufig ist unter der Erde noch Asphalt“, erklärt Gabriele Bindert, Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL). Die vier neuen Baumarten können das aber ab, versichert Bindert.
Mehr noch: Sie benötigen weniger Vorbereitungen, um gepflanzt werden zu können, und können schon früher in ihrem Lebenszyklus ausgebracht werden. Zum Vergleich: Die üblichen Bäume in städtischer Umgebung sind etwa zehn Jahre alt, wenn sie eingepflanzt werden, und haben einen Stammumfang von 16 bis 20 Zentimetern.
Die Bäume, die in Ludwigshafen Anfang April neu gepflanzt wurden, haben einen Umfang von ungefähr drei Zentimetern – sind also etwa daumendick.
Minimale Pflege für Versuchsbäume
Gabriele Bindert ist es zu verdanken, dass Ludwigshafen die Bäume durch das Forschungsprojekt bekommen hat, denn geforscht wird eigentlich von der Hochschule in Erfurt (Thüringen). Bäume stehen bisher nur in Erfurt, Zeuthen, Wildau und Dresden. Doch sie kenne den Forschungsleiter, sagt Bindert bei einem Termin vor Ort.
Ziel der Studie sei es, trotz begrenzter Flächen mehr Grün, Schatten und Kühlung durch Bäume sowie mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, heißt es in einer Mitteilung. Welche Baumarten genau sich trotz der Herausforderungen bewähren können, soll am Ende des Projekts feststehen.
Dass auch im rund 170 Kilometer weiter südlichen Ludwigshafen gepflanzt wird, helfe den Erfurtern, Daten aus einem anderen Klima zu gewinnen. Ludwigshafen bekam die Pflanzen aus Erfurt geschenkt. Jetzt soll erstmal gegossen – ohne Dünger – und abgewartet werden, wie die Bäume sich entwickeln.
Im besten Fall könnten sie in nur fünf Jahren so groß werden, wie es andere in 30 Jahren schaffen, sagt Alexander Pietsch, der beim WBL die Abteilung Grünbetrieb leitet. „Aber da spielen viele verschiedene Dinge eine Rolle. So pauschal kann man da nichts sagen.“ Untersucht wird von den Erfurter Forschern auch, welche Bedingungen welchen Einfluss auf die Bäume nehmen.
Mehr Möglichkeiten durch neue Arten
Überprüft, wie gut es vorangeht, werde einmal im Jahr, berichtet Bindert. Wenn man mit den Fortschritten zufrieden sei, könne Ludwigshafen aber auch auf eigene Faust weitere Bäume anpflanzen. „Den Bestand sollen diese Bäume nicht ersetzen – aber überall dort, wo es bisher schwierig war, werden dadurch neue Möglichkeiten eröffnet“, erklärt Julia Nessel, die beim WBL die Abteilung leitet, die unter anderem für Bäume zuständig ist. Das betreffe vor allem Orte, wo früher Bäume eingegangen sind oder für Probleme gesorgt haben. Bei Neubauprojekten gebe es Regeln dafür, wie viel Platz ein Baum bekommen soll, nämlich 16 Kubikmeter an durchwurzelbarem Volumen.
Neben den zehn Bäumen auf der Hauptstraße (Rheingönheim) wurden noch acht im Hohen Weg auf der Reitanlage des Reitclubs, acht im Brüsseler Ring (Pfingstweide) und zwei in der Knappenwegstraße (Mundenheim) gepflanzt.
Angelegt sei das Forschungsprojekt auf zehn bis 20 Jahre. Denn einen Knackpunkt bei den Schnellwachsern gebe es, denn sie lebten tendenziell nicht so lange wie andere Baumarten, sagt Nessel. „Aber wenn der Baum fit und vital ist, sehe ich nicht, warum wir ihn nicht auch danach weiter stehenlassen können“, sagt ihr Kollege Pietsch.