Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Auf den Spuren der Vorderpfälzer Lokalbahnen: Pendeln in früheren Zeiten – Und in Zukunft?

Auch am zweiten Halt in Maudach verdeutlichte Referent Jochen Glatt mithilfe historischer Fotografien, wie es entlang der Lokalb
Auch am zweiten Halt in Maudach verdeutlichte Referent Jochen Glatt mithilfe historischer Fotografien, wie es entlang der Lokalbahnstrecken einst ausgesehen hatte.

Dampf, Lärm und enge Straßen prägten einst die Strecken der Vorderpfälzer Lokalbahnen. Zwei geführte Bustouren begaben sich am Sonntag auf Spurensuche.

Wie sind im 19. Jahrhundert Mitarbeiter der BASF, Beamte, Angestellte und Schulkinder aus den Umlandgemeinden in die Ludwigshafener Innenstadt gelangt? Jochen Glatt, Buchautor und Fachmann für Lokalbahnen, geht für die Antwort auf diese Frage in die Zeit vor den 1890er-Jahren zurück, wenn er sagt: „Viele sind einfach zu Fuß gegangen. Manche bis zu 20 Kilometer – morgens und abends dann noch einmal.“ Der Strom an Pendlern habe damals ein „Verkehrsbedürfnis“ begründet, erklärt Glatt am Sonntag bei der Busfahrt „Auf den Spuren der Vorderpfälzer Lokalbahnen“. Organisiert hat die Tour der Verein FTM-Depot 5 Rhein-Neckar aus Mannheim.

In den 1880er-Jahren gab es erste Überlegungen für den Bau einer „Straßenbahn“ von Dürkheim über Friedelsheim, Gönnheim, Schauernheim, Mutterstadt, Maudach und Mundenheim nach Ludwigshafen. So steht es im Buch „Die Lokalbahnen in der Vorderpfalz“ von Wilhelm Distler und Jochen Glatt. Dann ging es recht schnell voran: 1889 erteilte der bayerische Prinzregent Luitpold den „vereinigten pfälzischen Eisenbahngesellschaften“ die Konzession zum Bau der Eisenbahnen von Ludwigshafen zur Dannstadter Höhe und – über Frankenthal – nach Großkarlbach.

In Mundenheim deutet kaum noch etwas auf die Trasse der Lokalbahn hin.
In Mundenheim deutet kaum noch etwas auf die Trasse der Lokalbahn hin.

Am Sonntag hat der Verein FTM-Depot 5 Rhein-Neckar zwei Busfahrten im Bereich des Verlaufs der beiden Bahnstrecken veranstaltet. Bei der ersten Tour am Vormittag, die – wie die zweite am Nachmittag – am Ludwigshafener Hauptbahnhof startete, geht es bis nach Meckenheim. Unter den 25 Teilnehmern in dem Linienbus des Unternehmens Regio-Bus Bergstraße mit Marcel Ansinger am Steuer sind der „Ur-Mundenheimer“ Wolfgang Steinel, dessen Großvater als Heizer auf Dampflokomotiven zwischen Ludwigshafen und Meckenheim gearbeitet hatte, sowie Peter Kolesow und Volker Schläfer vom Historischen Verein Mutterstadt.

Fast nichts ist erhalten

Fünf Mal hält der Bus auf dem Weg nach Meckenheim an Stellen an, die von besonderer Bedeutung für die Schmalspurstrecke (Spurweite: ein Meter) waren. Dazu zählen die früheren Bahnhöfe oder Haltepunkte in Mundenheim, Maudach und Meckenheim. Vor Ort zeigt Glatt historische Fotos, die den damaligen Verlauf der Gleise, die Lokomotiven, Waggons, Bahnhofsgebäude und nicht zuletzt die Bahnhofsgaststätten zeigen. Von alledem hat sich – von einigen Gaststättengebäuden abgesehen – bis heute fast nichts sichtbar erhalten.

Der Lokalbahnexperte erklärt, dass zum Ärger von Anwohnern nicht selten Dampflokomotiven die Waggons zwischen Ludwigshafen und Meckenheim zogen. „Diese Loks fuhren teilweise in engen Straßen mit fünfstöckigen Gebäuden“, sagt Glatt. Der Lärm und die Belastung der Luft durch den Rauch müssen gewaltig gewesen sein. Die Eisenbahngesellschaft habe daraufhin vier Loks mit Akkumulatoren angeschafft und ab Mai 1896 auf der Strecke zwischen Ludwigshafen-Bahnhof und Mundenheim eingesetzt, berichtet der Autor. In der Pfalz sei man damit ein Technologie-Pionier gewesen. Im Februar 1904 endete diese Phase allerdings bereits wieder.

Zeit zum Verschnaufen: Lokalbahn-Experte Jochen Glatt im Bus.
Zeit zum Verschnaufen: Lokalbahn-Experte Jochen Glatt im Bus.

Die Bahnstrecke zwischen Ludwigshafen und Dannstadt war ebenso im Oktober 1890 eröffnet worden wie ihr Pendant von Ludwigshafen nach Frankenthal. Ab dem Sommer 1891 fuhren Züge auf letzterer Route bis nach Großkarlbach. Seit März 1911 war auch die andere Strecke deutlich länger durch den Ausbau von Dannstadt bis nach Meckenheim. Wobei die Bahnen nicht nur Personen, sondern auch Güter transportierten, wie Glatt betont. Das weitaus wichtigste Transportgut waren nach seinen Angaben Zuckerrüben.

Seit Erfindung des Automobils 1886 durch den Mannheimer Carl Benz erwuchs der Bahn jedoch eine Konkurrenz: Im Mai 1930 wurde der Lokalbahnverkehr zwischen Ludwigshafen-Hauptbahnhof und Mundenheim auf zwei Zugpaare an Werktagen und eines ein Sonntagen verringert, denn seit Oktober 1929 fuhren Omnibusse zwischen Mundenheim und Gartenstadt.

Lokalbahn-Ära endet 1955

Im Juni 1933 wurde der Bahnverkehr nach Mundenheim dann komplett eingestellt. Im Oktober jenen Jahres folgte das Aus für die Züge zwischen Ludwigshafen und Frankenthal und sechs Jahre später auch für den Abschnitt bis Großkarlbach. Im Oktober 1955 endete schließlich auch der Bahnverkehr zwischen Mundenheim und Meckenheim. Da halfen auch Proteste – unter anderen von Zuckerrüben-Anbauern – nicht.

Die Teilnehmer richten zahlreiche Fragen an den Lokalbahn-Experten. Auf großes Interesse stoßen zudem Informationen von Jens Wilkes, Mitarbeiter in der Abteilung Infrastruktur und Planung bei der Rhein-Neckar-Verkehr- Gesellschaft (RNV). Demnach laufen derzeit im Auftrag des Zweckverbands Verkehrsverbund Rhein-Neckar erste Planungen bei der RNV für den Bau einer Pfalztram von Ludwigshafen Richtung Meckenheim. „Es hat erste Bürgerinformationsveranstaltungen dazu gegeben – und weitere sind geplant“, teilt Wilkes mit.

Entschieden sei zwar noch nichts, doch die Chancen für die Pfalztram stünden seiner Ansicht nach nicht schlecht. Jedenfalls habe eine Studie ergeben, dass ein entsprechendes „Verkehrsbedürfnis“ bei den Bürgern bestehe, so Wilkes. Und dann könnten – ähnlich wie vor mehr als 100 Jahren – klimaschonende Akku-Triebwagen zum Einsatz kommen.

x