Mannheim Ausstellung zum Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung im Port25

Blick in die Ausstellung in der Mannheimer Hafenstraße.
Blick in die Ausstellung in der Mannheimer Hafenstraße.

Öfter mal was Neues, dachte sich wohl die siebenköpfige Jury des heuer zum zehnten Mal vergebenen Mannheimer Kunstpreises der Heinrich-Vetter-Stiftung und teilte das Preisgeld von 15.000 Euro„nach eingehenden und intensiven Beratungen“ (wie es heißt) „mehrheitlich“ in einen Hauptpreis von 10.000 und einen Förderpreis von 5.000 Euro.

In der Preisträgerausstellung im Port25 in der Mannheimer Hafenstraße. kann man nun sehen, was Margarete Lindau (Hauptpreis) und André Wischnewski (Förderpreis) zum ausgelobten Thema „Zeichnung“ anzubieten haben. Obwohl, das mit der „Zeichnung“ ist so eine Definitionsfrage. Lindaus Linolschnitte könnten auch als gedruckte Bilder durchgehen, Wischnewskis luftig fragile Rauminstallationen unter Plastik laufen in der Rubrik plastische Collagen.

In der Linie vereint

Was beide künstlerischen Positionen eint, ist die Linie, als Raumlinie bei Wischnewski, als lines of beauty bei Lindau, was dann nun wieder bei allen Unterschieden zu einer überraschend in sich stimmigen Präsentation geführt hat, bei der sich der großzügige bemessene Ausstellungsraum im Port25 wieder einmal auf das Glänzendste bewährt.

Lindau also, 1975 in Hannover geboren, lebt seit 2010 in Mannheim und Darmstadt, ist dort oben auf der Mathildenhöhe an der Hochschule im Fachbereich Gestaltung Leiterin der Druckwerkstatt. Sie ist eine exzellente Technikerin, die ihr Handwerk an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat.

Die Musikalität der Arbeiten

Auch ein kurzes Studium der Musikwissenschaft steht im Lebenslauf. Das macht hellhörig, denn die inwendige Musikalität der im Fries aufgereihten oder in monumentalen neunteiligen Bildtafeln auftretenden Linoldrucke der Reihe „Lines of Beauty“ ist unübersehbar. Der Bezug auf William Hogarths in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Linie der Schönheit und Grazie das ganze intellektuelle Europa elektrisierenden schlangenförmigen Erbin der Figura serpentinata des italienischen Manierismus mag überraschen. Aber es funktioniert und gibt den in Mini-Auflagen in sechs Farben gedruckten poppig bunten, arabeskenhaft verspielten Reduzierschnitten mit ihren Kringeln und Ausblühungen einen eigentümlichen, viele Lesarten zulassenden Reiz.

In ihren Copydrawings unten im Foyer lotet Margarete Lindau unter Einbeziehung von Interessenten und möglichen Käufern (die für acht Euro plus Versandkosten Kopien als Original bekommen) die Möglichkeiten zwischen analoger und digitaler Technik aus – denn ganz den Algorithmen überlassen will sie sich nun doch nicht. Eine brandneue 500-Seiten-Publikation von 500 Copydrawings im Schuber ist auch im Angebot. Der Buchtitel „Blubber Platsch leichte Brise Zitterblitz“ weist den Weg, auf dem es langgeht.

Kunst aus Comics

Andre Wischnewski, 1983 in Crivitz geboren, Neu-Mannheimer seit 2020, war Meisterschüler von Harald Klingelhöller an der Karlsruher Akademie. Die Auseinandersetzung mit Zeit, Sprache und Architektur stehen im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit Seine Formensprache speist sich vor allem aus Comics und Comic Novels, die er mit dem Cuttermesser seziert, Bilder und Sprechblasen entfernt und die Seiten so hintereinander anordnet, dass neue, von zufällig anmutenden Rasterstrukturen zusammengehaltene plastische Erzählungen entstehen, die an Papiertheater en miniature erinnern. Freiräume, in denen die (eigenen) Gedanken sich frei bewegen können.

Keine Kopflastigkeit

Als weniger kopflastig, also leichter zu- und eingängig, faszinieren Wischnewskis mit dünnen Stahlstäben buchstäblich in den Raum, auf die Wände und die Deckenträger gezeichnete Installationen. Spiel und Ernst sind da in schönem Einklang. Vor allzu großer Ernsthaftigkeit allerdings rettet die kryptisch anmutende Überschrift über dem variabel einsetzbaren Bausatz: „103919 mm and two characters“ beinhaltet ein kapriziöses Gebilde, in dem hängend fünf Tabakspfeifen ihren surrealistisch hinterfütterten Auftritt haben. Noch hinterhältiger ist die Arbeit „von Fall zu Fall“. Die bildet den Sturz von Kupferstäben nach, die sich beim Aufprall grün verfärbt haben. Geht nicht? Bei André Wischnewski schon. Da geht man doch beschwingt nach Hause.

Die Ausstellung

Bis 18. August im Port25 in der Mannheimer Hafenstraße 25-27, mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr.

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