Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Auswilderung in Ludwigshafen: Zwei Uhus beziehen ihr neues Revier bei AbbVie

Uhu Nummer eins registriert die neue Umgebung vor dem Start zunächst einmal aus dem sicheren Transportkarton.
Uhu Nummer eins registriert die neue Umgebung vor dem Start zunächst einmal aus dem sicheren Transportkarton.

Zwei Uhus sollen auf dem AbbVie-Gelände im Stadtteil Süd heimisch werden. Warum Industriezonen ideale Jagdreviere sind und was das für Nager und Tauben bedeutet.

Ein vorsichtiger Blick ins ungewohnt grelle Licht, zwei, drei Hüpfer aus dem beengten Karton, und dann geht es mit ausgebreiteten Schwingen auf Erkundungstour ins neue Revier. Gemeinsam haben Klaus Eisele als Naturschutzbeauftragter der Stadt Ludwigshafen und das Unternehmen AbbVie auf dem Firmengelände an der Knollstraße zwei Uhus ausgewildert.

Unter Aufsicht von Klaus Eisele (vorne) und Andreas Beck macht sich Uhu Nummer eins auf den Weg ins neue Gelände. Im noch versch
Unter Aufsicht von Klaus Eisele (vorne) und Andreas Beck macht sich Uhu Nummer eins auf den Weg ins neue Gelände. Im noch verschlossenen Karton wartet der zweite Vogel auf die Freiheit.

„Wir haben die Industriegelände für die Ansiedlung entdeckt“, sagt Eisele. Diese seien für Beutegreifer geeignet und regulierten dort auf natürlichem Wege die Population von Nagetieren und auch als Beute identifizierte Vogelarten wie Halsbandsittiche oder Stadttauben. Eisele ist ehrenamtlicher Leiter der Ornithologischen Beobachtungsstation Altrhein (ORBEA), nach seinen Angaben die älteste Naturschutzgruppe in der Stadt. In dieser Hinsicht sei Ludwigshafen bundesweit einzigartig. „Wir haben aktuell alle sechs Wanderfalkennester belegt.“ In Speyer, Mannheim oder auch Heidelberg brüten hingegen höchstens ein bis zwei Paare. Eine wichtige Aussage, denn Wanderfalken haben in etwa Größe und Gewicht der Uhus, der größten deutschen Eulenart. Dementsprechend seien die Nisthilfen für beide Vogelarten geeignet.

Das Gelände hat ökologischen Wert

„Das war für uns auch ein wenig überraschend“, räumt Andreas Beck ein. Der Technikleiter am Standort Ludwigshafen weiß zwar um den ökologischen Wert des Geländes im Dichterviertel. Nager und Kleingetier seien dort heimisch. Dass jedoch große Uhus hier künftig ihren charakteristischen Ruf in die Nacht streuen könnten, erschien ihm doch eher unwahrscheinlich.

Guten Start für den ersten Flug.
Guten Start für den ersten Flug.

„Klaus Eisele, mit dem wir schon seit Jahren zusammenarbeiten, hat mich überzeugt“, berichtet Beck. Und zwei Falkennistkästen habe AbbVie ja ohnehin schon. „Man darf nicht vergessen, dass hier zwar tagsüber viel Betrieb auf dem Gelände ist, aber nachts wird es hier ruhig“, sagt Beck. Dann kommen die Uhus ins Spiel, haben nahezu ideale Jagdbedingungen. „Wir haben in Oggersheim auch schon ein wildes Weibchen entdeckt“, berichtet Klaus Eisele. Die Vögel wendeten sich also der Stadt zu.

Die drei Jahre alten Vögel, ein Männchen und ein Weibchen, die auf dem Firmengelände ausgewildert werden, stammen aus der Greifvogelaufzuchtstation in Haßloch, wo sie zuletzt für sechs, sieben Wochen aufgepäppelt und für ihren Flug in die Freiheit im urbanen Umfeld vorbereitet worden sind. Eine Umfelderkundung gehörte leider nicht hinzu. Und so verlief der Start der Uhus ins neue Gelände nicht ganz ohne Hindernisse. Die Jungfernflüge dauerten jeweils nur wenige Sekunden, ehe sie an den glatten Fassaden der Firmengebäude endeten. Ein ordentlicher Schlag aus vollem Flug für die gut drei Kilogramm schweren Tiere. Eine Schrecksekunde für die neuen Gastgeber der Vögel. Auch Vogelschützer Eisele hätte sich einen besseren Start ins neue Stadtrevier gewünscht.

Mit kräftigen Flügelschlägen macht sich auch Uhu Nummer zwei auf in die neue Umgebung.
Mit kräftigen Flügelschlägen macht sich auch Uhu Nummer zwei auf in die neue Umgebung.

Das Weibchen ist standorttreu

„Wir haben in Deutschland schätzungsweise 22 bis 26 Millionen Vogelschläge jährlich.“ Die meisten verlaufen allerdings glimpflich. „Die Tiere brauchen danach einfach nur ein bisschen Ruhe, um sich zu sammeln.“ So auch das neue Paar an der Knollstraße. Schon nach wenigen Minuten waren die Schwingen wieder ausgebreitet, suchten sich die beiden ein ruhigeres Eckchen zwischen den Bäumen. „Die Weibchen sind in der Regel standorttreu. Das Männchen sucht sich seine Partnerin.“ Der neue Ludwigshafener Uhu hat dabei zumindest die Auswahl zwischen der Dame auf dem Firmengelände oder der nachgewiesenen Oggersheimerin. „Mal abwarten, ob er hier bleibt“, meint Eisele. Die AbbVie-Mitarbeiter würden sich offensichtlich darüber freuen. Da hatten schon nach wenigen Minuten die ersten zum Telefon gegriffen und der Werksfeuerwehr ihre Uhu-Sichtungen berichtet.

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